Sechserpack, Horror-Heimbilanz, lange Sperre und neue Langzeitverletzte: HSC in dieser Verfassung nur ein Spielbällchen in der Oberliga

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Fußball Oberliga: Holzwickeder SC – TuS Erndtebrück 0:6 (0:3). Nein, es war am Ende nicht der Schiedsrichter, der gewiss nicht seinen besten Tag erwischt hatte und durch sein Verhalten erst gar nicht in den Ruf kam, ein „Heim-Schiri“ zu sein, es war auch kein Pech oder ein überragender Gegner: Das 0:6 gegen den TuS Erndtebrück war eine Lehrstunde, eine Ohrfeige für ein Team aus Holzwickede, das an diesem Sonntag jegliche Oberligareife vermissen ließ. Damit erwies sich der 1:0-Auswärtserfolg vor Wochenfrist gegen den TuS Haltern nur als Strohfeuer. Platz 18, der direkte Nichtabstiegsplatz nun schon zwei Punkte entfernt, mit elf Toren die mit Herne und Meinerzhagen wenigsten erzielten Tore und bei 31 Gegentreffern die zweitschlechteste Defensive: Ohne Wenn und Aber empfiehlt sich der HSC aktuell ganz stark für die tiefere, sechstklassige Westfalenliga-Saison 22/23.

Komplett unnötige Aussetzer

„In den ersten 30 Minuten waren wir eigentlich gut im Spiel“, meinte ein nicht nur gesundheitlich verschnupfter Trainer Marc Woller bei einer Pressekonferenz im Anschluss an das Spiel, die sein Trainerkollege Stefan Trevisi erst gar nicht besucht hatte. Aber warum auch? Er hätte ohnehin nur konstatieren können, dass sich der HSC wieder einmal selber geschlagen hatte. Und so war er längst im Bus mit seinen erfolgreichen Mannen davongefahren, 110 Kilometer zurück an die hessische Grenze, mit drei Punkten im Gepäck und einer schönen Tordifferenz.

Vor dem Spiel war mal wieder Basteln angesagt

Bei der Aufstellung musste HSC-Coach Marc Woller mal wieder kräftig improvisieren. Auf der Torhüter-Position wartete der HSC gleich mit einer Überraschung auf. Der gegen Haltern überragende Torben Simon, der den Dreier in der Stausee-Arena festgehalten hatte, bekam von Trainer Marc Woller den Vorzug vor der etatmäßigen Nummer 1, Kevin Beinsen. Auch Nils Hoppe nahm erst mal wieder auf der Ersatzbank Platz – wie auch der angeschlagene Marcel Duwe. Mathieu Bengsch stand erst gar nicht im Kader – seine Armverletzung zwingt ihn zu einer weiteren Pause. Dabei aber wieder in der Startformation Moritz Müller, der gegen Haltern das Siegtor zum 1:0 geschossen hatte. Auch Philipp Gödde fehlte im Kader gegen den TuS: Auch er ist verletzt – und zwar wohl auch längerfristig.

Auswechslung auch auf der Position des Schiedsrichters

Eine Auswechslung gab es übrigens auch auf der Position des Schiedsrichters: Für den beruflich als Polizist verhinderten Timo Gansloweit vom SC Husen-Kurl pfiff sein Vereinskollege Yannick Rupert, ebenfalls sehr erfahrener Regional- und Oberliga-Referee. Und der sollte eine entscheidende Rolle im Spiel einnehmen. Was ein Referee nicht unbedingt tun sollte, denn ein Match sollte eigentlich von den 22 Spielern entschieden werden. Aber der Reihe nach. Einen Schuss von Abbas Attia konnte Moritz Müller gerade noch so abblocken (11.). In der 18. Minute spielte Enis Delija auf Moritz Müller, der auf Henri Böcker – und auch dessen Schuss wurde in letzter Sekunde abgeblockt. Und dann der Anfang vom Ende: Der TuS konnte von der linken Seite ins Halbfeld spielen, da stand Abbas frei und erzielte nach kurzem Sprint das 1:0 für die Wittgensteiner – und da war er wieder, der elfte 0:1-Rückstand im zwölften Spiel für den HSC.

Bildzeile: Das war die wohl entscheidende Szene im Spiel des HSC
gegen Erndtebrück (0:6): Nach dem Elfmeterpfiff gibt es ein Gerangel,
in dessen Folge Jonathan Kyeremateng glatt Rot bekommt.

Elfer verschuldet und dann auch noch glatt Rot

Doch es kam noch schlimmer für den HSC. In der 35. Minute verhielt sich HSC-Abwehrspieler Jonathan Kyeremateng denkbar ungeschickt. In einem Zweikampf an der rechten Strafraumgrenze hätte er das Leder sonst wo hin klären können- stattdessen ging er in den Zweikampf, fuchtelte mit den Armen gegen den Ball und gegen den Kontrahenten – und es gab Elfer gegen ihn. Noch schlimmer: Direkt im Anschluss gab es ein Gerangel, bei dem Erndtebrücks Fuad Dodic und Robin Schultze aneinandergerieten – und wieder war da, obwohl der Ball ruhte, Joanathan Kyeremateng in vorderster Linie dabei. Er fasste seinen Gegenspieler, so schrieb es der Schiedsrichter später in seinen Bericht, an den Hals, alle fielen dann spektakulär, protestierten und wälzten sich Hollywood-reif – Kyeremateng kassierte Rot, während sein Gegenspieler in dieser Situation mit Gelb davonkam. Dass Erndtebrücks Trainer Stefan Trevisi seinen Schützling Fuad Dodic dann später, nach einem weiteren Foul auswechselte, zeigte nur, dass Rot oder Gelb für beide die wohl bessere Entscheidung gewesen wäre. So aber gab es Elfer für Erndtebrück, einen Mann weniger für den HSC – und das 0:2 für den Gast per Strafstoß durch Abbas Attias (36.).

Das 0:3 in der vierten Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch Paolo-Armani Ike Chukwu Okoye war die Vorentscheidung in diesem ab dann nur noch einseitigen Spiel.

Zweite Halbzeit – Sie bemühten sich stets….

In der Pause habe man sich noch mal eingeschworen, sagte Marc Woller in der Pressekonferenz. Ja – und da standen sie nun auf dem Platz zu zehnt und waren einem Gegner ausgeliefert, der eine Klasse besser war – und das unabhängig von der Überzahl. Dass es nicht zweistellig wurde, dafür sorgte der fast schon bemitleidenswerte HSC-Keeper Torben Simon, der fast im Fünfminutentakt Parade nach Paraden gegen durchgebrochene Erndtebrücker zeigen musste. Dreimal musst er dann doch das Leder aus den Maschen holen: Beim 0:4 durch Paolo-Armani Ike Chukwu Okoye, beim 0:5 durch Louis Mwako Ngalia und dem 0:6 durch Murat-Kaan Yazar (83.). Marcel Duwe konnte dann in der 79. Minute das erste Mal (!) direkt aufs Tor schießen – und Nils Hoppe scheiterte in einem Solo am frierenden Keeper Erndtebrücks, Jonas Brammen. Das war es in Sachen Offensivbemühungen des HSC – mehr als bescheiden.

Bildzeile: Besorgte Minen bei der Sportlichen Leitung des HSC mit Karl-Friedrich Lösbrock und Tim Harbott.

Und wenn es schon schlecht läuft….

Der HSC wurde nicht nur durch das 0:6 bitter bestraft. Jonathan Kyremateng wird nach seiner Roten Karte mehrere, wahrscheinlich vier Wochen, fehlen. Leon Gensicke verletzte sich mutmaßlich an der Kapsel – und Henri Böcker an der Hüfte. Damit werden auch diese beiden wohl länger fehlen. Und auch bei Philipp Gödde wird es wohl erneut dauern. Wahrlich keine guten Voraussetzungen für das nächste Spiel am kommenden Samstag, 20. November, 14.30 Uhr bei der Reserve von Preußen Münster.

Trainerstimme
Marc Woller (HSC): Wir sind wieder in alte Fehler, die ich eigentlich für überwunden gehalten hatte, verfallen. In der Defensive haben wir quasi mit dem Lasso verteidigt. Wir stehen jetzt wieder am Anfang. Zu den sechs Heimniederlagen: Fußball ist ein Ergebnissport, wir haben zuhause nicht geliefert. Wir werden weiterhin alles versuchen und gleich beim Training am Dienstag wieder Vollgas geben. Es ist meine Aufgabe, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Das muss mir gelingen. Ich bin da in vorderer Linie gefragt.

HSC: Torben Simon, Moritz Müller (71. Til Busemann), André Schneider, Enis Delija, Leon Gensicke (40. Tomislav Ivancic), Robin Schultze (65. Marcel Duwe), Jonathan Kyeremateng, Henri Böcker (45+2 Nils Hoppe), Maurice Majewski, Fabian Jenusch, Lucas Arenz.
Erndtebrück: Jonas Brammen, Fuad Dodic (45+4 Robin Entrup), Tim Schrage (58. Murat-Kaan Yazar), Abbas Attia, Sosuke Fukuchi, Chihiro Inada, Taira Tomita, Csinachi Keleb Nwubani (58. William Wolzenburg), Admir Terzic, Benedikt Brusch, Paolo-Armani Ike Chukwu Okoye (62. Louis Mwako Ngalia).
Tore: 0:1 Attia (29.), 0:2 Attia (36., FE), 0:3 Okoye (45+4), 0:4 Okoye (56.), 0:5 Ngalia (73.), 0:6 Yazar (83.).
Besondere Vorkommnisse: Rote Karte für Jonathan Kyeremateng (35., Tätlichkeit).
Zuschauer: 250.
Schiedsrichter: Yannick Rupert (SC Husen-Kurl).

Bildzeile: Das 0:6 gegen den TuS Erndtebrück war eine Lehrstunde, eine Ohrfeige für ein Team aus Holzwickede, das an diesem Sonntag jegliche Oberligareife vermissen ließ.

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