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Sonntag.07.Juni.2026
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Ultra-Läuferin Yvonne Schneider vom SuS Oberaden meistert die „TorTour de Ruhr“




Leichtathletik: Am frühen Pfingstsonntagmorgen um 5 Uhr fiel in Herdecke der allerletzte Startschuss für die „TorTour de Ruhr“. Mit dabei: die Ultra-Läuferin Yvonne Schneider vom SuS Oberaden, die sich ihrem ersten offiziellen 100-Kilometer-Lauf als Navigations-Lauf von Punkt zu Punkt stellte.

Die „TorTour de Ruhr“ gilt als besonderer Lauf in der Ultralaufszene. Der traditionsreiche Einladungs- und Empfehlungslauf wurde in den vergangenen 20 Jahren lediglich zehnmal ausgetragen und fand nun als „Adieu Edition“ statt, denn die Ausrichter Jens und Rici Witzel machen Schluss. Die Strecken führten entlang des Ruhrtalradwegs von der Ruhrquelle in Winterberg bis zum Ziel am Rhein Orange in Duisburg. Angeboten wurden Distanzen über 230, 160 und 100 Kilometer – letztere  liebevoll als „Bambini“-Distanz bezeichnet.

Vorbereitung bereits im Januar

Für Yvonne Schneider begann die Vorbereitung bereits im Januar. Neben organisatorischer Planung und Treffen mit ihrer Crew standen intensive Trainingseinheiten auf dem Programm. Ohne Crew wäre ein Start bei diesem überwiegend als Selbstversorgerlauf organisierten Event gar nicht möglich gewesen. Insgesamt absolvierte sie fast 1700 Laufkilometer sowie rund 2100 Kilometer auf dem Fahrrad – sowohl indoor als auch outdoor. Mehrere lange Läufe von der Marathondistanz bis hin zu 60 Kilometern gehörten ebenso zur Vorbereitung, wie ein besonders hartes 1.Mai-Wochenende mit drei Marathons an drei
aufeinanderfolgenden Tagen. Darunter ein Lauf mit über 500 Höhenmetern auf der Halde Victoria 3/4 in Lünen, ein Marathon auf einer fünf Kilometer langen Runde am Kunstobjekt „JETZT“ vorbei sowie ein dritter Marathon mit 106 Runden im Römerbergstadion auf der 400-Meter-Bahn. Entsprechend groß war die Aufregung vor dem Start.

Yvonne Schneider unterstützt von ihrer Crew

Unterstützt wurde Yvonne Schneider von ihrer Crew: Dirk Wittkowski begleitete sie mit dem Fahrrad, während Iris Köppen gemeinsam mit den Töchtern Finnja und Maleen die Auto Crew bildeten und die Versorgung organisierten. Doch bereits auf den ersten 20 Kilometern kam es zu Problemen. Obwohl der Fahrradkorb zuvor getestet worden war, fielen während des Rennens immer wieder die Wasserflaschen und Gels aus dem Korb. Radbegleiter Wittkowski musste mehrfach anhalten und die Versorgung wieder einsammeln. Dadurch verlor er zunächst Zeit auf Yvonne Schneider sowie die führende Läuferin Lena Weller und deren Radbegleitung, welche Yvonne Schneider in der Zeit mit Wasser versorgten.

5:30 Minuten pro Kilometer

Der zusätzliche Stress machte sich bei Schneider physisch schnell bemerkbar. Erst nach dem zweiten eigenen Versorgungspunkt, an dem Köppen und die Töchter den Proviant neu verstauten und den Korb zusätzlich mit einem Tuch sicherten, kehrte Ruhe ein. Von da an funktionierte die Versorgung problemlos. Trotz dieser Unterbrechungen lief Schneider ein bemerkenswert konstantes Rennen und fand immer wieder zu ihrer geplanten Pace von etwa 5:30 Minuten pro Kilometer zurück. Die schnell steigenden
Temperaturen mit wenig Schatten verlangten den Teilnehmern alles ab.

Clubkolleginnen Dorothee Arendsee und Nicole Klöckner zur Unterstützung angereist

Am dritten eigenen Versorgungspunkt wartete eine besondere Überraschung: Die Vereinskolleginnen Dorothee Arendsee und Nicole Klöckner waren zur Unterstützung angereist. Dorothee begleitete Schneider anschließend bis zum vierten Versorgungspunkt. Allerdings kamen die drei zwischenzeitlich aufgrund von Problemen mit der Navigation von der Strecke ab. Die Folge waren zusätzliche Meter und vor allem ärgerlicher Zeitverlust. Kurzzeitig schloss sich außerdem Carsten Schwenke aus Lünen an, der selbst die zeitweise Begleitung eines 230-Kilometer-Läufers übernommen hatte und einige Kilometer mitlief. Ab Versorgungspunkt vier übernahm schließlich Nicole Klöckner die zusätzliche Begleitung bis ins Ziel.

Die letzten 25 Kilometer ein mentaler Kraftakt

Die letzten 25 Kilometer wurden für Schneider zum mentalen Kraftakt. Die Sonne und die Strapazen des Tages forderten ihren Tribut. Das Tempo musste reduziert werden, Kreislaufprobleme kamen hinzu. „Der Ultralauf wird im Kopf entschieden“, beschreibt Schneider später diese Phase. Gedanken ans Aufgeben, Zweifel und Erschöpfung bestimmten zeitweise das Rennen. Doch immer wieder kämpfte sie sich aus dem Tief
heraus – mit dem Wissen, dass das Ziel nicht mehr weit entfernt war.

Nach 101,5 Kilometern im Ziel

Nach 101,5 Kilometern erreichte Yvonne Schneider schließlich das Ziel und genoss den emotionalen Zieleinlauf gemeinsam mit ihren Töchtern. Das selbst gesteckte Ziel von unter zehn Stunden verpasste sie denkbar knapp um lediglich 44 Sekunden. Trotz der Enttäuschung unmittelbar nach dem Rennen, bedeutete ihre Leistung einen herausragenden Erfolg: Platz zwei bei den Frauen, nur vier Minuten hinter Siegerin Lena
Weller sowie Rang vier in der Gesamtwertung.

Zur späteren Siegerehrung in Duisburg begleiteten Schneider die Vereinskollegen Köppen, Wittkowski und Tochter Finnja. Vereinskollege Thorsten Ide war ebenfalls als Fahrer eingeplant worden. Im Duisburger Hof wurde der Abend mit guten Essen bzw. Getränken und der Siegerehrung inclusive kleinem selbstgebauten Rhein Orange Pokal
ausklingen gelassen. Mit etwas Abstand überwog am Abend schließlich der Stolz: auf die eigene Leistung, den Kampfgeist und die enorme Unterstützung durch
Vereinskollegen, Freunde und vor allem ihren Töchtern.

Bildzeile: Yvonne Schneider (4.v.li.) mit ihrer Begleitung beim für die TorTour de Ruhr“ / Foto Helmut Hanner Fotografie.