Weltklasse Kreisklasse – Eine Saison bei Genclikspor

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Uraufführung des Dokumentarfilms

Fußball: Wie beim richtigen Fußball: 90 Minuten plus Nachspielzeit. So lange läuft auch der  Dokumentarfilm „Weltklasse Kreisklasse – Eine Saison bei Genclikspor Recklinghausen“, der im Cineworld Recklinghausen seine Uraufführung erlebte. Er  zeigt das Vereinsleben von Genclikspor Recklinghausen, einem türkisch geprägten Fußballverein im Süden der Ruhrgebietsstadt. Der Münsteraner Filmemacher Daniel Huhn (im Bild 3.v.re.) hat den Verein über ein Jahr lang bei seinen Spielen in der Kreisliga A begleitet.

Daniel Huhn hatte die Idee zu dem Film, als er den Verein für ein Universitätsprojekt 2009 erstmals besuchte. „Damals arbeitete ich zum Thema Migration und Integration. Ich habe bei Genclikspor absolute Offenheit verspürt, bin so herzlich von den Vereinsmitgliedern empfangen worden, dass ich die Idee hatte, das Thema auch filmisch umzusetzen.“  Geschäftsführer Muharrem Gürbüz, genannt „Marco“ und einer der Hauptdarsteller des Films, hielt das alles zunächst für Spinnerei, war nach der Uraufführung jedoch überwältigt, konnte nur noch Danke sagen. „Das ist ein Film für die Ewigkeit.“

Über 70 Stunden Filmaufnahmen sind in der Saison 2011/2012 gemacht worden. Dass sie auch noch außerordentlich dramaturgisch ablief, konnte das Drehbuch zwar nicht so vorschreiben, gab dem Film aber noch einen zusätzlichen Kick. Mit Aufstiegsambitionen angetreten musste der A-Kreisligist bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern. 3:2 hieß es da gegen Titania Erkenschwick. Verhaltener. Jubel nach dem Schlusspfiff über den Ligaerhalt, „denn wir hatten uns ja ganz was anderes vorgenommen“, relativierte Trainer Özcan Ermek,

Im Film drehte sich nicht alles nur um den runden Lederball, den Spielen von Genclikspor. Nein, er blickte auch hinter die Kulissen. So trafen sich Spieler privat, führten Gespräche über den Club, thematisierten Migration und Integration, das sich als Thema wie ein roter Faden durch den Film zog. Etwa warum so wenig Deutsche bei Genclikspor anzutreffen sind? Ob sich ältere Migranten in Deutschland wohl fühlen und ob sie sich als Deutsche fühlen? Und selbst einen Heiratsantrag eines Spielers an seine Liebste, den er auf der Straße inszenierte, wurde in allen Facetten festgehalten. Muharrem Gürbüz: „Wir haben teilweise wirklich vergessen, dass uns ein Kamerateam begleitet.“ Regisseur Daniel Huhn erleichterte das die Arbeit, „gerade weil die Vereinsmitglieder so offen und herzlich waren, konnten authentische Aufnahmen gelingen.“

Verhaltener Jubel, nachdem Genclikspor den Klassenerhalt geschafft hatte, aber großer Beifall im vollbesetzten Kino 4 von Cineworld Recklinghausen beim Abspann des Films. Allen Premiere-Gästen hatte der Film gefallen, der im März in die Kinos kommen soll. Auch Recklinghausens Bürgermeister Wolfgang Pantförder würdigte Huhns Film: „Hier kann man sehr gut sehen“, sagte er, „dass ein Verein verbindet und Gemeinsamkeiten fördert. Der Film baut eine Brücke und zeigt, was mit Teamarbeit und Zusammenhalt alles erreicht werden kann.“ Und Genclikspor-Trainer Özcan Ermerk ergänzt: „Der Film kann Vorbildcharakter haben für Vereine, wo das Vereinsleben nicht so rund läuft wie uns.“

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