Taktik-Fuchs Axel Schmeing überrumpelt FC Gütersloh

Fußball-Oberliga Westfalen: FC Gütersloh – Holzwickeder SC 0:1 (0:0). Manchmal sind es taktische Feinheiten, die den Unterschied ausmachen. HSC-Coach Axel Schmeing verordnete am Sonntag seiner Elf im Auswärtsspiel beim FC Gütersloh ein für Holzwickede ungewohntes 4:1:4:1-System und traf damit voll ins Schwarze. „Wir haben das kaum trainiert, aber ich hatte ein gutes Gefühl. Dass das jetzt so gut geklappt hat, macht mich und meine Elf stolz“, so ein sichtlich zufriedener Axel Schmeing nach dem Abpfiff.

Welche tonnenschweren Steine ihm vom Herzen angesichts der mäßigen Ausgangsposition als 15. fielen, zeigte sich nach Abpfiff vor exakt 501 Zuschauern im altehrwürdigen Heidewaldstadion. Schmeing umarmte und herzte seine Kicker, war für seine Verhältnisse fast schon enthusiastisch. Damit wurde der Sonntagsausflug für das Schmeing-Team und rund 20 mitgereisten Fans in die „Erlebniswelt Heidewaldstadion“ ein dreifacher Erfolg – gleichbedeutend mit 15 Punkten und dem Sprung auf Platz 13 bei nun 19:24 Toren. Das bedeutet auch, dass der HSC nur noch einen Punkt Rückstand auf die Ostwestfalen, die nun Neunter mit 16 Punkten sind, hat.

Erste Halbzeit mehr als durchwachsen

Die erste Halbzeit war rein gar nichts für Fußball-Ästheten. Dank des taktischen Systems des HSC und der Lehren aus der 0 : 2-Niederlage vor fünf Monaten im Rückspiel der letzten Saison, war das Match so wenig erbaulich, wie die „Erlebniswelt“ Heidewald-Stadion. Kaum Stimmung auf den Rängen, eine Containerbude als Geschäftsstelle vor der Arena, ein Bier- und ein Imbissstand zwar mit freundlichem Personal, aber wenig Charme – das Stadion aus den 30er Jahren, in dem sich die portugiesische Nationalmannschaft, untergebracht in der „Klosterpforte“ zur WM 2006 vorbereitet hatte, zeigte wenig Ausstrahlung wie beide Teams auf dem Platz in den ersten 45 Minuten. FCG-Torjäger Eric Yakhem verpasste das Ziel in der 15. Minute um Zentimeter. Nach Foul an Sebastian Hahne, wieder sehr bemüht, gab es Freistoß für den HSC. Doch Tomislav Ivancic schoss knapp vorbei (30.). Zuspiel von Eric Yakhem auf André Kondring – doch der traf nur das Außennetz (41.). Es waren ereignisarme 45 erste Minuten in Gütersloh.

Und wenn`s dann fußballerisch nicht klappt, kann man ja Elfmeter fordern. Dachte sich Güterslohs Nick Flock in der 48. Minute und forderte nach einem mutmaßlichen Foul an ihm vehement Strafstoß. Doch der ausgezeichnete Unparteiische Tim Zahnhausen zog ihm den Zahn, indem er korrekterweise auf Weiterspielen entschied. In der 60. Minute donnerte Marcel „Cello“ Reichwein für seinen HSC einen Freistoß superknapp über die Latte. Das HSC-Torhüter Muhamed Acil zu einem der besten in der Oberliga Westfalen zählt, bewies er in der 62, Minute, als er prächtig gegen den eingewechselten Ilias Illig parierte. Tomislav Ivancic donnerte das Leder über das Tor (69.). Es ging auf und ab – wobei der HSC einen Ticken besser wirkte.

Gohr-Treffer „weggenommen“ und auf Eigentor entschieden

Und dann kam sie, die alles entscheidende 74. Minute. „Cello“ Reichwein legte mit einem echten Geistesblitz auf Mico Gohr vor und der überwand FCG-Keeper Jarno Peters zum 1 : 0 für den HSC. Nach dem Spiel wurde Mirco Gohr das Tor allerdings „weggenommen“. Schiedsrichter Tim Zahnhausen entschied auf „Eigentor“ des parallel gelaufenen Samy Benmbarek. Das war von außen kaum auszumachen – doch am Ende egal, da der Treffer ja zählte.

Der HSC legte nach. Ein Schuss von Sebastian Hahne wurde Beute von Jarno Peters (75.), ebenso wie ein Schuss von Robin Rosowski in der 80 Minute. Für Gütersloh war der ins Spiel gekommene Marcel Rump noch mal gefährlich, doch Muhamed Acil war mal wieder zur Stelle (83.).

Es blieb beim 1 : 0 -Auswärtserfolg, der so wichtig für Holzwickede ist. Am kommenden Sonntag, 3. November, geht es zuhause gegen die TSG Sprockhövel, die sogar einen Rang hinter dem HSC rangiert. Da wäre ein weiterer Erfolg Gold wert.

Personell war es wieder mal angespannt – wie immer

Personell sah es beim HSC mal wieder nicht gut aus. René Richter, in dieser Woche mit Grippe gehandicapt, saß zumindest auf der Bank. Die war übersichtlich mit Torhüter Malte Hegemann, Moritz Müller, Lamar Lambertz, Jona Deifuß und eben René Richter besetzt. Eine Hiobsbotschaft kam von dem verletzten Torjäger Nico Berghorst: Er wird die gesamte Hinrunde ausfallen und wohl erst im kommenden Jahr wieder in einem Spiel auflaufen können. www.sport-kreisunna.de berichtete bereits über die notwendige, weitere OP bei Kerim Acil. Für den Verteidiger, der sich beim Hecker-Cup in Aplerbeck verletzt hatte und noch nie in der Meisterschaft für den HSC aufgelaufen war, ist das Fußballjahr aufgrund der Schulterverletzung und seinen Folgen gelaufen.

Hilfe aus Holzwickede für das Maskottchen

In der Vorbereitung auf das Spiel und den Besuch im Heidewaldstadion hatte der jüngste HSC-Fan, Lasse Golek (8), vom neuen, noch namenlosen Maskottchen des FC Gütersloh gehört – einem „wilden Cowboy“. Gleich zehn Namensvorschläge überreichte Lasse Golek dem FCG-Vorstand offiziell vor dem Spiel. Die kommen jetzt alle in die Entscheidungsrunde. Und vielleicht bekommt das Gütersloher Maskottchen ja seinen Namen ausgerechnet aus Holzwickede.

Trainerstimmen:
Axel Schmeing (HSC): Das war ein ganz leidenschaftlicher Auftritt meines Teams. Das neue System hatten wir vorher noch nie so richtig trainiert. Das es geklappt hat, super. Wir haben dadurch nicht viele Chancen zugelassen. In den letzten 15 Minuten hat Gütersloh gedrückt. Wir aber haben gekämpft – und ein bisschen Glück gehört in manchen Szenen einfach dazu. Respekt an meine Mannschaft. Das war eine echte Energieleistung. Wir sind überglücklich.
Julian Hesse (Gütersloh): Bis zum 0 : 1 haben wir nicht viel zugelassen. Wir hatten die besseren Chancen, aber nach vorne lief, wie zuletzt, recht wenig. Vorne drückt uns also der Schuh. Insgesamt waren wir gewiss nicht schlechter als der HSC. Doch die drei Punkte sind nun mal weg.

FC Gütersloh: Jarno Peters, Lars Beuckmann, André Kording (77. Marcel Rump), Matthäus Wieckowicz (46. Ilias Illig), Eric Yahkem, Saban Kaptan, David Schwesig, Tim Manstein, Samy Benmbarek, Nick Flock (85. Lars Schröder), Pascal Widdecke
HSC: Muhamed Acil, Jonas Janetzki (72. René Richter), Marcel Reichwein (82. Lamar Lambertz), Robin Rosowski, Tomislav Ivancic, Mischa Mihajllovic, Sebastian Hahne, Nils Hoppe, Aldin Klajic Mirco Gohr (87. Gohr), Lennart Uedickoven
Tore: 0 : 1 (74. Benmbarek, Eigentor)
Schiedsrichter: Tim Zahnhausen (SpVg Horsthausen)
Zuschauer: 501
Bestnoten: Muhamed Acil, Mischa Mihajlovic, Marcel Reichwein, Mirco Gohr.

Bild: HSC-Abwehrspieler Mischa Mihajlovic (re.) geht hier mit vollem Einsatz in den Zweikampf.

 

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