Sperrzone „gegnerischer Strafraum“, Ausfälle und individuelle Fehler: viele Baustellen beim HSC

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Fußball: Der gegnerische Sechzehner wie eine verbotene Zone, zum denkbar ungünstigsten Moment 20 Sekunden nach der Pause eine Slapstick-Einlage zur Vorentscheidung, Ausfälle von Leistungsträgern (auch auf dem Platz!), die einfach nicht mehr zu kompensieren sind: Das waren die Zutaten und Ursachen der verdienten 0:3-Niederlage des HSC in Rheine. Viel zu früh ist es, nach fünf Spieltagen und immerhin schon zwei Auswärtssiegen in Clarholz und Schermbeck den Stab zu brechen, doch der Absturz auf Platz 15 und unerklärliche Leistungseinbrüche während bisher fast jeden Spiels geben Rätsel auf.

Zu Beginn des Spiels in Rheine lief es ja noch ganz ordentlich. Doch dann war er da, dieser Aussetzer mit fatalen Folgen. Die Anzeigetafel zeigte die 40. Minute an. Es war klar, dass jener Rheiner Sportkamerad mit der Nummer 18 namens Viktor Maier ein unermüdlicher „Wirbelwind“ ist, die ganze Aufmerksamkeit benötigt und HSC-Coach Marc Woller das auch vor dem Match angesprochen hatte. Ausgerechnet Moritz Müller, ansonsten eigentlich „Mister zuverlässig“ in der Abwehr mit Drang in die Offensive, gönnte Maier die entscheidenden Meter, der wiederum mit einem tollen Distanzschuss aus über 20 Metern HSC-Keeper Kevin Beinsen nicht den Hauch einer Abwehrchance ließ. Da war er dann mal wieder, der Rückstand, dem der HSC bislang in allen Saisonspielen hinterherlaufen musste. Ab da ging nach vorne für Holzwickede herzlich wenig. Marcel Duwe, der am Sonntag seinen 25. Geburtstag feierte, feuerte einen Distanzschuss an – der aber den Kasten verfehlte. Ein Rückstand nach 40 Minuten, kurz vor der Pause, es hätte nicht ungünstiger laufen können.

Und die Fans hatten sich nach der Pausen-Bratwurst noch nicht mal den Senf von den Mundwinkeln abputzen können, da gingen diese ganz weit nach unten. André Schneider, der in der 79. Minute verletzungsdingt gegen Fabian Jenusch ausgetauscht werden musste, versuchte einen Freistoß zu klären, traf aber mit seinem mächtigen Befreiungsschlag den verdutzten Mirko Janning im roten Rheiner Dress, von dessen Körper der Ball zum 2:0 in die HSC-Maschen trudelte. Da waren gerade mal 20 Sekunden in Halbzeit zwei gespielt, die Halbzeitansprache damit schon Historie ohne Gegenwartswert und das Spiel vorentschieden. Was dann folgte, waren Minuten der kompletten Konfusion beim HSC – doch der Eintracht aus Rheine fehlten Glück und auch das Können, Top-Chancen zu verwerten. Dass dann Viktor Maier in der 90. Minute nach einem Konter noch das 3:0 erzielen durfte, war Folge einer ganz schwachen Leistung der Holzwickeder in den zweiten 45 Minuten.

Personell sieht es weiterhin „mau“ aus – aber auch die Leistungsträger auf dem Platz müssen sich zusammenreißen

Klar ist, dass die Langzeit-Fehlenden wie Philip Gödde, Leon Gensicke und Nils Hoppe nicht zu ersetzen sind. Doch auch von den Etablierten könnte das eine oder andere Prozentpünktchen mehr kommen. Mittelfeldregisseur Marcel Duwe spielte gegen Rheine zwischen Kreis- und gelegentlich Oberligaklasse, doch Pässe erreichen oft nicht den Adressaten. Lucas Arenz, eigentlich ein gestandener Regionalliga-Spieler, fühlte sich in seiner Rolle weit vorne überhaupt nicht wohl, presste zwar in der ersten Verteidigungslinie vorne, war da aber Solist. Robin Schultze war sichtbar bemüht und kämpferisch erneut ein Vorbild, wurde aber hart von seinen Gegenspielern bekämpft und verliert Energien durch Diskussionen mit den Unparteiischen – auch wenn die oft gerechtfertigt sind. Auch Enis Delija ist von seiner Bestform ein gehöriges Stück entfernt.

Und als es dann an personelle Ergänzungen ging, dann gibt die Bank nicht mehr allzu viel her. Ensar Selmanaj ist mit drei Treffern bester Torschütze der HSC U23 in der Bezirksliga – doch die Oberliga ist eine andere Klasse. Dario Biancardi hatte kurz vor Schluss sogar noch eine Chance zur Ergebniskosmetik – aber auch ihm fehlt noch einiges. Henri Böcker wäre jemand, der mehr Spielanteile bekommen sollte, vielleicht auch von Beginn an.

Mittwoch Pokalspiel beim Kamener SC

Die Möglichkeit, Spielern aus dem erweiterten Kader Einsatzzeiten zu geben, hat der HSC an diesem Mittwoch, 29. September. Im Achtelfinale des Krombacher Kreispokals geht es um 19.30 Uhr zum Kamener SC (Kunstrasenplatz 1 der Sportanlage im Kamener Schulzentrum, Gutenbergstraße 2). Der Tabellenführer der Kreisliga A2 wird dem HSC einiges abfordern. Am Sonntag siegte das Team mit 2:0 bei Grün-Schwarz Cappenberg. Das Duell Kamener SC gegen HSC gab es bereits im Vorjahr in der 1. Runde: Am Ende siegte der HSC mit 4:0 – allerdings verletzte sich Ferdinand Franzrahe in der Nachspielzeit schwer an der Hand und fiel wochenlang aus.
Spieler wie Lavdrim Yusufi, Dario Biancardi, Dario Markovski, Ensar Selmanaj, Fabian Jenusch und Keeper Torben Simon könnten für diese Begegnung erste Wahl sein. Ansonsten erwartet den HSC eine harte Trainingswoche mit Analysen der Rheine-Pleite – das kündigte Marc Woller bereits in der Pressekonferenz nach dem Spiel in Rheine an.

Gegen Sprockhövel wieder eine Mega-Aufgabe und gegen Top-Torjäger Ciccarelli

Auch im nächsten Oberliga-Spiel gastiert ein Top-Gegner im Montanhydraulik-Stadion. Am Sonntag, 3. Oktober, gastiert die TSG Sprockhövel in Holzwickede. Die fegten am Sonntag Westfalia Rhynern gleich mal mit 5:0 aus ihrem Stadion „Am Baumhof“, profitierten dabei aber unter anderem vom längerfristigen Ausfall von Rhynern Top-Torjäger Lennart Kleine. Die TSG steht auf Platz fünf mit zehn Punkten, hat dreimal gewonnen, einmal Remis gespielt und einmal verloren. Stärke ist die Offensive – was bei 14:6 Toren deutlich wird. Top-Torschütze ist Nazzareno Ciccarelli, der bereits sieben Tore erzielt hat und damit nur ein Tor weniger als der gesamte HSC. Gegen Rhynern netzte er gleich viermal ein – einmal war Christian Antwi-Adjej erfolgreich. Hoffnung machen sollte dem HSC die Tatsache, dass die beiden letzten Heimspiele gegen Sprockhövel gewonnen wurden: 2:1 (3. November 2019) und 1:0 (12. August 2018).

Bildzeile: Enis Delija (l.) überzeugte gegen Rheine nicht. Von seiner Bestform ist er noch ein Stück weit entfernt.

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