
Triathlon: Marit Lindemann, die Triathletin aus Unna erlebte beim Ironman 70.3 Portugal in Cascais einen turbulenten Wettkampftag. Trotz eines platten Reifens vor dem Start, eines Sturzes auf dem Rad und eines erneuten Reifenschadens erreichte sie das Ziel als Achte der Profi-Konkurrenz.
Es gibt Wettkämpfe, bei denen alles nach Plan läuft. Und es gibt Rennen, in denen man immer wieder improvisieren muss, um überhaupt das Ziel zu erreichen. Für Marit Lindemann wurde der Ironman 70.3 Portugal im portugiesischen Cascais zu einem solchen Tag. Die Triathletin, die sich in dieser Saison mit starken Leistungen auf der Mitteldistanz im Profi-Feld etabliert hat, musste gleich mehrere Rückschläge verkraften. Am Ende stand dennoch ein achter Platz in der Frauenkonkurrenz der Profis – ein Ergebnis, das angesichts des Rennverlaufs eine besondere Geschichte erzählt.
Dabei hatte sich Lindemann so fit wie noch nie in dieser Saison gefühlt. Nach einem fünften Platz beim Ironman 70.3 Leipzig und Rang sechs beim Rennen im italienischen Cervia wollte sie in Portugal an ihre jüngsten Leistungen anknüpfen. Doch bereits am Rennmorgen begann der Wettkampftag mit einer bösen Überraschung.
Schon vor dem Start der erste Rückschlag
Noch bevor der eigentliche Wettkampf begonnen hatte, war Lindemanns Hinterreifen platt. Die Reparatur musste schnell gehen, schließlich warteten bereits die 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen auf sie. Da sie keinen Schaden am Reifenmantel entdecken konnte, hoffte sie, dass die Ursache nicht am Ventil lag und der Defekt damit behoben war.
Zunächst schien der Plan aufzugehen. Nach dem Schwimmen, das den Auftakt des insgesamt rund 113 Kilometer langen Rennens bildete, ging es in die Wechselzone. Dort wechseln die Athletinnen und Athleten ihre Ausrüstung, bevor sie auf die nächste Disziplin gehen. Auch hier verlor Lindemann durch einige Fehler rund eine Minute. Im Profi-Triathlon, in dem die Leistungsunterschiede oft nur wenige Minuten betragen, kann bereits eine solche Verzögerung entscheidend sein. Doch die größten Schwierigkeiten sollten erst noch kommen.
Eine Radstrecke zwischen Naturparadies und Formel-1-Kurs
Die Radstrecke in Cascais gehört landschaftlich zu den besonderen Herausforderungen im internationalen Triathlonkalender. Sie führt durch den Nationalpark Sintra-Cascais, vorbei an der beeindruckenden portugiesischen Küstenlandschaft und über anspruchsvolle Abschnitte in Richtung Lissabon. Auf der Küstenschnellstraße eröffnen sich weite Ausblicke auf den Atlantik. Ein besonderes Erlebnis ist außerdem die Fahrt über einen Abschnitt der ehemaligen Formel-1-Rennstrecke von Estoril.
Doch die schöne Kulisse hatte an diesem Tag ihre Tücken. Starker, böiger Wind machte das Radfahren stellenweise besonders anspruchsvoll. Auf offenen Streckenabschnitten mussten die Athletinnen ihre Räder sicher kontrollieren und gleichzeitig versuchen, möglichst wenig Geschwindigkeit zu verlieren. Hinzu kamen die Höhenmeter, die immer wieder Kraft kosteten. Die Strecke war damit deutlich anspruchsvoller, als es die Bezeichnung Mitteldistanz zunächst vermuten lässt.
Für Lindemann wurde die Radfahrt allerdings nicht nur wegen der äußeren Bedingungen zur Herausforderung. Bei Kilometer zwölf kam es zu einem Sturz. Der Zwischenfall kostete sie wertvolle Zeit und zwang sie, sich zunächst um ihr Fahrrad zu kümmern.
Glücklicherweise blieb das Rad bis auf einige Kratzer unbeschädigt. Lindemann konnte die notwendigen Reparaturen direkt am Streckenrand selbst durchführen und das Rennen fortsetzen. Auch sie selbst kam vergleichsweise glimpflich davon: Prellungen und Schürfwunden waren die Folgen des Sturzes. Aufgeben kam für sie dennoch nicht infrage.
Der zweite Platten macht die Entscheidung unausweichlich
Im weiteren Verlauf bemerkte Lindemann, dass sich das Radfahren zunehmend schwerer anfühlte. Zunächst ließ sich nicht eindeutig erkennen, woran es lag. Erst in der zweiten Wechselzone, als sie sich auf den abschließenden Halbmarathon vorbereitete, wurde das Problem deutlich: Der Hinterreifen war erneut platt.
Damit war klar, dass an eine Fortsetzung des Rennens mit sportlichen Ambitionen nicht mehr zu denken war. Nach der bereits erfolgten Reparatur am Morgen und dem Sturz auf der Radstrecke musste Lindemann nun entscheiden, wie sie mit der Situation umgehen wollte.
Sie entschied sich dafür, den Halbmarathon ohne Platzierungsdruck anzugehen. Statt weiter auf eine bestimmte Zeit oder Position hinzuarbeiten, wollte sie das Rennen sicher beenden und die verbleibenden Kilometer genießen. Eine verständliche Entscheidung nach einem Wettkampftag, an dem bereits so viel schiefgegangen war.
Entlang der Atlantikküste ins Ziel
Auch die Laufstrecke in Cascais hatte einiges zu bieten. Sie führte entlang der Küste und durch die wunderschöne Altstadt des portugiesischen Badeortes. Die Kombination aus Atlantikblick, historischen Gassen und der besonderen Atmosphäre der Stadt machte den abschließenden Halbmarathon zu einem landschaftlichen Höhepunkt.
Allerdings war auch dieser Streckenabschnitt keineswegs einfach. Immer wieder mussten die Athletinnen Höhenmeter überwinden, sodass ein gleichmäßiges, schnelles Lauftempo erschwert wurde. Nach den Strapazen auf dem Rad verlangte der Halbmarathon den Teilnehmerinnen noch einmal alles ab.
Lindemann nahm sich vor, den Lauf ohne den Druck einer angestrebten Platzierung zu absolvieren. Nach all den Zwischenfällen wollte sie vor allem gesund ins Ziel kommen. Dennoch gab sie nicht auf und brachte den Wettkampf zu Ende.
Laut Ergebnisliste erreichte sie nach insgesamt 4:33:36 Stunden den achten Platz im Frauenfeld. Ihre Einzelzeiten: 34:50 Minuten für das Schwimmen, 2:28:09 Stunden für das Radfahren und 1:24:36 Stunden für den Halbmarathon.
Eine Saison, die Mut macht
Auch wenn Lindemann in Cascais nicht an ihre starken Leistungen aus Italien und Leipzig anknüpfen konnte, dürfte das Rennen vor allem wegen der vielen Rückschläge in Erinnerung bleiben. Ein platter Reifen vor dem Start, Zeitverlust in der Wechselzone, ein Sturz und ein erneuter Reifenschaden – kaum ein Wettkampf hätte mehr Gelegenheiten geboten, den Kopf hängen zu lassen.
Dass sie trotzdem die Ziellinie erreichte und Platz acht belegte, unterstreicht ihre mentale Stärke. Gerade im Profi-Triathlon, in dem häufig Kleinigkeiten über die Platzierung entscheiden, ist die Fähigkeit, nach Rückschlägen handlungsfähig zu bleiben, ein wichtiger Teil des Sports.
Für Lindemann geht damit eine intensive Saison auf der Mitteldistanz zu Ende. Nachdem sie zuvor drei Langdistanzen absolviert hatte, nutzte sie die Rennen in Leipzig, Cervia und Cascais gezielt, um Erfahrungen über die kürzere Distanz zu sammeln und ihre Geschwindigkeit weiterzuentwickeln.
Die Ergebnisse aus Leipzig und Italien hatten gezeigt, dass sie auf dem Rad und beim Laufen mit der internationalen Konkurrenz mithalten kann. Cascais lieferte nun eine andere Lektion: Nicht jedes Rennen lässt sich nach Plan gestalten. Manchmal besteht die sportliche Leistung darin, auf unvorhersehbare Situationen zu reagieren und trotz aller Widrigkeiten weiterzumachen.
Das große Ziel für die Zukunft bleibt die Rückkehr auf die Langdistanz und die Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii. Die Erfahrungen aus dieser Saison dürften Marit Lindemann auf diesem Weg weiterbringen – auch dann, wenn nicht jedes Rennen mit dem erhofften Ergebnis endet.
Bildzeile: Marit Lindemann erlebte beim Ironman 70.3 Portugal in Cascais einen turbulenten Wettkampftag.





