„Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende“

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Fußball-Oberliga, Abstiegsrunde: Holzwickeder SC – TSG Sprockhövel 0:1 (0:1). Nach der 0:1-Heimniederlage des Holzwickede SC gegen die TSG Sprockhövel bemühte HSC-Cheftrainer Benjamin Hartlieb bei der anschließenden Pressekonferenz einen Titel der Hamburger Indie Rock-Band Kettcar aus dem Jahre 2002. „Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper noch nicht zu Ende“, so der bedeutsame Song, der die aktuelle Misere des heimischen Oberligisten bestens beschreibt. Die inzwischen zehnte Heimniederlage gegen Sprockhövel am Sonntag bei zwölf Spielen zuhause hat den Abstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz auf neun Punkte anwachsen lassen. Zwei von möglichen 36 Punkten zuhause: Das ist in der Holzwickeder Fußballgeschichte eine Einmaligkeit und eines Oberligisten schlichtweg unwürdig.

Abstand auf neun Punkte zum Nichtabstiegsplatz gewachsen

Eigentlich beträgt der Abstand zum Nichtabstiegsplatz aufgrund der extrem schlechten Tordifferenz sogar zehn Punkte. 21 Zähler gibt es noch zu vergeben. Wenn es schlecht läuft, ist der der HSC in zwei Wochen in die Westfalenliga 2 abgestiegen. Fast schon ein Treppenwitz: Ausgerechnet am Donnerstag, 5. Mai, bei der Hammer Spielvereinigung kann der HSC, wenn es schlecht läuft, das Ticket für die Westfalenliga buchen. Gegen einen Gegner, der in zwei Spielzeiten nur dank Corona-Abbrechungen oder -Unterbrechungen den Klassenerhalt geschafft hatte, in dieser Spielzeit 22/23 aber einfach besser und erfolgreicher als Holzwickede ist.

Ganz starker Beginn des HSC – und dann die eiskalte Dusche

Benjamin Hartlieb hatte seine Holzwickeder top eingestellt. Das war eine ganz andere Körpersprache als das blamable 0:5 am 3. Oktober 2021 in der Hinrunde an gleicher Stelle. Einige Beispiele: Tomislav Ivancic treibt den Ball nach vorne und passt auf Leon Gensicke – doch der zielt um Zentimeter am langen Pfosten vorbei (8.). Andreas Spais scheitert an Torhüter Philipp Knälmann (16.). In der 23. Minute landete eine direkte Ecke von Tomislav Ivancic an der Latte (23.). Vom Gast war wenig zu sehen – bis auf die ominöse 25. Minute. In der neutralen Zone im Mittelfeld vertändelt ausgerechnet Nils Hoppe, dessen Einsatz bis zum Anpfiff aufgrund einer im Training erlittenen Verletzung lange fraglich war, den Ball. Torjäger Nazzareno Ciccanelli spurtet auf der rechten Seite, passt auf Christian Antwi-Adjej, der zum 0:1 aus Sicht des HSC vollendet. Es war kein Abseits, auch wenn das einige HSC-Spieler und Zuschauer lautstark forderten.

Bildzeile: Nils Hoppe (hinten) vertändelte in der 25. Minute im Mittelfeld den Ball, das führte zum Tor des Tages.

„Weitermachen, wir kennen das!“ riefen sich einige Holzwickeder Spieler zu. Und doch war der Treffer ein „Gamechanger“. Ibrahim Bulut zwang Torhüter Kevin Beinsen zu einer großartigen Parade (26.). Nazareno Ciccanelli wurde in letzter Sekunde abgedrängt und kam nicht zum Schuss (35.).

Frühes Rot gegen Sprockhövel – und der HSC machte rein gar nichts aus der numerischen Überzahl

Und doch gab es eine Szene, die das Spiel hätte drehen können. Der Sprockhöveler Max Michels stieg mächtig hart gegen Lucas Arenz ein – und auf heftige Intervention des Linienrichters entschied Schiedsrichter Philippe Najda auf „Rot“ (38.). Eine völlig korrekte Entscheidung. Sprockhövel ließ es danach ausklingen – vom HSC kam auch nichts mehr, so dass es mit einer 1:0-Halbzeitführung für die TSG in die Kabine ging.

Wo blieb der HSC in den zweiten 45 Minuten?

Wer gedacht hätte, der HSC würde in Überzahl die sehr guten ersten 25 Minuten nach der Halbzeit fortsetzen, sah sich in Hälfte zwei bitter getäuscht. Es passierte hüben wie drüben nichts bis gar nichts. Philipp Gödde scheiterte in der 78. Minute noch mal am Sprockhöveler Keeper, das war es. Die TSG wurde nicht mehr richtig gefordert und konnte mit zehn Mann das Ergebnis locker und entspannt über die Runde bringen.

Überlebenskampf am „Tag der Arbeit“

Der „Tag der Arbeit“, der 1. Mai, gerät nun angesichts des desaströsen Tabellenbildes zum Schicksalstag. Um 15 Uhr geht es im nächsten Heimspiel gegen den TuS Ennepetal. Die stehen mit 28 Punkten auf vierten Platz in der Abstiegsrunde – und sind klarer Favorit.

Trainerstimmen
Benjamin Hartlieb (HSC): Der Stachel der Enttäuschung sitzt sehr tief. Bis zur 25. Minute hatten wir Sprockhövel klar im Griff, waren klar spielbestimmend. Dann war es ein individueller Fehler, der das 0:1 ermöglichte. Danach haben wir die Linie verlassen und sind wieder in alte, schlechte Verhaltensmuster gefallen. In der zweiten Halbzeit haben wir einfach keine spielerischen Lösungen gefunden. Wir waren, um es klar zu sagen, zu träge. Das letzte Quäntchen Entschlossenheit und Aggressivität haben gefehlt. Aber wir werden weitermachen, weiter hart trainieren. Es gibt noch 21 Punkte zu vergeben. Das Wort „Aufgeben“ kennen wir nicht.
Andrius Balaika (Sprockhövel): Nach drei verlorenen Spielen war es höchste Zeit, zu punkten. Wir wussten, dass es in Holzwickede nicht leicht wird. Ich muss gestehen, dass unser Führungstor fast aus dem Nichts gekommen ist. Trotz Unterzahl waren wir in der zweiten Halbzeit sehr diszipliniert. Insgesamt war der Sieg für uns verdient.

HSC: Beinsen, Müller (64. Busemann), Gödde, Bengsch (59. Fischer), Gensicke (76. Böcker), Hoppe, Schultze, You, Ivancic, Spais, Arenz.
Sprockhövel: Knälmann, Multari (88. Maron), Hendel, Zentler (64.  Weiß), Demir, Bulut, Ciccarelli, Eurich, Michels, Antwi-Adjej, D`Hone (79. Kyeremateng).
Tore: 0:1 Antwi Adjej (25.).
Besondere Vorkommnisse: „Rot“ gegen Max Michels, Sprockhövel (38.), grobes Foulspiel
Schiedsrichter: Philippe Najda (FC Eintracht Rheine)
Zuschauer: 250.

Bildzeile: Wieder eine Heimniederlager, die inzwischen zehnte, musste der HSCgegen Sprockhövel hinnehmen.

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