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VfL holt zweiten Punkt – Fassungslosigkeit beim HSC




Fußball, Westfalenliga 2: Holzwickeder Sport Club – VfL Kamen 2:2 (0:0). 
Torschusspanik und nach Abpfiff dicke Luft beim Holzwickeder SC. Ein Schlusslicht aus Kamen, das einmal mehr Moral auch angesichts eines nahezu aussichtlosen Punkterückstands zeigte und seinen Kontostand auf zwei Zählerchen nach zwölf Spieltagen erhöhte. Doch am Ende standen zwei 2:2-Verlierer auf dem Feld.
Da wäre der Aufsteiger VfL Kamen, der aufgrund der Ergebnisse von den anderen Plätzen bei zwölf Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz weiterhin abgeschlagen Letzter bleibt. Viel schlimmer der HSC: Bis zur 87. Minute klar dominant, dann komplett auseinandergebrochen, den Ausgleich kassiert, beinahe sogar noch verloren und die Riesenchance verpasst, ans obere Mittelfeld anzuklopfen. Instabilität ist die einzige Kontinuität in dieser Saison beim Holzwickeder SC.
HSC musste auf Stammkeeper Felix Hacker verzichten – beim VfL erneut Trainer Frank Heyer an der Linie
Personell mussten beide Teams vor dem Anpfiff rotieren. Für den erkrankten Stammkeeper Felix Hacker hütete Orlando Stockhecke das Tor des HSC. Sehr übersichtlich präsentierte sich die Bank des VfL Kamen. Gerade mal vier Feldspieler und ein Torwart nahmen dort Platz. Frank Heyer vertrat erneut Chefcoach Wojciech Pollok. 134 Zuschauer auf dem Rasenplatz des Montanhydraulik-Stadions bildeten eine ordentliche Kulisse – wenn auch für ein Kreisderby, bei dem es für beide Clubs um einiges ging, ein eher bescheidener Fanzuspruch.
HSC dominierte Hälfte eins – Maurice Bank für VfL mit frühem Pfostentreffer  
Nach acht Zeigerumdrehungen schickte Tom Wonneberger Maurice Modrzic auf die Reise. Doch der in der vergangenen Saison so zielsichere Goalgetter scheiterte freistehend an Kamens Keeper Cedric Conner Golbig. Hellwach war auf Seiten des VfL Maurice Bank, der nach neun Minuten mit einem Pfostentreffer sein Team im Spiel anmeldete. HSC-Verteidiger Nick Adamski verletzte sich in einer Abwehrsituation zuvor und musste mit Problemen am rechten Oberschenkel den Platz frühzeitig verlassen. Er wurde durch Jan Nielinger ersetzt. Michael Vrljic sah Efe Kadir Bozaci, dessen Kopfball um Zentimeter über die Latte strich. In der 36. Minute ging eine Flanke des HSC-Stürmers Maurice Modrzic an die Latte – eher ungewollt, aber brandgefährlich. Es blieb beim 0:0 zur Halbzeit. Für den VfL Kamen war es ein glückliches Remis, für den HSC das, was man als „Torschusspanik“ werten kann.
HSC klar besser in Hälfte zwei und mit dem Doppelpacker Efe Kadir Bozaci – und dann traf der Ex-Holzwickeder Mirco Gohr
Der Holzwickeder SC kam gut aus der Pause. Efe Kadir Bozaci erzielte die längst überfällige Führung (53.). In der 64. Minute dann eine umstrittene Situation. Nach einer Flanke köpfte Jan Nielinger zum vermeintlichen 2:0 ein, doch Schiri Ole Richter, der unter Beobachtung stand, gab das vermeintliche 2:0 nicht. Eine zweifelhafte Entscheidung, denn Nielinger kam klar von hinten vorgestürmt. Doch die Entscheidung stand. Denis Czarnecki traf fast im Anschluss die Latte (66.).

Vom VfL Kamen war wenig zu sehen. In der 67. Minute änderte HSC-Cheftrainer Kurtulus Öztürk das Personal und brachte Marek Kulczycki und Leo Mayka mit einem Doppelwechsel für Denis Czarnecki und Tom Wonneberger auf den Platz. Als dann Kamens Keeper Cedric Conner Golbig einen Abstoß verkorkste, schien es um den VfL Kamen geschehen. Efe Kadir Bozaci, am Sonntag der beste Holzwickeder, nahm das Geschenk gerne an und vollendete zum 2:0 (85.). Der Drops schien gelutscht, die ersten Zuschauer verließen das Stadion.

Bildzeile: Efe Kadir Bozaci (re.) erzielte beim 2:2 gegen den VfL Kamen einen Doppelpack.
Sie sollten das bereuen. Denn ausgerechnet ein Ex-Holzwickeder hauchte den darniederliegenden Kamenern wieder Hoffnung ein. Es war ausgerechnet der Ex-Holzwickeder Mirco Gohr, der zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle stand und den Anschluss herstellte (87.). Der HSC wankte und brach völlig auseinander. Es wurde nicht mehr im Mittelfeld gegen den Ball gearbeitet, man gefiel sich in verbalen Duellen mit dem Gegner, verhielt sich taktisch und disziplinarisch wie eine Schülertruppe und lud die Kamener förmlich zum Ausgleich ein. Maurice Bank sagte artig „Danke“ und erzielte in der Schlussminute den Ausgleich im dritten (!) Nachschuss. Dass HSC-Ersatzkeeper Orlando Stockhecke bei beiden Gegentreffern nicht gut aussah, machte das Desaster nicht besser. Und hätte der VfL Kamen in der fünften Minute der Nachspielzeit einen Freistoß aus zentraler Lage rund 20 Meter vor dem Tor besser platziert, wäre das Match komplett auf den Kopf gestellt worden. So blieb es beim 2:2 – und damit einer 2:2-Niederlage für beide Mannschaften.
Der Blick auf die Tabelle für beide Teams nicht vergnügungssteuerpflichtig
Der Holzwickeder Sport Club besetzt momentan mit 16 Punkten den neunten Tabellenplatz, das Torverhältnis ist mit 23:23 ausgeglichen. Vier Siege, vier Remis und vier Niederlagen hat der Gastgeber derzeit auf dem Konto. Nach dem 2:1-Erfolg am letzten Wochenende in Wanne-Eickel ein böser Rückschlag. Stabilität – das ist für den HSC in dieser Spielzeit ein Fremdwort. 39 Gegentreffer hat der VfL mittlerweile hinnehmen müssen – so viele wie keine andere Mannschaft in der Westfalenliga 2. Kamen bleibt mit diesem Remis weiterhin auf Platz 16. Zwei Punkte aus zwölf Spielen und damit möglichen 36 Punkten – noch nie hat eine Mannschaft mit dieser Bilanz die Klasse erhalten.
14 Tage Zeit zum Nachdenken – HSC dann zu Türkspor Dortmund, Kamen gegen Salchendorf  
Am kommenden Sonntag ist Allerheiligen, 1. November, und damit spielfrei. Zeit zum Nachdenken über Einstellungen und Leistungen. Nächster Prüfstein für den Holzwickeder Sport Club ist das wiedererstarkte Türkspor Dortmund, am Sonntag mit einem 2:2-Punktgewinn in Wiemelhausen und dennoch aktuell Tabellenvorletzter. Der VfL Kamen misst sich am gleichen Tag mit dem Mitaufsteiger SV Germania Salchendorf.
Trainerstimmen
Kurtulus Öztürk (HSC): Ich bin stinksauer. Ich habe selten erlebt, dass eine Mannschaft die Punkte so leichtfertig liegengelassen hat. Daher habe ich auch auf eine Ansprache direkt nach dem Spiel im Kreis verzichtet und diese in die Kabine verlegt. Ich bin von einigen Spielern richtig enttäuscht. Schade für den heute sehr guten Efe Kadir Bozaci, dass sein Doppelpack heute leider in den Hintergrund rückt. Nein, ich bin richtig sauer. Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit für eine Aufarbeitung. Und die wird nicht angenehm werden. Wir haben die große Chance verpasst, ins obere Mittelfeld zu kommen.
Frank Heyer (Kamen): Was die kämpferische Leistung heute betrifft, vergebe ich klar die Note eins an mein Team. Wir haben top gekämpft. Klar war für uns das 0:0 zur ersten Halbzeit glücklich. Uns ist im ganzen Spiel natürlich entgegengekommen, dass der HSC seine zahlreichen Torchancen nicht verwertet hat. Nach dem 0:2 haben wir unser System gewechselt und einen weiteren Stürmer und Außenspieler eingewechselt. Das hat natürlich geholfen.
HSC: Orlando Stockhecke, Michael Vrljic, Nick Adamski (10. Jan Nielinger), Lokman Erdogan (81. Mohammed El Gourari), Denis Czarnecki (67. Marek Kulczycki), Luis Weiß, Efe  Bozaci, Felix Höttemann, Nazarii Kovalenko, Tom Wonneberger (67. Leo Mayka), Maurice Modrzik
VfL: Cedric Golbig, Mohammed Celik, Veron Osmani, Maurice Bank, Olcan Yilmaz (79. Owen Rausch), Attila Akgün, Efe Acar, Mirco Gohr, Bajrush Osmani, Arda Osman Ersan, Valeriu Badulescu (71. Dustin Jurkiewicz)
Tore: 1:0 Bozaci (53.), 2:0 Bozaci (85.), 2:1 Gohr (87.), 2:2 Bank (90.)
Zuschauer: 134
Schiedsrichter: Ole Richter (DJK Sportfreunde Datteln).
Bildzeile: Die Abwehr des VfL Kamen hatte alle Hände voll zu tun, Denis Czarnecki zu stoppen.