SuS Oberaden zeichnet Julia Ritter mit der Jugendsportmedaille aus

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Leichtathletik: Für eine gute Idee hielten Herbert Littwin, Präsident des SuS Oberaden,  und Vereinsjugendleiterin Petra Knippschild, Julia Ritter für ihre herausragenden sportlichen Leistungen die „Jugendsportmedaille“ des SuS Oberaden zu verleihen. Als Jugendsportwart der SuS-Leichtathleten hielt Peter Maeder dabei die Laudatio auf Julia. Was sagt man einer vor wenigen Tagen 16 Jahre alt gewordenen Sportlerin, die aus sportlicher Sicht vieles schon erreicht hat, wovon man selber ein Sportlerleben lang geträumt hat. Peter Maeder:

„Ein Glücksfall für die Leichtathletik des SuS war der Tag, an dem ich die noch 13-Jährige, die nur „mal so“ beim Training mitmachen wollte, zum Kugelstoßen schickte. Weiter als 9, 50 m flog die Kugel im ersten Versuch. Unglaublich, das war die Qualifikation für die westfälischen Schülermeisterschaften. Ihr erster Auftritt als Leichtathletin fiel anders als erwartet aus. Verächtlich und mitleidig betrachteten die jungen Mädchen die „Neue“ im Kugelstoßring der Dortmunder Körnig-Halle. So etwas hatten sie noch nie gesehen. Lange Kniestrümpfe nach Art der Handballerinnen zierten die Waden der 14-jährigen Julia. „Wenn die gleich 7 m stößt, dann freut sie sich.“ Das hörte Julia gerade noch, als sie mit Herzklopfen in den 2, 13 m Durchmesser großen Ring stieg. Es wurden 10, 58 m, Platz drei und die Qualifikation für die westfälischen Meisterschaften. Seitdem hat nie wieder eine Konkurrentin gewagt, über Julias Outfit zu lachen.

Erster Westfalenmeistertitel in Paderborn

Am 04. März 2012 gewann Julia ihren ersten Westfalenmeistertitel in Paderborn für den SuS. Am 24. Juni folgten zwei weitere Titel im Kugelstoßen und Diskuswerfen. Logisch, dass Julia zum Länderkampf Westfalen gegen die Niederlande nominiert wurde. Am 08. September trat sie in Gladbeck gegen die niederländische Jugendmeisterin Benthe König an. Ich warnte sie vor der Kampfkraft der Holländerin. Immerhin hatte Benthe bereits 13, 50 m gestoßen. Julias Kommentar: „Die ist gut, aber ich bin besser.“ Und sie gewann mit der deutschen Jahresbestweite von 13, 75 m. Ende 2013 wurde Julia in den vorläufigen NRW – Kader berufen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Vater Reiner seine Tochter bei allen Wettkämpfen begleitet und, was noch wichtiger war, soweit es ihm möglich war, trainiert. Leider konnte der beste Wurf-Trainer des SuS, der schon manch ein Talent in die deutsche Spitze gebracht hatte, Julia nicht übernehmen. Wir entschieden gemeinsam, dass Reiner Ritter das bis zu fünf Stunden dauernde tägliche Training übernehmen sollte. Er fuhr mit zu allen Wettkämpfen und Lehrgängen. Dort lernte er nicht nur die gesamte deutsche Trainerelite kennen, sondern eignete sich nach und nach auch ein gutes Wissen für sein neues „Hobby“ an. Dazu kam, dass der Verein und die Stadt Bergkamen sich bemühten, Julia das Bestmögliche an Sportstätten, wie den so wichtigen Kraftraum, zur Verfügung zu stellen. Es war nicht leicht für den Quereinsteiger Reiner. Einmal sagte er zu mir: „Peter, ich weiß, dass die alle denken, ich wäre verrückt.“ Und ich antwortete: „Reiner, nur Verrückte kommen zu Olympia.“

 2013 makellose Saison

Im Jahr 2013 konnte Julia auf eine makellose Saison zurückblicken: 27-mal ging sie in ihrer Spezialdisziplin, dem Kugelstoßen, an den Start, 26-mal verließ sie als Siegerin das Stadion. Bei den deutschen U 18 Meisterschaften belegte sie als beste Fünfzehnjährige Platz 6. Doch gerade diese „Niederlage“ gehörte zu ihren größten Erfolgen im Jahre 2013. Als westfälische U16 Hallenmeisterin, U16 Freiluftmeisterin und bei den westdeutschen U16 Meisterschaften in Hagen kam sie im Kugelstoßen zu Ehren. Ihr Meisterstück lieferte Julia am 07. September beim Länderkampf gegen die Niederlande in Almelo ab. Nur um einen Punkt als „Ersatzfrau“ zu retten, musste sie im Hammerwerfen ran und siegte mit der Weite von 33, 28 m. Insgesamt dreimal trat sie an, dreimal holte sie die volle Punktzahl für Westfalen.

Seit 2014 in der WJU18 sind die Konkurrentinnen älter und stärker. Aber Julia lässt sich nicht einschüchtern. Ihre Kurve zeigt immer noch aufwärts, was die letzten Eintragungen in der DLV-Bestenliste zeigen: 16, 71 m mit der 3kg Kugel bedeuten zurzeit Platz 2 in der WJU18. Der größte diesjährige Triumph waren bisher jedoch die in Halle a. d. Saale mit der 4kg Kugel erreichten 14, 73 m. Das ist das Kugelgewicht, das auch bei Olympia zum Einsatz kommt. Julia steht mit dieser Leistung als 16-Jährige in der DLV-Bestenliste der Frauen auf Platz 12.

Bundestrainer kommt ins Römerbergstadion

Das große diesjährige Ziel sind die deutschen Jugendmeisterschaften, die im August in Wattenscheid ausgetragen werden. Dort wird sie um einen Platz ganz weit oben kämpfen. Einen Bus für ihre Fans zu mieten wäre sinnvoll, denn Julia ist in einer sportbegeisterten Familie aufgewachsen, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre. Sie alle und vielleicht noch ein paar Mannschaftskameradinnen von den Kaiserau Skorpions werden dabei sein wollen.

Doch vorher hat sich noch der Bundestrainer „Wurf“ angemeldet. Er wird Julia in „unserem“ Stadion besuchen, in dem sie auch nach einem möglichen Wechsel täglich trainieren darf. Darin sind wir uns einig, der Präsident des SuS Oberaden Herbert Littwin, der Vorsitzende der Leichtathletikabteilung Jochen Felgenhauer, die Kollegen vom Sportamt und der Schreiber dieser Zeilen. Hoffe ich doch am Fernseher mitzuerleben, wenn sie eines Tages im Aufgebot der deutschen Olympia Mannschaft ins Stadion einzieht.“

Bild: (v.li.) Vereinsjugendleiterin Petra Knippschild, SuS-Präsident Herbert Littwin, Julia Ritter und Peter Maeder.

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