
Fußball, Westfalenliga 2: SG Finnentrop/Bamenohl – Holzwickeder Sport Club 4:4 (3:3).
Was den beiden Trainern graue Haare und Sorgenfalten bescherte, war für die 210 Zuschauer in der H&R-Arena beste Unterhaltung. In einem total verrückten Spiel trennten sich der Oberliga-Absteiger und Gastgeber SG Finnentrop/Bamenohl und der letztjährige Westfalenliga-Fünfte, Holzwickeder SC, mit 4:4. Den Ausgleich für den HSC erzielte der in der 70. Minute für Efe Kadir Bozaci eingewechselte Joker Tom Wonneberger in der zweiten Minute der Nachspielzeit, als er Gegenspieler und Keeper ausguckte und dann das Leder in den rechten oberen Winkel schweißte.
Viermal Polka – doch den letzten (Wodka-)Schluck gab’s für den HSC
„Polka, Polka, Polka“ von der kölschen Kultgruppe „Brings“ ist die Torhymne der SGF. Die erklang im Spiel gleich viermal, doch immer hatte der HSC den passenden Paukenschlag als Antwort. 15. Minute: Die HSC-Defensive bekam nach eigentlich ordentlichem Start den Ball nicht geklärt. Lejf Kaden, dreifacher Torschütze in der vergangenen Woche beim 7:5 (!) in Wiemelhausen, hatte zentral alle Zeit der Welt und knallte das Leder flach ins Eck. „Polka, die Erste“ war fällig. Das Liedchen gefiel Maximilian Humberg, der in der 17. Minute auf 2:0 erhöhte – Polka Nummer zwei dröhnte durch die Arena. Ein Debakel drohte angesichts der Tatsache, dass die Defensive aufgrund des kurzfristigen Ausfalls von Nils Bartke (Schüttelfrost) mal wieder umgestellt werden musste. Efe Kadir Bozaci fand’s genug des Stimmungslieds und prüfte mit einem Flachschuss Finnentrops Torhüter Fynn Luca Schneider. Luis Weiß machte es wenig später besser. Wieder ging ein Angriff des HSC über die ausgeguckte, sehr schwache linke Seite des Gastgebers. Weiß schaffte den wichtigen, frühen Anschluss (23.). Dann erlaubte sich SGF-Keeper Fynn Luca Schneider einen schlimmen Patzer, als er einen Schuss von Lokman Erdogan zum Ausgleich passieren ließ (31.). Der HSC war wieder dran – und verbaselte es erneut. Foul an Lukas Herb und der berechtigte Pfiff von Schiri Dennis Magné vom TuS Bruchhausen, der kurzfristig für den ursprünglich eingeplanten Referee Lars Bramkamp vom TuS Hattingen eingesprungen war. Lukas Herb übernahm selbst die Verantwortung und verlud HSC-Keeper Felix Hacker zur erneuten 3:2-Führung (34.). Polka, die Dritte. Doch wieder haute der HSC als Antwort auf die Pauke, und zwar zum denkbar günstigsten Zeitpunkt für die Holzwickeder. Maurice Modrzik schloss einen gut vorgetragenen Angriff zum 3: in der 45. Minute ab. Es ging mit einem spektakulären Gleichstand von 3:3 in die Kabinen.
HSC-Keeper Felix Hacker „bedient“ SG-Torschützen – 4:3
Den Spaß an „Polka“ wollte HSC-Cheftrainer Kurtulus Öztürk den Sauerländern spätestens in der 56. Minute nehmen. Denis Czarnecki (56.), Maurice Majewski (70.) und Tom Wonneberger (70.) brachten viel offensiven Schwung. Später sollte noch Finlay Sube (81.) folgen. Der HSC wollte also mehr. Das Sauerländer Publikum wurde unruhig – ein besonders „vorlauter“ Fan wurde von Spielern mit „Ruhe da draußen“ gemaßregelt. Doch auch dieser Kritiker wurde dann in der 77. Minute besänftigt. Dabei hatte ausgerechnet HSC-Keeper Felix Hacker einen ordentlichen Anteil. Einen eher harmlosen Schuss klärte er mit einem präzisen Zuspiel zu Gordon Meyer, der bereits in der Vorwoche in Wiemelhausen zweimal erfolgreich war. Meyer sagte artig danke und schloss zum 4:3 in der 77. Minute ab. Polka, die Vierte.
Was folgte, war neben der Einwechslung von Finlay Sube ein Sturmlauf des HSC. Tom Wonneberger war es, der abgeklärt den Ausgleich erzielte (90.+2) – Jubel und Erleichterung im HSC-Lager. Dass die Partie keinen Sieger finden würde, war besiegelte Sache, als Schiedsrichter Dennis Magné die Begegnung beim Stand von 4 : 4 schließlich abpfiff.
Viel Arbeit für beide Trainerteams
Die Tabelle sagt nach zwei von 30 Spieltagen nichts aus. Finnentrop ist mit vier Zählern Sechster – der HSC mit zwei Pünktchen Zehnter. Nichts passiert also. Doch so ganz stimmt das nicht. Sechs Gegentore für den HSC, der die beste Defensive in der letzten Saison hatte, sind schon gewaltig. Gar nicht zu sprechen von den neun Gegentreffern für Finnentrop. Während es also bei beiden Offensivreihen läuft, gibt es aus unterschiedlichsten Gründen Probleme im hinteren Bereich. Beim HSC sind das verletzungsbedingte Ausfälle – aber auch individuelle Schwächen. Spektakel ist nett für die Zuschauer – zeugt aber auch von Defiziten.

Bildzeile: Viel Moral attestierte HSC-Cheftrainer im abschließenden Kreis seiner Truppe. Allerdings wartet auf den HSC viel Arbeit – vor allem, um weniger Tore zu kassieren.
Trainerstimme:
Kurtulus Öztürk (HSC): Es kann nicht mein und unser Anspruch sein, vier Gegentreffer in einem Spiel zu bekommen. Vor allem, da wir heute bei einigen noch kräftig mitgewirkt haben. Ein Kompliment aber muss ich meinem Team angesichts der Tatsache zollen, dass es immer wieder zurückgekommen ist und auch beim frühen 0:2 Moral gezeigt hat. Wir haben noch viel Luft nach oben und müssen an den Defiziten arbeiten.
Finnentrop: Fynn Luca Schneider, Maximilian Humberg, Lukas Herb, Lejf Kaden (90.+1 Manuel Bart), Nicolas Herrmann, Gordon Meyer, Moritz Kümhof, Alban Peci, Tristan Kyrill Studzian, Jannik Selter (61. Luca Uwe Herrmann), Marten Schelle (73. Din Adrovic)
HSC: Felix Hacker, Christian Bernhard (90. Felix Niklas Höttemann), Marek Kulczycki, Lokman Erdogan, Luis Weiß (70. Maurice Majewski), Efe Kadir Bozaci (70. Tom Wonneberger), Danylo Kovalenko (56. Denis Czarnecki), Mohammed El Gourari, Nils Kleine (81. Finlay Sube), Maurice Modrzik
Tore: 1 : 0 Kaden (15.), 2 : 0 Humberg (17.), 2 : 1 Weiß (23.), 2 : 2 Erdogan (31.), 3 : 2 Herb (34.), 3 : 3 Modrzik (45.), 4 : 3 Meyer (77.), 4 : 4 Wonneberger (90.+2)
Schiedsrichter: Dennis Magné (TuS Bruchhausen)
Bildzeile: Denis Czarnecki (li.) kam als Joker in die Partie. Er schaffte es, wertvolle Räume in der Offensive zu schaffen. So fiel dann auch das 4:4 gegen die SG Finnentrop/Bamenohl durch Tom Wonneberger.





