Ingmar Uhrich erreicht beim Rennsteiglauf 100. Ultra-Marathon – Interview

Leichtathletik: Ingmar Uhrich vom Lauf Team Unna im Interview zum 100. Ultra-/Marathon, den er beim Rennsteiglauf absolviert hat.

Wie und wann bist zu zum Laufen gekommen?
Grundsätzlich war ich schon als Kind immer sportlich aktiv. Allerdings völlig auf Ballsportarten fixiert, zum Beispiel Fußball, Tennis, Badminton, usw. Mit etwa Jahren habe ich dann mit Laufen angefangen, aber immer nur um für den Ballsport fit zu sein und nie länger als 30 Minuten. Spaß hat es mir damals nicht gemacht.

Hattest du von vornherein das Ziel einen (Ultra-)Marathon zu absolvieren?
Überhaupt nicht. Zum wettkampforientierten Laufen bin ich erst mit 40 Jahren gekommen. Ein Freund hatte mich zum ersten Ruhrmarathon 2003 ohne mein Wissen angemeldet, weil er nicht alleine laufen wollte. Mit wenig Lust und noch weniger Training bin ich dann gestartet.

Wann und wo bist du deinen ersten Marathon gelaufen?
Weil ich von der Atmosphäre so begeistert war, habe ich mir vorgenommen 2004 beim Ruhrmarathon die gesamte Strecke zu absolvieren. Es ging von Dortmund nach Essen. Ohne Zeitziel und mittelmäßig vorbereitet bin ich dann in 4:03 Stunden angekommen. Wie so viele habe ich mir geschworen, dass nie wieder zu machen. Der Schwur hielt nur drei Tage, dann war klar, dass ich die Zeit verbessern will.

Wie bist zur Ultradistanz gekommen und dann zu den Trails?
Nachdem ich zwei Jahre lang bei großen Stadtmarathons an den Zeiten gearbeitet habe und 2008 den Marathontraum New York abgehakt habe, stellte sich mir die Frage „was kommt jetzt“ und bin dann beim Rennsteig-Supermarathon mit 72 Kilometer gestartet. Da ich sofort fasziniert war, bin ich direkt sechs Wochen später beim nächsten Ultraklassiker, dem 100 Kilometerlauf in Biel gestartet. Im Anschluss kamen diverse Bergmarathonläufe in den Alpen dazu und seit 2013 starte ich bei alpinen Trailläufen auf Strecken bis zu 100 Kilometer. Da sind, im Vergleich zu den klassischen Bergmarathonläufen, viel mehr hochalpine Trailabschnitte dabei  und viel mehr Höhenmeter.

Nutzt du sportpsychologische Untersuchungen? Liest du entsprechende Literatur, um dich auf einen Wettkampf vorzubereiten?
Ja, ich beschäftige mich auch theoretisch sehr intensiv mit Laufen, lese diverse Laufzeitschriften und nutze auch Bücher als Infoquelle.

Wenn du dich im Wettkampf befindest, wie motivierst du dich bei eventuellen „Durchhängern“?
Grundsätzlich gibt es für mich nur einen Grund, ein Rennen nicht zu beenden, das wäre eine ernsthafte gesundheitliche Gefährdung. Bislang war das zum Glück noch nie der Fall. Ansonsten „muss“ ich weiterlaufen, ein Aufhören wegen Unlust, der „normalen“ Schmerzen oder ähnliches lässt mein Ehrgeiz nicht zu. Zum Durchhalten nutze ich die üblichen mentalen Techniken, wie beispielsweise nur in Abschnitten denken, sich den nächsten markanten Punkt als Zwischenziel vornehmen, sich den Zieleinlauf vorstellen usw.

Wie sehen deine Freunde und Verwandte, Familie deine Laufleidenschaft?
Die Verwandtschaft sieht es eher skeptisch und macht  sich Sorgen um die Gesundheit. Im Freundeskreis ist die Rückmeldung und das Interesse bei den meisten sehr positiv, für einige spielt es gar keine Rolle.

Hast du andere Menschen mit schon mit dem Laufen infiziert?
Ein guter Freund läuft mittlerweile selber und ist sehr an dem Thema interessiert und auch im Kollegen/innenkreis haben ein paar Leute mit dem Laufen begonnen. Möglicherweise bin auch ich einer der Gründe dafür.

Gibt es eine Laufveranstaltung, an der Du gern teilnehmen möchtest?
Aktuell habe ich kein herausragendes, neues Laufziel und somit ist für mich zum dritten mal nacheinander der 100 Meilen Mauerweglauf in Berlin mein Saisonhöhepunkt. Ansonsten schaue ich immer nach ungewöhnlichen Läufen. In Kürze steht ein Marathon auf einem Aussichtsturm in Reken auf dem Programm, im Herbst hoffe ich auf einen Startplatz beim Fledermaustunnel-Marathon in Finnentrop und der Indoormarathon in einem Gebäude in Nürnberg ist auch noch im Fokus.

Was war dein schönster Wettkampf? Was war dein schwierigster,anspruchvollster  Wettkampf?
Der schönste Lauf war der Jungfraumarathon 2012 in der Schweiz bei blauem Himmel und mit der unfassbar schönen Bergkulisse mit Eiger, Mönch und Jungfrau im Blick. Genauso schön war auch der Zermattmarathon mit der Aussicht auf das Matterhorn. Am schwierigsten war ein Zugspitzultra über 100 Kilometer und 20 Stunden im Dauerregen, dazu kam nachts im hochalpinen Gelände über 2000 Meter die Kälte und die ständig beschlagene Brille hinzu. Anspruchsvoll, auf Grund der Länge und der über 9000 Höhenmeter, sind auch die drei Starts beim 24 Stunden Treppenlauf in Radebeul gewesen.

Nach welchen Kriterien suchst du deine Wettkämpfe aus?
Der Lauf muss mich reizen, das kann die Landschaft sein, das kann die Location sein, zum Beispiel Knastmarathon, Untertagemarathon, Hochbunkermarathon, Tunnelmarathon oder ähnliches oder es ist einfach die besondere Herausforderung auf Grund der Länge oder Höhe. Manchmal geht es auch einfach darum, dass ein Lauf als Vorbereitung für den Hauptwettkampf passt.

Nach der 1 folgt die 2; ist mit dem 200. Marathon Schluss oder wie weit geht deine Laufkarriere noch?
Die 100 zu erreichen war nie ein besonders reizvolles Ziel für mich, es hat sich einfach so ergeben. Von daher habe ich auch jetzt nicht die 200 als Ziel, aber da ich einfach weitermachen werde ergibt sich möglicherweise auch das irgendwann.

Seit wann bist du für das Lauf Team Unna aktiv?
2012 bin ich ins Lauf Team Unna eingetreten. Grundsätzlich bin ich als Läufer eher ein „Einzelkämpfer“, aber durch einen netten Kontakt zum damaligen Vorsitzenden Franz Wiemann bin ich dazu gestoßen und möchte die vielen gemeinsamen Läufe und die damit verbundenen Erlebnisse nicht mehr missen, so beispielsweise den diesjährigen Rennsteiglauf in Eisenach.

Vielen Dank für das freundliche Gespräch und wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg auf den Events.

Bild: Ingmar Uhrich “unterwegs”

 

 

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