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Von der Amateur-Weltbestzeit im Vorjahr zum Profi-Platz sechs: Marit Lindemann überzeugt erneut in Cervia




Triathlon: Beim IRONMAN 70.3 Italy in Cervia kämpfte sich Marit Lindemann bei hochsommerlichen Bedingungen auf Platz sechs. Die deutsche Triathletin verbesserte ihre Schwimmleistung deutlich, fuhr die neuntbeste Radzeit und lief trotz schwerer Beine den drittschnellsten Halbmarathon des Frauenfeldes.

Ein Jahr nach ihrem außergewöhnlichen Auftritt auf der Langdistanz kehrte Marit Lindemann nach Cervia zurück. 2025 hatte sie dort als Amateurin die Weltbestzeit der Frauen auf der IRONMAN-Langdistanz aufgestellt. In diesem Jahr stand für die inzwischen als Profi startende Athletin jedoch eine andere Herausforderung auf dem Programm: der IRONMAN 70.3 Italy über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen.

Dass es am Ende für Platz sechs reichen würde, hatte Lindemann im Vorfeld selbst nicht erwartet. „Ich hatte auf eine Top-10-Platzierung gehofft. Platz sechs war für mich keine Selbstverständlichkeit“, sagt sie nach dem Rennen.

Start um 11 Uhr – bei 30 Grad und Quallen im Mittelmeer

Die Bedingungen machten den Wettkampf von Beginn an anspruchsvoll. Der Start erfolgte erst um 11 Uhr – mitten in der Mittagshitze bei rund 30 Grad Celsius. Dazu kam mäßiger Wind. Im Mittelmeer wartete eine weitere Besonderheit auf die Athletinnen: zahlreiche Quallen begleiteten die Schwimmerinnen auf der 1,9 Kilometer langen Strecke. Geschwommen wurde zudem ohne Neoprenanzug. Das bedeutet insbesondere für viele Athletinnen einen zusätzlichen Kraftaufwand, da der Auftrieb und die bessere Wasserlage des Neoprenanzugs fehlen. Für Lindemann verlief das Schwimmen trotzdem deutlich besser als bei den Rennen zuvor. Nach zuletzt enttäuschenden Ergebnissen gelang ihr in Cervia ein wichtiger Schritt nach vorne: Sie war rund vier Minuten schneller als noch vier Wochen zuvor – und das trotz der schwierigeren äußeren Bedingungen. Für die Profi-Athletin war das eine wichtige Bestätigung ihrer Entwicklung.

Auf dem Rad heißt es: alles oder nichts

Nach dem Schwimmen ging es auf die 90 Kilometer lange Radstrecke. Der Kurs rund um Cervia ist weitgehend flach, gleichzeitig aber durch offene Abschnitte, unter anderem entlang der Flamingo-Felder, relativ windanfällig. Die Strecke führt außerdem hinaus in Richtung der italienischen Landschaft und bietet damit trotz des überwiegend flachen Profils wechselnde Eindrücke. Lindemann setzte auf dem Rad alles daran, den Rückstand auf die vorderen Plätze zu verkürzen. Nach 2:17 Stunden stieg sie vom Rad. Ihre Leistung reichte für die neuntbeste Radzeit von 23 Starterinnen. Vom zwischenzeitlichen Platz nach dem Schwimmen arbeitete sie sich damit bis auf Platz zwölf vor. Doch die aggressive Fahrweise sollte auf der letzten Disziplin ihren Preis haben.

Schwerer Halbmarathon durch Cervia

Auf den abschließenden 21,1 Kilometern führte die Strecke durch Cervia, durch Teile der historischen Altstadt und entlang der charakteristischen Alleen mit ihren Pinien. Gleichzeitig blieb die Hitze ein ständiger Begleiter. Lindemann ging mit deutlich beanspruchten Beinen vom Rad auf die Laufstrecke. Trotzdem gelang ihr ein Halbmarathon in 1:23 Stunden. Besonders bemerkenswert: Obwohl sich der Lauf für sie deutlich langsamer anfühlte, erreichte sie damit die drittschnellste Laufzeit des gesamten Frauenfeldes. Kilometer für Kilometer kämpfte sie sich weiter nach vorne und machte damit genau das, was sie sich für die Mitteldistanz-Saison vorgenommen hatte: auf dem Rad und beim Laufen ihre Stärken auszuspielen und auch unter schwierigen Bedingungen konkurrenzfähig zu bleiben.

Platz sechs im starken Profi-Feld

Am Ende überquerte Marit Lindemann als Sechste die Ziellinie. Mit ihren Zeiten ist die Athletin dabei nicht vollständig zufrieden. Gerade beim Laufen und auf dem Rad hatte sie sich im Vorfeld noch mehr vorgenommen. Gleichzeitig relativiert sie ihre persönliche Einschätzung mit Blick auf die Bedingungen. „Mit diesen schwierigen Bedingungen hatte ich so nicht gerechnet. Deshalb bin ich mit dem sechsten Platz am Ende wirklich sehr zufrieden“, erklärt Lindemann. Denn der Blick auf das Ergebnis zeigt: Sie konnte sich in einem starken Profi-Feld behaupten, obwohl sie im Gegensatz zu vielen ihrer Konkurrentinnen weiterhin ihrem normalen Beruf nachgeht und nicht ausschließlich vom Triathlon lebt. Außerdem konnte sie auch viele Männer hinter sich lassen. Lediglich neun Amateurmänner waren schneller.

Wechsel ins Profi-Feld eine Herausforderung

Cervia ist für Lindemann damit auch sportlich eine besondere Station. Vor einem Jahr stand sie hier noch als Amateurin an der Startlinie und stellte auf der Langdistanz die damalige Amateurweltbestzeit der Frauen auf. Ein Jahr später kehrte sie als Profi zurück – diesmal über die halb so lange Distanz. Der sechste Platz zeigt dabei vor allem eines: Der Wechsel ins Profi-Feld ist für die deutsche Triathletin eine Herausforderung, aber gleichzeitig entwickelt sie sich Schritt für Schritt weiter.

Für Lindemann geht die Reise damit weiter. Nach ihrem ersten Mitteldistanz-Profi-Rennen in Leipzig und dem sechsten Platz in Cervia steht fest: Die Athletin kann auch gegen ein Feld antreten, das überwiegend aus Vollzeit-Profis besteht – während sie selbst weiterhin arbeitet und ihren Sport parallel zum Berufsalltag verfolgt. Cervia war deshalb nicht nur die Rückkehr an einen besonderen Ort, sondern vor allem ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg, sich im Profi-Triathlon zu etablieren

Bildzeile: Beim IRONMAN Italy in Cervia kämpfte sich Marit Lindemann bei hochsommerlichen Bedingungen auf Platz sechs.