„Beißen, beißen und durchhalten“ – Georg Gießelmann erlebt den Münster-Marathon und hält durch

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Leichtathletik: Georg Gießelmann war Fußballer, jagt eigentlich immer noch so ein bisschen bei den Altherren des SSV Mühlhausen-Uelzen dem Lederball hinterher. Gelaufen ist er stets nebenher, das hielt sich allerdings Grenzen. Er setzte Pfunde an, bekam Übergewicht – und wollte die dann doch wieder los werden. „Ich fühlte mich nicht mehr so wohl, wollte das Gewicht wieder reduzieren. Das Gassigehen mit dem Hund war nicht ausreichend.“ Gesagt, getan und er legte los. Sein Laufpensum wurde groß und größer und dann reifte bei dem pensionierten Polizeibeamten der Entschluss, einen Marathon, also 42,195 Kilometer, zu laufen. Den Münster-Marathon suchte er sich aus, der war ja auch nicht so weit von Südkamen, wo er wohnt, entfernt. Am Sonntag reihte er sich dann in die Läuferschar von über 9.000 Teilnehmern beim Start auf dem Schlossplatz in Münster ein.

Bild: Georg Gießelmann vor dem Lauf auf dem Münsteraner Schlossplatz…

Doch so ganz unvorbereitet ist Georg Gießelmann den Marathon natürlich nicht angegangen. Über ein Jahr währte seine Vorbereitung. Fast jeden Tag war er unterwegs, immer nach dem Aufstehen und zumeist mit nüchternem Magen. Radfahren gehörte auch zu seinem Sport-Programm, zudem besuchte er eine Muckibude. Zeit genug hatte der Pensionär ja für die Aktivitäten. Der Ehrgeiz zu laufen stieg aber mehr und mehr. Er steigerte die Kilometerzahl, hielt sich genau an die Trainingspläne für einen Marathon, die er sich aus dem Internet besorgt hatte. Ein Zwölf-Wochen-Plan. Erst waren es gut vier Kilometer, dann zehn, schließlich 15, 20 Kilometer und eine Woche vor dem Münster-Marathon hatte er das Pensum auf 35 Kilometer gesteigert. Dass da schon die Pfunde purzelten, nahm er mit Genugtuung zur Kenntnis. Er meldete sich für den Münster-Marathon an, setzte sich unter Erfolgsdruck. Auf jeden Fall wollte er ankommen.

Fünf Stunden 30 Minuten hatte er sich als Laufzeit gesetzt

Dann war es so weit: Am Sonntag um 07.00 Uhr machte er sich auf den Weg nach Münster. 09.00 Uhr war der Start. Er schloss sich nach dem Startschuss einer Gruppe von 25 bis 30 Läufern an, die von Guides begleitet wurde. 5 Stunden 30 Minuten hatte er sich als Laufzeit zum Ziel gesetzt. Die Laufstrecke ging zunächst durch die Innenstadt, führte dann über die Außenstadtbereiche Nienberge, Roxel und Gievenbeck und zurück nach Münster zum Prinzipalmarkt. Rund 100.000 Zuschauer begleiteten die Läuferschar an der Strecke. Livebands musizierten. „Es war eine richtige Partystimmung, lenkte ab und baute auch auf“, beschrieb das Georg Gießelmann. Alle zweieinhalb Kilometer gab es Verpflegungs-  und Getränkestände. „Gold wert“, empfand das der Kamener, der zunächst gar nicht merkte, dass er immer mehr Kilometer abspulte. Bei einem der weiteren Stopps und einem Toilettengang verlor er dann den Kontakt zu seiner Gruppe, war anschließend weitgehend auf sich allein gestellt, lief sein Tempo aber weiter. „Ab Kilometer 38 wurde es dann richtig hart“, erinnert sich Gießelmann. Dann hieß es nur noch für ihn „beißen, beißen, durchhalten. Es geht fast nur noch über den Kopf. Das hat geholfen.“ Das Ziel kam immer näher und als er den Roten Teppich am Prinzipalmarkt erblickte, der Jubel der Zuschauer lauter war, wusste er, „ich habe es geschafft. Ein schönes Gefühl einerseits, aber auch gleich das Signal, das tust du nie wieder. Der Tank war leer, ich war mausetot.“

Bildzeile: Eine Dokument für die Ewigkeit mit den gelaufenen Zeiten …

Nachwirkungen gespürt

Seine Belohnung: Er hat durchgehalten und seine Laufzeit betrug 5.10.35 Stunden. Georg Gießelmann hatte seine Zeitvorgabe klar unterboten. In der Ergebnisliste gesamt war er auf Position 1.407 notiert. Das hieß bei den Männern Platz 1.108 und in seiner Altersklasse 65 Platz 24. Mehr als zufriedenstellend.

Er spürte aber auch Nachwirkungen der Laufstrapaze. „Am anderen Morgen kam ich so gar nicht richtig aus dem Bett, hatte Knieprobleme. Doch die Freude, den Marathon geschafft zu haben, überwog. Ein paar Tage nach dem Lauf in Münster fühlt sich der Kamener wieder wohler, hatte sein Körpergewicht um 18 Kilo reduziert, wiegt nur noch 77 Kilo. Auch dieses Ziel hatte er also erreicht. Wie gesagt, ein weiterer Marathon soll es nicht mehr sein. Wohl aber Fünf- oder Zehn-Kilometerläufe, sogar Halbmarathon und auch der Silvesterlauf von Werl nach Soest sind ein Thema.

Dem Fußball bleibt der 65-Jährige aber auch weiter verbunden. Er war Trainer, ist Inhaber der A-Lizenz, hatte sich einst bei den Joboxers engagiert, wo er zusammen mit Dirk Eitzert die Mannschaft in die Westfalenliga führte. Beim SSV Mühlhausen-Uelzen coachte er die Dritte – und er will auch weiter so ein bisschen bei den Oldies weiter dem Lederball  hinterherlaufen.

Bildzeile: Georg Gießelmann (links) auf den Straßen in Münster und kurz vor dem ersehnten Ziel / Fotos privagt.

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