13.1 C
Bergkamen
Freitag.05.Juni.2026
Start Blog „Wir haben Geschichte geschrieben“: Mirco Gohr schießt VfL Kamen in die Westfalenliga

„Wir haben Geschichte geschrieben“: Mirco Gohr schießt VfL Kamen in die Westfalenliga




Fußball, Relegations-Aufstiegsrunde zur Westfalenliga: Germania Salchendorf – VfL Kamen 1:2 (1:1). Gleich den ersten Matchball hat der VfL Kamen genutzt und in der Relegation gegen Germania Salchendorf (Kreis Siegen) den Aufstieg in die sechste Liga, der Westfalenliga, geschafft. Es war für den VfL der dritte Aufstieg in den letzten fünf Jahren und gleichzeitig der Durchmarsch durch die Landesliga-Saison 25/26. Was in der Kreisliga A begann, endet nun (vorläufig) in der sechsten Liga. Cheftrainer Mehmet Kara hat eine Truppe mit viel Qualität und Mentalität zusammengestellt, die durchaus die Verbandsliga aufmischen kann. Ziel aber wird natürlich erst einmal das Ankommen in der neuen Spielklasse und der frühzeitige Klassenerhalt sein.
Bildzeile: Die VfL-Spieler stellten sich zum Spiel auf.
Mirco Gohr mit Assist und Tor in einer Szene – ganz wichtiger früher Führungstreffer
Der VfL Kamen erwischte einen tollen Start. Gerade neun Zeigerumdrehungen waren gespielt, als sich Mirco Gohr das Leder erkämpfte. Sein Pass fand Rahim Kocakus auf der rechten Seite. Der flankte – und fand den inzwischen in der Mitte des Strafraums stehenden Gohr, der zum 1:0 einköpfte (9.) . Assist, Tor – mehr geht nicht. Es sollte nicht der einzige Streich des Ex-Holzwickeders sein – aber dazu später. Die Siegerländer schüttelten sich kurz, antworteten aber schnell. Eliezar Ngyombo zwang VfL Keeper Felix Schlee, der für den gesperrten Stammkeeper Joel Kiranyaz im Kasten stand, zu einer Glanztat (11.). Salchendorf war nun hellwach, spielte mit und war um den Ausgleich bemüht. Den berechtigten Lohn gab es in der 11. Minute durch Leon Palaj. Palaj wurde nicht konsequent angegriffen und netzte zum fast postwendenden Ausgleich ein.
Bildzeile: Die Szene zum 1:0 für Kamen: Mirco Gohr erkämpfte sich das Leder, spielte nach außen, von dort kam die Flanke auf Gohr, und er erzielte per Kopf das 1:0.
Germania Salchendorf hadert: Zwei verletzungsbedingte Auswechslungen und Unterzahl
Es war ein offenes Spiel – aber nur für wenige Minuten. Dann spielte der Fußballgott den wackeren Blau-Weißen aus Salchendorf ganz übel mit. Abwehrspieler Jan Vitt verletzte sich in der 16. Minute und musste früh durch Max Bauer ersetzt werden. Lange einspielen konnte sich Bauer in der Defensive nicht, denn in der 32. Minute verletzte auch er sich, musste runter und wurde durch Tim Langenbach ersetzt. Doch der Fußballgott hatte noch nicht genug. Die gebeutelten Salchendorfer mussten in der zweiten Minute der Nachspielzeit zur ersten Halbzeit einen weiteren und wohl entscheidenden Nackenschlag ertragen. Jan-Philip Gelber holte auf der rechten Seite direkt an der Außenlinie Emre Demir von den Beinen. „Gelb“ war allemal mindestens gerechtfertigt – Schiri Denis Magne vom TuS Bruchhausen nestelte an seiner Hosentasche und zog den roten Karton heraus. Zwei Verletzte, Unterzahl – es gab viel zu besprechen in der Kabine der Germania.
Bildzeile: Eine der zahlreichen brenzligen Szenen vor dem Salchendorfer Tor.
Doppelpacker Mirco Gohr erzielt historisches Tor für den VfL in der 70. Minute
Aber auch in der Kamener Umkleide wurde wohl viel geredet und über die Taktik nachgedacht. Denn es passierte in der Hälfte zwei lange erstmal – lange Zeit nichts. Überhaupt nichts. Beide Teams belauerten sich, waren aber wenig daran interessant, großes Risiko zu gehen und lauerten auf Fehler. Mirco Gohr versuchte es ebenso vergeblich (58.) wie Leon Palaj auf der anderen Seite (61.). Dann die 70. Minute, die in die Geschichte des VfL Kamen eingehen wird. Mirco Gohr genoss plötzlich erneut im Germania-Strafraum alle Freiheiten der Fußballwelt und schoss das Siegtor (70.).
VfL Kamen schwächt sich selber – Zittern bis zum Schluss
Salchendorf warf in den letzten Minuten noch einmal alles nach vorne. Oliver-Sanches Tenorio verzog in der 85. Minute knapp. Dann schwächte sich der VfL Kamen selber. Maxim Limanski hatte bereits „Gelb“ und spielte dann auf der Seite auf Zeit. Gelb-Rot war die Quittung und das Signal für Salchendorf, noch mal alles zu riskieren. Der eingewechselte Enrico Nuo verzog (90.+3) – es sollte die letzte Chance sein. Es blieb beim 2:1 für den VfL Kamen, mit grenzenlosem Jubel und niedergeschlagenen Salchendorfern. Die haben am kommenden Sonntag noch einmal eine zweite Chance in Hagen gegen die SpVg Emsdetten. Emsdetten verlor am Donnerstag mit 0:2 gegen Kirchlengern. Der Sieger aus Salchendorf/Emsdetten bekommt das dritte und letzte Westfalenliga-Ticket.
Bildzeile: Die VfL-Spieler schworen sich vor dem Anpfiff auf das Spiel ein.
Trainerstimmen
Mehmet Kara (VfL)
Ich kann es nicht in Worte fassen. Als aktiver Fußballer habe ich viele Spiele und Titel gewonnen. Der heutige Sieg und der Aufstieg in die Westfalenliga sind etwas ganz Besonderes. Ich bin so unfassbar stolz auf mein Team. Als ich vor fünf Jahren mit dem Vorsitzenden Andreas Conradi zusammengesessen habe, habe ich gesagt, dass ich den VfL Kamen gerne in fünf Jahren zur besten Mannschaft von Unna führen würde. Damals waren wir noch in der Kreisliga A. Genau das ist jetzt gelungen. Wir sind in der Westfalenliga mit Teams wie Holzwickede und Lünen. Wir haben heute Geschichte geschrieben. Für den Verein, für jeden Einzelnen. Das werden wir jetzt so richtig feiern.
Mike Brado (Salchendorf)
Glückwunsch an den VfL Kamen. Wir waren nach zehn Minuten gar nicht so schlecht im Spiel. Dann aber lief innerhalb weniger Minuten alles schief. Zwei verletzungsbedingte Ausfälle auf der gleichen Position in der Defensive, dann auch noch die Rote Karte und damit Unterzahl. Dennoch haben wir alles versucht, hatten gute Chancen in Hälfte zwei zumindest zum Ausgleich. Jetzt müssen wir am Sonntag in Hagen gegen die SpVg Emsdetten antreten, um vielleicht noch den dritten und letzten Aufstiegsplatz zu bekommen. Angesichts von drei Ausfällen allein aus dem Kamen-Spiel wird das schwierig. Wir werden aber noch mal alles geben.
Salchendorf: Dustin Lohmann, Jan-Philip Gelber, Fynn Werthenbach, Oliver-Sanches Tenorio, Jan Vitt (16. Max Bauer, 32. Tim Langenbach), Thomas Klöckner (77. Luca Pasquale Quartaro), Leon Palaj (86. Enrico Nuo), Tim Luca Zimpel, Eliezar Ngyombo (56. Noel Ben Arfaoui), Marcel Rigau-Badenas, Ilias Houta
Kamen: Felix Schlee, Luca-Christopher Hildebrandt, Mohammed Nur Celik, Rahim Kocakus (85. Ahmet Karaduman), Emre Demir, Görkem Üküncü (69. Rienat Mochuliak), Maxim Limanski, Mika Oxe (72. Ünal Kurtulus), André Daniel Witt, Mirko Gohr, Davin Ugur (86. Can Demircan)
Tore: 0:1 Gohr (9.), 1:1 Palaj (18.), 1:2 Gohr (70.).
Besondere Vorkommnisse: Gelber (Salchendorf, Rote Karte, Foulspiel, 45.+2)), Limanski (VfL Kamen, Gelb/Rot (Foul und Spielverzögerung, 90.+2))
Schiedsrichter: Denis Magne (TuS Bruchhausen), souverän

Zuschauer: 480.

Bildzeile: Viele VfL-Fans hatten sich auf den Weg nach Meinerzhagen gemacht und unterstützten die Mannschaft lautstark auf der Tribüne.

Großes Interesse auch bei möglichen Derby-Konkurrenten
Unter den rund 480 Besuchern fanden sich auch Aktive aus Vereinen im Kreis Unna, die möglicherweise, wenn es die Liga-Einteilung zulässt, in der kommenden Spielzeit auf den Plätzen Derbysieger ermitteln. So waren unter anderem Tuna Kayabasi (Lüner SV) oder der Betreuer des Holzwickeder SC, Uwe Kasten, vor Ort. Es wird eine hochspannende neue Spielzeit geben – aber jetzt muss erst einmal entschieden werden, wie die Westfalenligen 1 und 2 besetzt sein werden.
Bildzeile: VfL-Coach Mehmet Kara wurde nach dem Abpfiff auf Händen getragen.