TSC Kamen versteht sich als eine Familie – die Trainer Nail Kocapinar und Enes Karaaslan im Interview

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Fußball: SKU hatte bei seinem neuerlichen Besuch des TSC Kamen jetzt die beiden Trainer der 1. Mannschaft, Nail Kocapinar und Enes Karaaslan, im Gespräch. Mit beiden wurde die aktuelle Situation vor dem Saisonstart thematisiert.

Wie ist der Trainerstab bei den beiden Seniorenteams beim TSC aufgestellt?
Nail Kocapinar:
Wir sind fünf Trainer für die erste und zweite Mannschaft. Ich hatte ja bekanntlich mit meinem Bruder die Zweite trainiert. Wir sind ja dann wie die Erste aufgestiegen. Entschieden ist, jetzt macht Nadir mit Adis Hasanbegovic die Zweite. Ich bin mit Enes für die Erste verantwortlich. Er ist in seinem Bereich mit der beste in seinem Fach. Seref Karahan soll als Spielertrainer die erste und zweite Mannschaft unterstützen. Wir haben jetzt auch einen Torwart-Trainer. Abdi Sever, er kommt von Kaiserau und arbeitet mit an der Future. Er trainiert die Torhüter der A-Jugend.

Gibt es einen Austausch im Trainerstab?
Nail Kocapinar:
Ja natürlich, es gibt einen regen Austausch. Alles ist transparent. Da wird über beide Teams gesprochen. Alles im Rahmen des Projekts Future. Wir stimmen uns gut ab. Es wird gesagt, ich bin Feuer. Enes ist derjenige, der Taktik vermittelt, Beprechungen abhält. Eben ein Pädagoge, wie er als Lehrer auch im beruflichen Leben arbeitet. Wir haben unsere Bereiche, wo wir uns aufteilen und das funktioniert. Ich habe jedenfalls Spaß daran.

Es wurden für die neue Saison vorwiegend junge Leute geholt.
Nail Kocapinar
: Wir hatten auch schon in der Zweiten junge Leute. Die neuen Zugänge waren vorwiegend Jungs aus dem Umkreis. Jungs, die in Kamen, Hamm und Rhynern gespielt haben. Teilweise sind sie bei uns groß geworden. Die Kontakte blieben. Jetzt sind sie auch so alt, dass sie bei uns mitzocken können. Erdur kam aus der Westfalenliga, drei Jungs sind von Hilbeck zu uns gestoßen. Die waren uns auch privat gut bekannt. Die wissen auch, dass beim TSC eine familiäre Atmosphäre herrscht. Das passt. Die Neuen haben sich schnell eingefunden und sagen, dass es ihnen so vorkommt, als wenn sie schon drei Jahre hier bei uns gespielt hätten.

Da konnten ja die vielen Abgänge kompensiert werden?
Nail Kocapinar:
Eine ganze Mannschaft hat uns bekanntlich verlassen. Eine neue musste aufgestellt werden. Das Gerüst bildet die ehemalige Zweite. Und wie gesagt, Neue kamen hinzu. Eine junge Mannschaft steht. Insofern konnten die Abgänge kompensiert werden. Das ist halt das Projekt. Das ist für zwei bis drei Jahre ausgelegt. Wir müssen uns natürlich erst einmal zusammenfinden, Spaß haben und dann sehen was kommt. Auf jeden Fall wollen wir die Liga halten.

Die Neuen betrachten Sie also als Verstärkungen. Und wie kamen die Kontakte zustande?
Nail Kocapinar: Die Neuen verstärken auf jeden Fall unsere Mannschaft. Wir sind gut in der Szene. Uns beide siehst du in Massen, morgen auch vielleicht irgendwo in Werne. Wir sind sehr viel unterwegs. Da knüpfen wir viele Kontakte. Diese Kontakte sind sehr hilfreich, verbreitern sich zunehmend und waren hilfreich bei den Neuverpflchtungen. Die Neuen fühlen sich sofort aufgenommen. Es hat keinen gegeben, der sich negativ geäußert hat. Alle fühlen sich gut in unserer familiären Atmosphäre und wollen bei uns bleiben.

Ist die Mannschaft wettbewerbsfähig in der Bezirksliga?
Enes Kaaaslan: Definitiv. Ich kenne allerdings nur ein paar Mannschaften aus der Liga. Sei es Massen, Königsborn, Mühlhausen, Holzwickede II. Die Teams aus dem Schwerter Bereich. Dazu Alstedde. Wir werden uns bei der Konkurrenz zurechtfinden.

Wen zählen Sie zu den stärksten Teams in der Bezirksliga?
Enes Karaaslan: Für mich ist Körne mit dabei. Sölde auch. Und noch ein bis zwei Mannschaften aus dem Dortmunder Bereich, die seit Jahren in der Bezirksliga spielen. Wir haben mit vielen Trainern einen guten Kontakt. Wir sind junge Trainer und können von den Kontakten profitieren. Es kann dieses Jahr durchaus eine Überraschung geben. Warum nicht von uns? Die Realität sieht aber so aus, dass wir in der Bezirksliga erst mal die Liga halten wollen.

Mit welcher Spielweise wollen Sie das bewerkstelligen?
Nail Kocapinar: Wir haben eine spielstarke Truppe. Sie kann offensiv spielen, aber auch in der kompakten Art und Weise verteidigen. Wir müssen uns vor keinem verstecken. Je nach dem, wir werden phasenweise auch defensiv spielen, das Umschaltspiel praktizieren. Was wir seit Wochen trainieren, ist Kraft und Ausdauer. Damit wir die nötige Fitness für 90 Minuten bekommen.

Wie ist denn der Fitnessstand der Mannschaft?
Enes Karaaslan: Wir haben recht früh angefangen mit der Vorbereitung. Vor vier Wochen bin ich dazugekommen. Es wurden viele Intervallläufe absolviert, zumeist individuell und privat, wo ich dann auch die Nachweise verlangt habe. Sieben Kilometer in 35 Minuten sind zu laufen. Wer uns nichts schickt, der spielt nicht. Das ist auch neu beim TSC. Vorgaben müssen eingehalten werden. Wenn wir auf dem Platz sind, dann wollen wir viel Fußballtechnisches machen. Taktische Dinge vor allem, auch Kondition. Zwei Mal in der Woche ist Training angesetzt auf dem Platz. Freitags gebe ich die Pläne raus. Drei bis vier Mal ist auch möglich. Die Trainingsbeteiligung ist uns sehr wichtig.

Ist der Kader der Ersten bereits abgesteckt?
Enes Karaaslan: Der Kader ist derzeit noch breit aufgestellt, umfasst 24 Spieler. 18, 19 Spieler zählen derzeit zur Zweiten. Die Jungs, die jetzt noch bei der Ersten sind, und es nicht schaffen, die werden runtergehen. Es werden viele sonntags bei der Zweiten aushelfen. Es gibt immer wieder einen Austausch. Alles ist aber noch nicht festgezurrt. Ich habe heute auch noch zwei Anrufe bekommen von Spielern, die interessiert sind zu kommen. Gut für uns. Die Tür ist offen. In den letzten zwei Wochen hat die Zweite sechs neue Spieler dazubekommen. Wir scheinen interessant zu sein.

Welches Saisonziel hat der TSC ausgegeben?
Nail Kocapinar: Die Zweite soll die Liga halten, wir mit der Ersten natürlich auch. Das ist im ersten Jahr unser Plan. Gahmen hat uns geschrieben, dass sie uns unter den Top fünf sehen. Das ehrt uns, aber so weit ist es noch nicht. Wir sagen, wir wollen die Liga halten.  Spaß haben und Spaß verbreiten. Der TSC ist aber auch gut für eine Überraschung. Langfristig sehe ich beim TSC Potenziel für die Landesliga. Ein türkischer Verein, der einen eigenen Platz hat, ein Vereinsheim und weitere Möglichkeiten. Langfristig gesehen ist das Ziel die Landesliga. Stand jetzt ist das alles noch ein Traum.

Der TSC hat bereits einige Testspiele absolviert. Zufrieden?
Nail Kocapinar: Wir haben bisher sechs Testspiele gespielt. Alle haben wir gewonnen. Wir haben mit leichteren Gegnern angefangen, dann versucht draufzulegen. Die Tests sind gelungen. Samstag haben wir das Pokalspiel gegen Romania Unna, Sonntag geht es gegen Mengede. Insgesamt finde ich die Testphase für eine neue Mannschaft lobenswert.

Also sind Sie zufrieden mit der Entwicklung?
Nail Kocapinar: Ja, wir sind zufrieden mit der Entwicklung. Stand jetzt ist alles okay. Ein bisschen Luft ist natürlich noch nach oben. Automatismen müssen eingebracht werden, da müssen wir uns noch weiter finden.

Haben Sie schon eine erste Elf im Kopf?
Nail Kocapinar: Zu 80 Prozent habe ich schon eine Aufstellung im Kopf. Wir sind uns einig auf ein paar Positionen. Noch ist aber nichts fest. Einige Tage bis zum Saisonstart liegen ja noch vor uns. Wir werden auf jeden Fall mit allen aus dem Kader sprechen.

Eine Mannschaft kostet zweifelsohne auch Geld. Wie finanziert der TSC das?
Nail Kocapinar: Der TSC Kamen ist eine Familie. Es läuft viel über Zusammenhalt  Kontakte. Dieses Jahr ist es so aufgestellt. Wir haben neue Projekte wie einen Hunderter-Club. 100 Mitglieder, die 100 Euro spenden. 10 Prozent geht in den Förderverein. 90 Prozent gehen in den Verein. Erlöse gibt es über Bandenwerbungen, 33 Plakate. Es gibt auch Leute, die sagen, der TSC ist unser Herzensverein und wir spenden. Damit können wir dann auch ein paar Spieler bezahlen. Wir wollen nicht abhängig von draußen sein, auch nicht von einer Person. Das soll kein Vorwurf an andere Vereine sein. Dieses Jahr haben wir auch solche Jungs geholt, für die steht der Spaß im Vordergrund. Das Finanzielle war zweitrangig. Respekt an die Jungs, die sind uns auch entgegengekommen.

Und zum Schluss wollen Sie noch etwas aus der Vergangenheit aufklären. Da hieß es, dass die Zweite die Erste nicht unterstützen wollte.
Nail Kocapinar: In den letzten Jahre kam einiges falsch rüber. Es hieß, die Zweite würde nach oben keine Spieler abgeben. Es sah so auch, als wenn es Krach gegeben hätte. Das stimmt so nicht. Auch letztes Jahr hatten wir untereinander ein gutes Verhältnis. Ein paar Kollegen wollen eben nicht oben spielen, in ihrerer Gemeinschaft bleiben. Darunter hat so ein bisschen die Stimmung gelitten. Mit Tutti Tekkanat hatte es ja geklappt. Das ist ausgestanden und wir haben weiter gute Kontakte. Schließlich sind wir eine Familie. Wir ziehen alle an einem Strang. Unsere Tür ist zu allen und überall offen.

Bildzeile: Nail Kocapinar (li.) und Enes Karaaslan, Trainer der 1. Mannschaft des TSC Kamen.

 

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