Verrückte Minuten kurz vor der Pause entschieden Derby

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Fußball-Oberliga Westfalen: Hammer SpVg – Holzwickeder SC 1:2 (1:2). Auf 477 Tage ohne Sieg kommen für die Hammer SpVg nun mindestens acht weitere dazu. Auch das 21. Ligaspiel in Folge reichte es für den HSV nicht zu einem Erfolg. In einem spannenden, aber spielerisch schwachen Oberliga-Spiel siegte der Holzwickeder SC 2:1. Es war ein kurioses Spiel, was die rund 300 Zuschauer in der 24nexx-Arena zu sehen bekamen.

Zu Beginn: schläfrig, schläfriger – HSC

Der Gast aus Holzwickede begann unverständlich schläfrig. Zweikämpfe waren für die Schmeing-Elf in den giftig-grünen Trikots zu Beginn ein Fremdwort. Ganz anders die Hammer SpVg. Die Quittung für die Passivität bekamen die Holzwickeder bereits in der 6. Minute. Torhüter Kevin Beinsen brachte durch einen wuchtigen Abstoß Mirco Gohr in Zugzwang. Der bekam den scharf geschossenen Abstoß nicht unter Kontrolle und verlor den Ball am wieselflinken Mohammed El Gourari. El Gourani sprintete auf der rechten Seite auf und davon. Sein Querpass erreichte Torjäger Marcel Todte, der nur noch zum frühen 1:0 einschieben brauchte.

Erstes „Hallo wach“ nach 20 Minuten

Nach 20 Minuten und klaren, lautstarken Ansagen von Kapitän Nils Hoppe und Robin Schultze auf und Trainer Axel Schmeing am Spielfeldrand wurde es nach 20 Minuten besser. Mirco Gohr schickte Sebastian Hahne auf die Reise. Der wurde rüde vor der linken Strafraumkante von Hamms Keeper Joel Kirayaz von den Beinen geholt. Dafür gab es „Gelb“ – viel Glück für den Torhüter, der sich auch wegen seines überaus harten Einsteigens nicht über „Rot“ hätte beschweren können (20.). Schiedsrichter Patrick Holz vom BSV Münster-Roxel aber zeigte westfälische Gutmütigkeit und beließ es beim gelben Karton. Der Freistoß für den HSC brachte nichts ein.
Bilal Abdallah ging dann für seine Spielvereinigung wieder über die rechte Seite auf und davon. Dieses Mal war Mirco Gohr rechtzeitig vor dem erneut einschussbereiten Marcel Todte zur Stelle (22.).

Verrückte fünf Minuten vor der Pause

In der 33. Minute dann der erste „Wirkungstreffer“ für Holzwickede – der aber erst mal schmerzhaft ausgerechnet gegen die Beine des HSCer Sebastian Hahne ging. Phillip Grodowski war der Übeltäter. Der hochgewachsene Abwehrspieler konnte Hahne nicht folgen. Dann kam die Grätsche – und Grodowski war nun mal letzter Mann. Phillip Holz zog direkt „Rot“ und zeigte auf den ominösen Elfmeterpunkt. Was folgte waren stattliche fünf Minuten, wo eifrig über diese Entscheidung diskutiert wurde und der des Feldes verwiesene Spieler gemächlich den Rase verließ.

Für Robin Schultze vom HSC „am Punkt“ wohl zu lange. Statt wie üblich das Leder kraftvoll mittig unter die Latte zu setzen, wählte er die „Technikvariante“. Sein Schuss ging an den rechten Pfosten. Die Groß-Chance zum Ausgleich war erst mal dahin.

Das 1:1 kam dann aber doch. Nach einer Ecke kurz nach dem verballerten Elfer war Nils Hoppe zur Stelle und traf aus kurzer Distanz zum Ausgleich (36.). Es kam noch besser für den Gast aus Holzwickede. Marcel Duwe steckte auf Nico Berghorst durch, der eiskalt vollendete (39.). Klar, dass da die gegnerische Abwehr bei diesem klassischen Doppelschlag noch unsortiert und geschockt nach den „verrückten fünf Minuten“ wirkte.

Nach „emotionaler Halbzeit“ versuchte Hamm noch mal alles

„Das war schon eine emotionale Halbzeitpause in der Kabine. Wir haben uns da noch mal richtig was vorgenommen“, sagte Hamms Spielertrainer Steven Degelmann später. Aber erst mal war wieder Holzwickede am Zug, Sebastian Hahne traf – aber es war abseits (50.). Andrei Lorengel von der Hammer SpVg zog ab – aber der für Muhamed Yarhdi eingewechselte Robin Rosowski warf sich auf der Linie mutig in den Schuss (58.). In der 70. Minute wählte Sebastian Hahne dann den Direktschuss – statt den Torhüter in aller Ruhe auszuspielen. Das musste das 3 : 1 für Holzwickede sein. Robin Rosowski schob auf Sebastian Hahne – drüber (81.). In der ersten Minute der Nachspielzeit war es dann Nico Berghorst, der am Tor vorbeizielte. Berghorst traf und verletzte sich dabei zu allem Unglück noch. Sein Einsatz am kommenden Sonntag aber scheint derzeit nicht gefährdet.

Referee ließ sieben Minuten nachspielen – es wurde noch mal richtig spannend

Sieben Minuten ließ Schiri Patrick Holz nachspielen – und es wurde so richtig spannend. Hamm drückte – konnte aber keine echten Chancen mehr herausarbeiten. Dennoch mussten die Holzwickeder immer den „Lucky Punch“ befürchten – vielleicht wäre ja noch ein Ball irgendwie „durchgegangen“. So war nach dem Abpfiff die Erleichterung riesengroß – zumindest bei den Holzwickedern. Die Hammer lagen erschöpft auf dem Rasen – und waren riesig enttäuscht.

Bilzeile: Die Trainer, Steven Degelmann und Axel Schmeing (re.), bei der Pressekonferenz.

Trainerstimmen
Axel Schmeing (HSC): Dass war hier drei Punkte mitgenommen haben, war noch das Beste an diesem Spieltag. Ich bin komplett unzufrieden. Wir haben uns gut vorbereitet. Davon war aber heute wenig zu sehen. Wir hatten viel zu große Abstände zu unseren Gegenspielern für einen gepflegten Spielaufbau. Nein, das war heute gar nichts. Wir sind da mit zwei blauen Augen davongekommen.
Steven Degelnmann (Hamm): Ich bin enttäuscht. Ich habe mein Team heute nicht als das Schlechtere empfunden. In den Minuten vor der Pause sind wir bitter bestraft worden mit „Rot“, dem Elfmeter und den beiden Gegentoren. Wir haben noch mal viel versucht in der zweiten Halbzeit und mit zehn Mann auf 4:2:3 umgestellt. Aber das alles reichte nicht. Und die ganz großen Chancen hatten wir am Ende leider auch nicht.

Hammer SpVg: Joel Kiranyaz, Tim Walter Breuer, Yunus Emre Cakir, Marcel Todte, Andrei Lorengel, Halil Can Dogan (76. Steven Kodra), Seogsun You, Mohammed El Gourari (57. Luca Christopher Hildebrandt), Hosan Ahmed (26. Dennis Klossek), Phillip Grodowski, Bilal Abdallah (76. Vincent Akrofi Frank Ocansey).
Holzwickede SC:Kevin Beinsen, Moritz Müller, René Richter (76. Justin Pfaff), Enis Delija, Marcel Duwe, Sebastian Hahne, Nils Hoppe, Robin Schultze, Mohamed Yarhdi (31. Robin Rosowski), Mirco Gohr, Nico Berghorst.
Tore: 1:0 (6.)Todte (6.), 1 : 1 Hoppe (37.), 1 : 2 Beghorst (39.).
Besondere Vorkommnisse: Rote Karte für Phillip Grodowski (Notbremse, 35.).
Zuschauer: 300
Schiedsrichter: Patrick Holz (BSV Roxel): souverän.
Bestnoten HSC: Enis Delija, Nils Hoppe, Robin Rosowski.

Bildzeile: Einmal traf Sebastian Hahne (li.) in der 50. Minute ins Hammer Tor, e stand aber vorher im Abseits. Weitere Chancen versiebte er.

 

 

 

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