„Sind noch in der Findungsphase“: 1:1 zwischen HSC und HSV im Derby als Trippelschritt aus der Krise

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Fußball, Oberliga Westfalen: Hammer SpVg – Holzwickeder SC 1:1 (0:1). Zwei zufriedene Trainer saßen da nach dem Abpfiff bei der Pressekonferenz im VIP-Raum der Hammer Spielvereinigung in der 24nexx-Arena. Beide hatten nicht verloren und feierten mit dem Punktgewinn zumindest ein kleines Erfolgserlebnis, hatten statistisch je eine Halbzeit gewonnen und stehen nun punktgleich mit sieben Zählern in der Tabelle als 15. (Hamm) und 16. (HSC) innig und gemeinsam vor den direkten Abstiegsrängen.

1:1 endete an einem wunderschönen Herbstsonntag das Derby zwischen der Hammer SpVg und dem Holzwickeder SC – und am Ende fragte man sich, wer mehr geschwitzt und „Kilometer abgearbeitet“ hatte – das Team des HSC oder Karl-Friedrich Lösbrock (Sportliche Leitung HSC) und Friedhelm Klemp (HSC-Fan), die beide mit dem Radel die rund 30 Kilometer lange Strecke zwischen Holzwickede und Hamm absolviert hatten.

„Laut“ war erst mal nur der HSC

Nein, es war kein Spiel für Freunde des gepflegten Fußballs. Beide hatten mit 0:5 (HSC zuhause gegen Sprockhövel) und 2:5 (Hamm bei Westfalia Rhynern) am letzten Spieltag empfindliche Pleiten kassiert und waren auf Wiedergutmachung aus. Schon beim Warmlaufen forderte Hamms Kapitän Philip Grodowski „Lautstärke“ bei seiner Truppe ein. Vorweg: In den ersten 45 Minuten war davon wenig zu hören und auf dem Spielfeld von den Gastgebern auch herzlich wenig zu sehen.

Ensar Selmanaj überraschend in der Startformation des HSC

Die Aufstellung des HSC beinhaltete eine große Überraschung. Ensar Selmanaj bekam den Vorzug vor Tomislav Ivancic. Selmanaj hatte sich nach Angaben von Trainer Marc Woller im Training empfohlen. Ivancic wiederum wirkte zuletzt nach seinem guten Saisonstart mit zwei Treffern überspielt und konnte in den folgenden Spielen keine Akzente mehr setzen. Marcel Duwe war nach Absitzen seiner Gelb-Rot-Sperre wieder in der Startelf. Mathieu Bengsch saß zunächst auf der Bank – ein Einsatz von Beginn an wäre von dem von einer schweren Armverletzung genesenen Neuzugang auch zu früh gekommen.

HSC macht viel zu wenig aus Überlegenheit in der ersten Hälfte – Gödde vergeigt Elfmeter, trifft dann aber doch

Bereits in der 2. Minute gab es die einzig nennenswerte Chance für Hamm in den ersten 45 Minuten. Nach einem Foul von André Schneider gab es Freistoß aus rund 20 Metern. Hosan Ahmed knallte das Leder nur um Zentimeter an Kasten von HSC-Keeper Kevin Beinsen vorbei. Damit hatte die Spielvereinigung ihr Pulver schon verschossen. Stattdessen begann die „Gödde Show“. Henri Böcker legte auf Phulip Gödde, der schoss „blank“ über den Kasten (12.). Robin Schultze versuchte es aus der 25 Meter-Distanz – Hamms Torhüter Kevin Scierski machte sich lang und drehte das Leder so gerade noch um den Pfosten (20.). Der sehr agile Ensar Selmanaj wollte sich für das Vertrauen von Marc Woller bedanken und war äußerst engagiert. In der 21. Minute drang er in den Strafraum ein und konnte nur regelwidrig von Hosan Ahmed von den Beinen geholt werden. Der gute Schiedsrichter Thorsten Milde entschied korrekt auf Elfer. Absprachen über einen möglichen Schützen habe es nicht im Vorfeld gegeben, sagte Coach Marc Woller später. Philipp Gödde lief an, schoss viel zu schwach und Sven Scierski hatte keine Mühe, das Schüsschen zur Ecke abzuwehren. Da war sie gewesen, die Riesenchance zur psychologisch wichtigen Führung.

Doch Gödde bewies Moral, zeigte Kampfgeist. Er belohnte sich selber dann mit dem 1:0 per Kopfball in die lange Ecke in der 30. Minute – da stand aber auch niemand an seiner Seite, der das verhindern wollte und konnte. Anschließend hatte Vincent Ocansey eine Kopfballchance, die aber am Kasten des HSC vorbeistrich. Es blieb beim komplett verdienten 1:0 für den HSC zur Halbzeit.

Zweite Halbzeit ging klar an Hamm

Die 402 Zuschauer sahen dann in den zweiten 45 Minuten eine komplett andere Partie. Zwar zielte Philipp Gödde noch mal in der 50. Minute knapp vorbei – aber das war es dann in Sachen Auftritt der Holzwickeder für den Rest der Begegnung. Stattdessen übernahm Hamm das Zepter, drängte den HSC in die Defensive. Anil Saraman zielte noch über das Tor (55.). Dann folgte das „Privatduell“ zwischen HSC-Torhüter Kevin Beinsen und Ocansey. Gleich zweimal konnte Beinsen mit wahren Monsterparaden so eben noch klären (72. und 73.). In der 77. Minute schlug es dann doch im HSC-Tor ein. Moritz Müller verlor außen den Ball, Flanke der Hammer nach innen und da stand Ocansey frei und traf dann doch per Kopf zum verdienten Ausgleich (77.). Was folgte, waren zumeist harmlose Angriffe der Spielvereinigung, die aber alle verpufften – und doch hätte immer mal einer „durchrutschen“ können. Der HSC verlegte sich auf die Defensive. Fast hätte es noch zum Sieg gereicht, als der eingewechselte Tomislav Ivancic in der Nachspielzeit knapp scheiterte und das Leder neben das Tor setzte (90 + 2). Als der sichere Schiedsrichter Thorsten Milde dann abpfiff, wusste eigentlich niemand, ob das ein gewonnener oder verlorener Punkt für das jeweilige Team war. Das werden die weiteren Spiele und der Verlauf der Hinrunde zeigen. Positiv für beide: Bis zum zehnten Rang, der zur Aufstiegsrunde berechtigt, sind es weiterhin nur drei Punkte – aber auch eben nur ein Punkt bis zum ersten Abstiegsplatz.

Beide Teams nun im Kreispokal  – Marc Woller: In Herringen mit erster Kapelle

Für den Holzwickeder SC geht es direkt am Mittwoch, 13. Oktober, weiter. Um 19 Uhr steht das Viertelfinal-Spiel im Krombacher Kreispokal beim A-Ligisten Herringen an. Anstoß in Herringen auf dem Naturrasen „Am Schacht“ ist um 19 Uhr. Die Hammer SpVg muss erst am Dienstag, 26. Oktober, ran: Um 19.45 Uhr geht es dann zum Landesligisten TuS 1910 Wiescherhofen. HSC-Coach Marc Woller kündigte bereits am Sonntagabend nach dem Hamm-Spiel an, gegen Herringen mit der „ersten Kapelle“ zu spielen. „Alles andere können wir uns auch gar nicht leisten. Wir brauchen jedes Spiel, um uns zu finden und einzuspielen. Wir sind ja doch vor der Saison arg gerupft worden“, so Woller.

Comeback für Co-Trainer Daniel Frieg nach Kreuzbandriss

Und für einen weiteren HSCer gab es am Sonntag ein Comeback. Co-Trainer Daniel Frieg saß wieder auf der Bank – wenn auch mit dicker Schiene. Er hatte sich bei einem Altherren-Spiel ohne gegnerische Einwirkung einen Kreuzbandriss zugezogen. „Wenn man`s halt nicht mehr kann“, scherzte er am Sonntag. Dennoch: Der Taktik-Fuchs ist wieder da und bedeutet für den HSC sicherlich eine Verstärkung.

Comeback auch für Mathieu Bengsch

Nach seiner mehrwöchigen Verletzungspause nach seiner Armverletzung feierte auch Mathieu Bengsch am Sonntag ein Comeback. Als der Grundschullehrer in der 58. Minute endlich wieder Meisterschaftsluft schnuppern durfte, ging für ihn eine mehrwöchige Leidenszeit zu Ende. Große Akzente konnte er allerdings nicht mehr setzen – doch ist er ein Kandidat für das Kreispokalspiel am Mittwoch in Herringen und natürlich für den kommenden Sonntag, 17. Oktober, im Oberliga-Heimspiel gegen die Sportfreunde Siegen.

Trainerstimmen
Marc Woller (HSC): Wir haben zwei grundverschiedene Halbzeiten gesehen. In der ersten Halbzeit waren wir richtig gut, sind in die Zweikämpfe gekommen und haben sehr ordentlich gespielt. In der zweiten Hälfte sind wir nicht mehr in die Ordnung gekommen und haben nicht kompakt genug verteidigt. Auch haben wir über außen viel zu viele Flanken zugelassen – und eine davon führte halt zum Ausgleich. Insgesamt darf man nicht vergessen: Wir befinden und noch in einer Findungsphase. Wir wurden ja vor der Saison personell arg gerupft. Jetzt muss erst einmal alles passend gemacht werden. Wir arbeiten hart daran im Training.
Steven Degelmann (Hamm): In der ersten Halbzeit hat das Holzwickede richtig gut gemacht. Zur zweiten Hälfte habe ich nicht viel taktisch verändert, denn die Holzwickeder Grundausrichtung passte genau in unser System und in unseren Matchplan. Meine Mannschaft hat nicht nur dagegengehalten, sondern war dann auch spielbestimmend. Das ist nicht selbstverständlich, denn Holzwickede hat nun einmal eine echte Klasse-Mannschaft mit vielen erfahrenen Spielern. Insgesamt ist es ein gerechtes Unentschieden. Besonders hervorheben möchte ich heute die Leistung in der Defensiv von Mika Oxe. Nach seinen vielen Verletzungen und Rückschlägen hat er sich voll in den Dienst der Mannschaft gestellt – bis hin zu Muskelkrämpfen. Das war von ihm eine gute Leistung, die der Junge sich auch hart erarbeitet und verdient hat.

Hammer SpVg: Kevin Scierski, Julius Woitascheck, Patrick Schmidt (56. Tobias Fuest), Andrej Lorengel (65. Frederik Falk), Anil Saraman (83. Zivko Radojovic), Mika Oxe (75. Patrick Nemec), Vincent Akrofi Ocansey, Hosan Ahmed, Rion Latifaj, Philip Grodowski, Yunus Emre Cakir.
HSC: Kevin Beinsen, Moritz Müller, André Schneider, Enis Delija, Philipp Gödde, Marcel Duwe (63. Jonathan Kyeremateng), Robin Schultze, Ensar Selmanaj (76. Tomislav Ivancic), Henri Böcker (58. Mathieu Bengsch), Maurice Majewski (85. Til Busemann), Lucas Arenz.
Tore: 0:1 Gödde (30.), 1:1 Ocansey (77.).
Schiedsrichter: Thorsten Milde (SV Langschede): sehr sicher, kannte beide Mannschaften aus dem „Eff-Eff“ und ließ erst gar keine Hektik zu.
Zuschauer: 402.

Bildzeile: Wo ist der Ball? Der Holzwickeder Henri Böcker (re.) scheint ihn noch zu suchen – der Hammer Andrei Lorengel hat ihn dagegen im Blick. Szene aus dem Oberliga-Duell Hamm – Holzwickede.

 

 

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