Björn Zintel feiert traumhaftes Comeback

Handball: Eine Traum-Rückkehr feierte Mittelmann Björn Zintel, der seine Leistung mit sechs Toren krönte. Den verdienten Punktgewinn gegen den Tabellenneunten TSV Hannover-Burgdorf feierten die Westfalen wie einen Sieg, denn auch der Mannschaft gelang nach Rückstand ein Comeback in einer dramatischen Schlussphase.

Am Ende bedeutete dieser Punktgewinn für den Aufsteiger ohnehin weit mehr als der dritte Zähler für die Tabelle: Der ASV zeigte unter der Regie von Zintel, der sich während der Vorbereitung verletzt hatte und seither vermisst wurde, ein erheblich verbessertes Offensivspiel und war dem Tabellenneunten ebenbürtig. „Wir waren von Beginn an strukturierter und disziplinierter“, befand ASV-Rückraum Andreas Bornemann direkt nach der Partie, der mit neun Toren erfolgreichster Torschütze des Abends war. Insgesamt arbeiteten alle Mannschaftsteile gut zusammen, wie gewohnt in der Abwehr, aber diesmal auch wesentlich konsequenter im Angriff. Und das gelang, obwohl Michael Lerscht kurzfristig einige Veränderungen vornehmen musste, wie etwa Rückraum Mait Patrail über weite Strecken der Partie an den Kreis zu berufen.

Die Vorzeichen für die Mannschaft von Michael Lerscht vor diesem 15. Spieltag waren alles andere als gut. Zum noch verletzten Kreisläufer Benjamin Meschke gesellten sich gleich mehrere Akteure, die dem Coach am Sonntagnachmittag in der erneut sehr gut gefüllten WESTPRESS arena fehlten: Jan von Boenigk, Jan Pretzewofsky und Stefan Bauer standen nicht zur Verfügung. Aber der ASV kompensierte die Ausfälle mit einer äußerst engagierten Mannschaftsleistung.

Bildzeile: Beglückwünscht für seine gute Leistung wurde Rückkehrer Björn Zintel nach Spielende.

Von Beginn an im Fokus stand dabei Rückkehrer Björn Zintel, den Michael Lerscht auf der Spielmacherposition starten ließ. So dauerte es auch nur 85 Sekunden, ehe der im Sommer aus Balingen zurückgekehrte Rechtshänder sein erstes Tor warf. Dem 1:1 ließen die Gastgeber dann noch durch Fabian Huesmann und Savvas Savvas bis zu vierten Minute zwei weitere zum 3:1 folgen. Das erste Ziel war erreicht: Die Hausherren waren von der ersten Sekunde im Spiel – und dies schien auch auf Zintel zuzutreffen, der agierte, als hätte er keine vier Monate auf diesen Pflichtspieleinsatz gewartet. So verlief die Anfangsviertelstunde völlig ausgeglichen. Nach dem Ausgleich durch Hannovers Marian Michalczik in der 16. Minute erspielte sich der ASV eine erneute 9:6-Führung, nach der TSV-Coach Christian Prokop in einer Auszeit mehr „Zupacken“ von seiner Abwehr forderte. Bis zum 14:13 in der 29. Minute durch Patrail legte der Aufsteiger immer wieder vor. Zwischenzeitlich hatte Felix Hertlein im ASV-Tor sogar zwei Siebenmeter pariert. Dann gelang Vincent Büchner doch der Ausgleich, die verbleibenden Sekunden reichten dem Gastgeber nicht mehr für einen Abschluss.

In die zweite Halbzeit starteten dann die favorisierten Gäste stärker. Veit Mävers traf zweimal, die Führung des Favoriten hatte in der Folge lange Bestand. In der 44. Minute erhöhte der gewohnt präsente Ilija Brozovic am Kreis erstmalig auf einen Drei-Tore-Vorsprung für die Turn- und Sportvereinigung zum 22:19. Immer häufiger haderten die Westfalen in dieser Phase mit den knappen Entscheidungen der Unparteiischen, das Spiel wurde zunehmend körperlicher von beiden Teams geführt. Der Aufsteiger blieb trotz des Rückstands unbequem, mutig und ließ sich in der Folge nicht abschütteln. In der 49. und 50. Minute sorgten Bornemann und Savvas für den 25:25-Ausgleich. In der Arena hielt es längst niemanden mehr auf seinem Sitz. Immer wieder regulierte Zintel geschickt das Tempo, beruhigte wenn erforderlich oder übte Druck auf die Abwehr aus, um seine Nebenleute in Szene zu setzen.

Eine Sekunde vor dem Abpfiff erzielt Björn Zintel das 29:29

Fünf Minuten lang blieb es völlig ausgeglichen, dann schien es, als könnten die Gäste die Partie nun für sich entscheiden. Nach dem 29:27 durch Marius Steinhauser gelang Hannover ein weiterer Ballgewinn, aber auch in Überzahl kein Tor, da Felix Hertlein in der 58. Minute glanzvoll parierte und die Vorentscheidung verhinderte. Der ASV nutzte dies in Person von Bornemann zum Anschlusstreffer gut zwei Minuten vor dem Ende. Doch auch jetzt hielt die TSV alle Trümpfe in der Hand. Gegen die komplett offene Verteidigung des ASV leistete sich Hannover einen folgenschweren Fehlpass ins Aus. „Hamm kommt auf einen ran, dann schaffen wir es nicht, die Manndeckung auszuspielen“, beschrieb Hannovers Marian Michaelczik die Schlussminuten in Hamm, wo man eine „vernünftige Leistung“ abgeliefert habe. Der ASV bekam noch einmal die Chance, nachdem zuvor Zintel mit einem gewagten Bodenpassversuch auf den Rechtsaußen im ersten Anlauf gescheitert war, einen Punkt zu sichern. Und genau das erledigte der Rückraumspieler dann eine Sekunde vor dem Abpfiff bei seinem Durchbruch durch die Mitte selbst, als er mit seinem sechsten Treffer den starken Dario Quenstedt zum 29:29 überwand.

„Das fühlt sich richtig gut an, auch wenn ich nach der langen Pause jetzt richtig kaputt bin“, meinte ein glücklicher Rückkehrer kurz nach Spielende im TV-Interview bei SKY. „Für mich ist das ein ganz besonderer Tag“, betonte Zintel, der „schon ein bisschen mehr nervös gewesen sei, vor so einer tollen Kulisse“. Im gleichen Atemzug stellte er aber auch heraus: „Unter dem Strich ist es ein Mannschaftssport. Wir hatten heute eine gute Bereitschaft, auch gegen den Rückstand haben wir gut gespielt. Ein Stück weit waren wir strukturierter. Aber das war auch erst ein Punkt. Wir haben noch viel Hausaufgaben. Am Donnerstag (08.12.) geht es weiter in Hamburg“, richtete der Mittelmann schon wieder den Blick nach vorne.

ASV Hamm-Westfalen – TSV Hannover-Burgdorf 29:29 (14:14).

ASV: Hertlein (5 Paraden), Bozic (6 P.) – Leventoux (1), Huesmann (6/3 7m), Fuchs, Patrail (1), Schulze, Zintel (6), Pretzewofsky, Bornemann (9), Orlowski, Dayan, Savvas (3), Wieling (3).
TSV: Ebner (2 P.), Quenstedt (5 P.) – Vujovic (1), Roschek, Mävers (3), Uscins, Pevnov (2), Kuzmanovski, Steinhauser (8/4), Michaelczik (1), Kulesh (4), Gerbl, Brozovic (5), Fischer, Feise, Büchner (5).
Zeitstrafe: ASV 12 Min, TSV 8 Minuten
Schiedsrichter: Thomas Kern und Thorsten Kuschel.

Bildzeile: Eine Traum-Rückkehr nach vier Monaten Verletzungspause feierte Mittelmann Björn Zintel, der seine Klasseleistung eine Sekunde vor  Schluss mit dem Tor zum 29:29 krönte / Fotos ASV.

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