
Triathlon: IRONMAN 70.3 Leipzig feiert Premiere – für Marit Lindemann beginnt gleichzeitig ein neues Kapitel ihrer Karriere. Bei ihrem ersten Mitteldistanzrennen im Profi-Feld kämpft sie sich nach einem schwierigen Schwimmstart bis auf Platz fünf vor.
Der IRONMAN 70.3 Leipzig war für Marit Lindemann mehr als nur ein Wettkampf. Nach drei absolvierten Langdistanzen hat die Athletin in dieser Saison bewusst einen neuen Weg eingeschlagen: Statt 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und einem abschließenden Marathon stehen 2026 drei Mitteldistanzen auf dem Programm. Ziel ist es, Rennerfahrung zu sammeln, schneller zu werden und die besondere Dynamik der kürzeren Distanz kennenzulernen.
Leipzig bildete dabei den Auftakt – und gleichzeitig Lindemanns erstes Rennen über 70.3 Meilen im Profi-Feld.
Schwieriger Start im Wasser
Rund 2.500 Athletinnen und Athleten gingen bei der Premiere des Rennens an den Start. Geschwommen wurde im Cospudener See, bevor die 90 Kilometer lange Radstrecke durch das Leipziger Neuseenland und der abschließende Halbmarathon rund um das Sportforum folgten. Das Ziel befand sich in der QUARTERBACK Immobilien ARENA.
Für Lindemann begann der Wettkampf allerdings alles andere als nach Plan. Trotz deutlicher Fortschritte im Schwimmtraining konnte sie ihre Leistung im Rennen nicht abrufen. Nach 1,9 Kilometern kam sie mit einer Zeit von 35 Minuten als Letzte aus dem Wasser. „Natürlich war das zunächst ein Schock“, beschreibt Lindemann den Moment. Aufgeben kam für sie jedoch nicht infrage. Statt sich von dem Rückstand entmutigen zu lassen, konzentrierte sie sich auf ihre beiden stärkeren Disziplinen.
Viertbeste Radzeit und eine beeindruckende Aufholjagd
Auf dem Rad begann schließlich die große Aufholjagd. Die schnelle, zugleich verwinkelte Strecke und der starke Wind verlangten den Athletinnen einiges ab. Lindemann blieb jedoch kontrolliert, hielt sich an ihre geplanten Leistungsbereiche und vermied es, den Rückstand mit einer überzogenen Leistung aufzuholen. Das zahlte sich aus: Mit einem Schnitt von knapp 40 km/h absolvierte sie die 90 Kilometer in 2:14 Stunden und erzielte damit die viertbeste Radzeit des gesamten Frauenfeldes. Damit war plötzlich wieder alles möglich.
Zweitschnellste Läuferin des Tages
Auch auf der abschließenden Laufstrecke setzte Lindemann ihre Aufholjagd fort. Bereits auf den ersten Kilometern merkte sie, dass die Beine ungewöhnlich gut liefen. Kilometer für Kilometer arbeitete sie sich an weiteren Konkurrentinnen vorbei. Den Halbmarathon absolvierte sie in 1:19 Stunden – der zweitbesten Laufzeit des gesamten Frauenfeldes. Nach insgesamt 113 Wettkampfkilometern überquerte Lindemann schließlich als Fünfte die Ziellinie.
Mehr als nur Platz fünf
Das Ergebnis hat für die Athletin eine besondere Bedeutung. Nicht allein die Platzierung zählt, sondern vor allem der Weg dorthin: Vom letzten Platz nach dem Schwimmen kämpfte sie sich innerhalb von Radfahren und Laufen wieder in die Spitzengruppe vor. Besonders gefreut hat Lindemann das Feedback nach dem Rennen. Mehrere Athletinnen, Athleten und Zuschauer sprachen sie auf ihre Aufholjagd und ihre mentale Stärke an. „Ich möchte nicht nur schnell sein, wenn alles perfekt läuft. Entscheidend ist für mich, auch in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben und weiterzumachen“, sagt Lindemann. Genau diese Stärke nimmt sie aus ihrer bisherigen Langdistanz-Erfahrung mit auf die Mitteldistanz.
Italien und Portugal warten bereits
Leipzig hat gleichzeitig eine wichtige Standortbestimmung geliefert. Radfahren und Laufen funktionieren bereits auf hohem Niveau. Der größte Entwicklungsschritt liegt derzeit im Schwimmen.
Für Lindemann ist das jedoch kein Rückschlag, sondern Motivation. Denn wenn sie ihre im Training bereits gezeigte Schwimmleistung künftig auch im Wettkampf abrufen kann, ergeben sich neue Möglichkeiten für die kommenden Rennen.
Nach Leipzig folgen in dieser Saison noch Mitteldistanzen in Italien und Portugal. Dort soll die gesammelte Erfahrung genutzt werden, um weiter an Geschwindigkeit, Renndynamik und der eigenen Leistungsgrenze zu arbeiten.
Langfristig bleibt das große Ziel die Langdistanz und die Qualifikation für die IRONMAN-Weltmeisterschaft auf Hawaii. Die Mitteldistanz-Saison soll dafür vor allem eines bringen: mehr Geschwindigkeit und wertvolle Rennerfahrung. Der fünfte Platz in Leipzig ist dafür ein vielversprechender Auftakt.
Die wichtigste Erkenntnis des Tages bringt Lindemann selbst auf den Punkt: Sie ist konkurrenzfähig – jetzt geht es darum, diese Stärke künftig in allen drei Disziplinen gleichzeitig zu zeigen.
Bildzeile: Bei ihrem ersten Mitteldistanzrennen im Profi-Feld kämpfte sich Marit Lindemann nach einem schwierigen Schwimmstart bis auf Platz fünf vor beim IRONMAN 70.3 Leipzig.





