Krachendes 0:5 des HSC gegen Sprockhövel – Frage nach Einstellungs- und Qualitätsdefiziten

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Fußball, Oberliga-Westfalen: Holzwickeder SC – TSG Sprockhövel 0:5 (0:2). Drittes Heimspiel, dritte Heimniederlage – und was für eine. Mit 0:5 unterlag der restlos enttäuschende Holzwickeder SC gegen die TSG Sprockhövel. Die Gäste mussten sich nicht mal besonders strecken, um ihre eigenen Titel-Ambitionen zu untermauern. Es war das bislang schlechteste Spiel des HSC unter der Ägide von Coach Marc Woller.

Rekord-Pressekonferenz unter fünf Minuten: Da war bereits alles gesagt

Gerade mal vier Minuten und 30 Sekunden dauerte die Pressekonferenz nach dem Spiel. Da war alles gesagt. Zurück blieben HSC-Verantwortliche, die sich vor allem mit einem von Marc Woller angesprochenen Punkt beschäftigen müssen: Sind die zuletzt und insbesondere gegen Sprockhövel gezeigten Leistungen Einstellungs- und/oder Qualitäts-Defizite? Um die Analysen der nächsten Tage vorwegzunehmen: Sowohl als auch, lautet Antwort. Von der angepeilten Teilnahme an der Aufstiegsrunde ist der HSC jedenfalls meilenweit entfernt. Im Gegenteil: Bei fünf möglichen Absteigern muss man sich nun in diese unteren Tabellenregionen orientieren.

Die Tabelle: Platz 16 – und dennoch nur vier Punkte Rückstand auf Platz 10

Der Holzwickeder SC stürzte nach dem 0:5-Debakel auf den 16. Platz unter 21 Teams. Damit steht man einen Zähler über dem Schnitt, das heißt bis zum ersten Abstiegsplatz. Bis zum 10. Platz, der für die Aufstiegsrunde berechtigt, sind es allerdings auch nur vier Punkte Rückstand. Alles ist noch drin – doch der HSC muss schnellstens „in die Puschen kommen“.

HSC erneut personell geschwächt – Spieler des erweiterten Kaders, der A-Junioren und der U 23 mussten aushelfen

Erneut personell geschwächt musste der HSC in die Begegnung gehen. Die Gelb-Rote Karte, die sich Marcel Duwe im Kreispokalspiel unter der Woche beim 1:0-Sieg gegen den Kamener SC abgeholt hatte, zwang den Mittelfeldregisseur zu einer Pause. Leon Gensicke (Verletzung) und Lennart Uedickoven (Studium) sowie Nils Hoppe (Auszeit nach Studium) fallen ohnehin noch länger aus. Dario Markovski verletzte sich beim Kreispokal und fiel ebenfalls aus. Auch für Ersatztorhüter Torben Simon reichte es mit seiner Leistenverletzung noch nicht – er wurde auf der Bank durch Henrik Dißelhoff, der noch am Mittag das A-Junioren-Tor beim 3:0-Erfolg gegen Oelde gehütet hatte, ersetzt. Und so mussten Spieler aus dem erweiterten Kader oder der Zweiten wie Tim Walter Breuer, Ensar Selmanaj, Dario Biancardi, Fabian Jenusch, Damjan Illic oder Philipp Julius Maximilian Schmidt aushelfen. Sie alle begannen ihren Arbeitstag erstmal auf der Bank.

Nach neun Minuten waren gute Vorsätze bereits über den Haufen geworfen

Mal einmal nicht in Rückstand gehen – das hatten sich die Holzwickeder vorgenommen. Ein frommer Wunsch, der exakt bis zur 9. Minute hielt. Da war es Max Maron auf der rechten Bahn der Sprockhöveler, der selber von seinen Freiheiten überrascht war. Unbedrängt stürmte und rannte der „22er“, sah dann in der Mitte Gianluca Zentler. Fast müßig zu sagen, dass auch der komplett „blank“ vor HSC-Torhüter Beinsen stand und den Ball nicht mal richtig traf. Beinsen kam noch mit der linken Hand an den Ball, von dort trudelte der Ball langsam über die Linie. 1:0 für Sprockhövel – das hatte der HSC unbedingt vermeiden wollen.

In der 17. Minute meldete sich der HSC auch mal ins Spiel an – und zwar in Person des eifrigen Tomislav Ivancic. Der spürte im gegnerischen Strafraum eine Berührung. Fiel – doch der gute Schiedsrichter Christopher Schütter pfiff zurecht nicht. Der leichte Kontakt war einfach zu wenig. Wieder war es Ivancic, der mal abzog, doch sein Schuss ging weit über die Kiste (26.). Sprockhövel spielte diszipliniert, stand in der Defensive sicher, wobei der HSC aber auch wenig bis gar nichts nach vorne brachte.

Wie es geht, zeigte die TSG in der 36. Minute: Eduard Renke wurde angespielt und ließ mit einem Heber Kevin Beinsen erneut keine Chance. 0:2 nach gerade 36 Minuten. Wieder einmal zeigte die Abwehr Schwächen, die üblicherweise in unteren Klassen zu finden sind. Beinahe noch das 0:3 und wieder war Max Maron beteiligt. Seinen Pass aber konnte Christian Antwi-Adjej nicht verwerten.

Bildzeile: Leon Gensicke feilte am Spielfeldrand mit dem Physio des HSC an seinem Comeback. In zwei bis drei Wochen könnte er wieder an Bord sein.

Dann war Halbzeit – und das Ende von 45 Minuten, in denen der HSC Oberliga-Format vermissen ließ. Es konnte nur besser werden.

Halbzeit zwei: Da fehlt wirklich fast alles

Es wurde aber noch schlimmer. 56. Minute – und da war er da, der TSG-Torjäger Nazzareno Ciccarelli. Auch er genoss alle Freiheiten der Welt und düpierte dann auch noch Kevin Beinsen mit einem Heber zum 3:0. Sein Vereinskollege Eduard Renke dachte sich, dass der HSC heute ohnehin alles zulässt, zog aus über 20 Metern mutig ab – und traf ins rechte untere Eck aus seiner Sicht zum 4:0 (68.).

Eigentlich ein Treppenwitz, aber: Als die ersten der ohnehin wenigen Zuschauer schon abwanderten, begann die beste Phase des HSC. Tomislav Ivancic scheiterte an Sprockhövels Keeper Azmir Alisic (69.). Der eingewechselte Damjan Illic, der bereits im Pokal gegen den Kamener SC überzeugt hatte, zwang Alisic erneut zu einer tollen Parade nach Kopfball (70.).

Die nicht vorhandene Abwehr des HSC kassierte dann noch das 0:5 in der 75. Minute. Und erneut seltsam: Wieder zeigte der HSC eine Mini-Reaktion. Ensar Selmanaj schoss vorbei (88.), Philipp Gödde scheiterte an Alisic. Dazwischen gab es noch mal kurz Aufregung, als Lucas Arenz zu Fall kam (80.) – doch auch hier wäre ein Elfmeter zu viel des Guten gewesen.

„Wir sind derzeit einfach keine Mannschaft“  

Was sagt nun das 0:5? Moritz Müller, HSC-Abwehrspieler, sprach nach dem Spiel davon, dass es einzig und allein wohl an der Einstellung gelegen habe, nicht an der Qualität. Durchaus diskutabel, denn auch die TSG war nun wahrhaft nicht spielerisch überragend, sondern stand diszipliniert in der Defensive, nutzte ihre gar nicht so vielen Chancen eiskalt und vor allem eines: Jeder Sprockhöveler Spieler war seinem Gegenüber aus Holzwickede spielerisch und technisch an diesem Sonntag überlegen – und zwar von der „1“ bis zur „11“. HSC-Keeper und Kapitän Kevin Beinsen: „Wir sind derzeit einfach keine Mannschaft. Aber wir bekommen das hin, das wird besser.“

Fans mit Ehre und Ahnung: „Wir bleiben treu“ – Ergebnis durch Lasse Golek sogar exakt vorhergesagt

Auch nach einer der höchsten Niederlagen in einem Heimspiel der letzten 20 Jahre (!) blieben die Fans eines der wichtigsten „Pfunde“ des HSC. Gegen die Hammer SpVg im richtungsweisenden Auswärts-Match am kommenden Sonntag wollen sie der verunsicherten Holzwickeder Truppe den Rücken stärken. Dass die Anhänger dabei durchaus realistisch sind, zeigen die Tipps des Sonntags beim Tipp-Quiz gegen Sprockhövel. Lasse Golek, seit Geburt an Mitglied des HSV und später HSC und regelmäßig bei den Spielen daheim und auswärts dabei, hatte das Ergebnis exakt vorhergesagt. Und mit 1:5 lag ein weiterer HSC-Fan gar nicht ganz so falsch. Realismus ist beim HSC in diesen Tagen angesagt – und die Regionalliga ist so meilenweit entfernt.

Trainerstimmen
Marc Woller (HSC): Der Sieg für Sprockhövel ist absolut verdient. Von der Nummer 1 bis zur Nummer 11 waren wir am heutigen Sonntag unterlegen. Ist es die Einstellung oder sind es Qualitäts-Defizite – ich weiß es nicht. Die Defensivarbeit ist in den letzten ein bis drei Wochen eine Katastrophe. Vier der fünf Tore sind aus eigenen Standards entstanden, also nach eigenen Freistößen oder Ecken.
Andrius Balaika (Sprockhövel): Hätte mir jemand vor dem Spiel erklärt, dass wir heute 5:0 in Holzwickede gewinnen, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Wir haben sehr konzentriert gespielt, haben geduldig auf unsere Möglichkeiten gewartet und diese gut ausgenutzt. Wir haben dicht gemacht und die Räume glänzend bespielt. Die Tore waren alle wunderschön. Wir fahren sehr zufrieden nach Hause.

HSC: Kevin Beinsen, Moritz Müller, André Schneider (64. Ensar Selmanaj), Enis Delija, Philipp Gödde, Tomislav Ivancic, Robin Schultze, Jonathan Kyeremateng, Henri Böcker (80. Dario Biancardi), Maurice Majewski (64. Damjan Illic), Lucas Arenz.
TSG Sprockhövel: Azmir Alisic, Simon Hendel, Jasper Stojan (76. Mick Steffens), Marcel Weiß, Gianluca Zentler, Nazzareno Ciccarelli, Eduard Renke (80. Mats Fred Endt-Knauer), Mert Sahin, Max Maron (72. Aker-Ali Arslan), Christian Antwi-Adjej, Lewin Alexander D’Hone (76. Stanley Antwiadjei).
Tore: 0:1 Zentler (10.), 0:2 Renke (36.), 0:3 Ciccarelli (56.), 0:4 Renke (68.), 0:5 Ciccarelli (75.).
Schiedsrichter: Christopher Schütter (TV Preußen Werl): souverän und ohne Probleme.
Zuschauer: 150.

Bildzeile: Der Holzwickeder Jonathan Kyeremateng kann in dieser Szene den Ball behaupten gegen einen Sprockhöveler Gegenspieler.

 

 

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