Wie kommen die nur um die Kurve?

1015

Erster „inklusiver Bahnabend“  im Kamener Jahnstadion ein voller Erfolg

Leichtathletik: Ziel erreicht. Da waren sich alle im Kamener Jahnstadion einig. Der erste „inklusive Bahnabend“  war ein voller Erfolg. Nichtbehinderte und behinderte Leichtathleten tummelten sich erstmals im Kreis Unna gemeinsam auf der Tartanbahn, sprinteten um Meter und Sekunden, feierten sich gegenseitig an und freuten sich gemeinsam über Sieg und Niederlage.  „Wir reden nicht nur öffentlich über eine Gleichberechtigung“, rief Landrat Michael Makiolla als Schirmherr der Veranstaltung den rund 160 erschienenen Sportler und Sportlerinnen bei seiner Begrüßungsrede zu, „sondern wir erleben heute die Praxis.“

Wie wichtig ihnen die Veranstaltung ist und war, das dokumentierten auch Oliver Kaczmarek, der SPD-Bundestagsabgeordnete des Kreises Unna, und Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Sie verfolgten zusammen mit einer stattlichen Zuschauerzahl die 17 ausgeschriebenen Wettbewerbe, die von 100m, 200m, 400m über  800m und 1500m für alle Altersklassen reichten und auch zwei Rollstuhlfahrer am Start sah. Peter Westermann, Leichtathletik-Chef des VfL Kamen, der zusammen mit dem Kreissportbund Unna die Veranstaltung initiiert hatte, notierte auch einige Bestmarken. „Das sportliche Niveau kann sich sehen lassen, alles hat gut funktioniert“, urteilte er. So lief beispielsweise Carolin Strophff, deutsche Topathletin der LGO Dortmund  mit Unnaer Wurzeln, über 800m neue Bestzeit, schrie im Ziel laut auf, fasste sich an den schmerzenden Fuß. Oh Schreck! Sie war mit einer Glasscherbe im Fuß unterwegs, hatte es aber zuvor nicht bemerkt. Für einige Athleten war die Kamener Veranstaltung eine der letzten Gelegenheiten, Qualifikationszeiten für die Deutschen Meisterschaften zu laufen. Auch wurden neue Staffelbesetzungen erfolgreich getestet.

Herbert Hessel, Landestrainer der Behindertensportler, war mit dem Auftritt seiner behinderten Sportler sehr zufrieden. Herausragend der Auftritt von Paralympics-Teilnehmerin Uta Steckert vom TV Wattenscheid. Sie erhielt den wohl verdienten Beifall von allen Sportlern. So beflügelt waren vor allem die Teilnehmer der RGS Bönen engagiert bei der Sache. Rudolf Mäkler, der Bönener Vorsitzende, zugleich Inklusionsbeauftragter beim Kreissportbund Unna und eine der treibenden Kräfte beim Zustandekommen der Veranstaltung, hofft, dass dieser erste „inklusive Bahnabend“ nicht der letzte war. „Wir sind froh über jede Gelegenheit, wo unsere behinderten Sportler starten können.“ Er machte keine Berührungsängste unter den Sportlern im Jahnstadion aus. „Im Gegenteil“, stellte er fest, „man hat sich untereinander angefeuert.“ Das empfand Rollstuhlfahrer Dennis Schmitz (21), Mitglied der RGS Bönen, auch so. „Ich war stolz, dass man mir nach meinen beiden Rennen gratulierte. Vorher habe ich mich auf mich selbst konzentriert und mein Ding durchgezogen.“ 1:35 Minuten wurde für ihn über 400m gestoppt. Seine Clubkollege Moritz Reinhold (14) war mit 1:21 Minuten sogar etwas schneller.

Zufrieden zeigte sich auch Martin Kusber vom Kreissportbund Unna, der das Ziel erreicht sah, dass sich nichtbehinderte und behinderte Sportler besser kennengelernt haben. „Wie kommen die nur um die Kurve?“, schnappte er von einem nichtbehinderten Sportler auf, der die Wettbewerbe der Rollstuhlfahrer interessiert verfolgte. Aufgrund der allgemein positiven Resonanz kann man von einer Wiederholung einer solchen „inklusiven Veranstaltung“ ausgehen. Der Deutschen Leichtathletik-Verband hat ebenfalls entsprechendes Interesse signalisiert. Peter Westermann jedenfalls hat bereits eine zweite Auflage ins Auge gefasst.

Bild: Verfolgten die Wettbewerbe im Jahnstadion (v.li.) Martin Kusber (KSB), Rudolf Mäkler (KSB), Oliver Kaczmarek (SPD), Peter Westermann (VfL), Michael Makiolla (Landrat), Hubert Hüppe (CDU) und Jürgen Korvin (KSB)            

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.