HSC kann trotz Blitzstart eigene Überzahl nicht nutzen

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Fußball-Oberliga Westfalen: SC Paderborn II (U 21) – Holzwickeder SC 3:2 (2:1. Es bleibt dabei: Der HSC kann gegen die Reserve von Bundesligist SC Paderborn einfach nicht gewinnen – auch nicht in Überzahl. Es war ein Spiegelbild der Begegnung beider Teams in der der vergangenen Saison, was sich da am Sonntag auf dem Kunstrasenplatz des Paderborner Trainingszentrums abspielte. Holzwickede machte nach Rückstand den Ausgleich, konnte eine fast komplette Halbzeit währende Überzahl nicht nutzen und, noch schlimmer, kassierte den entscheidenden Gegentreffer. Am Ende traten die Schmeing-Mannen und Fans im Mannschaftsbus ziemlich bedient und ohne Punkte die rund 115 Kilometer weite Rückreise in die Emscherquellgemeinde an.

Schnellstes Tor der Oberliga-Geschichte des HSC

Der SCP II hatte sich mächtig aus dem erweiterten Kader seiner „Ersten“ verstärkt. Jan-Luca Rumpf, Rifet Kapic, Adrian Oeynhausen und Antony Evans liefen da im schwarz-blauen Dress auf. Antony Evans, Neuzugang vom FC Everton und englischer Junioren-Nationalspieler, sollte später im Spiel eine ganz entscheidende Rolle spielen. Der HSC musste ohne die verletzten Moritz Müller (Knochenabsplitterung) und Steven Kodra (Zerrung) antreten.

Der HSC ließ sich von großen Namen nicht beeindrucken – zumindest zehn Sekunden lang nicht. So lange dauerte es nämlich exakt, bis das Leder das erste Mal im Tor des Paderborner Keepers Till Brinkmann landete. Die SCP-Reserve hatte bis dato das Leder nicht mal berührt, Robin Rosowski passte klug auf Nico Berghorst, der cool einnetzte (1.). Doch wer glaubte, dieser Treffer gäbe Sicherheit, der hatte sich gründlich geirrt. Es begann genau das, was HSC-Coach Axel Schmeing später als „Das Trainerteam hatte einen Plan entwickelt, doch offenbar hat kein Spieler zugehört“ bezeichnete. Zuordnungen: Fehlanzeige. Gegenpressing: wohl überflüssig. Chancenverwertung: warum denn? Gegenwehr: wird überschätzt. Defensiverhalten und Torwartleistung: geht vielleicht auch ohne. Natürlich ging es nicht „ohne“. Und so kam das, was kommen musste. Hendrik Mittelstädt schoss einfach mal aufs Tor – und Malte Hegemann, der in der letzten Spielzeit wie auch in den letzten Wochen so manchen Punkt gerettet hatte, ließ das Leder durch die Hände zum frühen Ausgleich gleiten (8.). Die SCP-Reserve mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren ließ die Holzwickeder, die irgendwie „nach Gefühl“ und „wer denn mal da ist, kann ja attackieren“ verteidigten, ganz alt aussehen. Trotz Konter-Chancen durch Tomislav Ivancic (29.), Marcel Reichwein, der nach feinem Pass von Sebastian Hahne um einen Schritt zu spät kam (31.) und Nico Berghorst nach Vorarbeit von Tomislav Ivancic, war der SCP II fußballerisch, läuferisch und vor allem vom Willen her präsenter. So war die Führung für die Gastgeber nur eine Frage der Zeit. Ken Robin Czok war es dann, der nach einem Pass von Drilon Demaj erneut Malte Hegemann bezwang – und auch dieser Schuss war keineswegs unhaltbar (39.). Es war eine erste Halbzeit, in der Paderborn klar besser war und nach der es in der Holzwickeder Kabine so einiges aufzuarbeiten gab.

Bild: Kein Durchkommen hier für Holzwickedes Nico Berghorst (li.) – er zielte die frühe Führung für Holzwickede.

In Halbzeit 2 ganz andere Einstellung der HSC-Spieler – und doch schlägt man sich selber

Ein ganz anderer HSC kam dann wieder auf den Platz. Sebastian Hahne nahm sich in der 50. Minute ein Herz für ein Solo und wurde regelwidrig von Sebastian Woytzik von den Beinen geholt. Schiedsrichter Tobias Severins gab „glatt Rot für eine Notbremse“ für den Paderborner, verlegte aber das Foul außerhalb des Strafraums. „Ich hätte lieber den Elfer gehabt statt die Rote Karte“, monierte Schmeing direkt nach der Entscheidung. Tomislav Ivancic donnerte das Leder dann auch nur an die Latte (51.). In der 55. Minute belohnte sich der HSC für ein ganz anderes Auftreten mit dem 2 : 2-Ausgleich. Nico Berghorst hatte zu Sebastian Hahne gepasst, der aus spitzem Winkel einnetzte. Holzwickede war drauf und dran, das Spiel zu drehen. Nils Hoppe, wahrlich am Sonntag erneut kein Garant für eine sattelfeste Abwehr, bekam bei einem Abwehrversuch den Ball an die Hand. Referee Severins entschied auf Freistoß – und damit auf die Minute des im ganzen Spiel positiv auffälligen Antony Evans. Der legte sich das Leder zurecht und drosch es Richtung HSC-Tor. Malte Hegemann bekam die Hände nicht mehr dran – und es stand 2 : 3 aus Sicht der Holzwickeder. „Den hätte jeder mit der Mütze gefangen“, schimpfte Axel Schmeing später und hatte damit nicht so ganz Unrecht.

Was folgte, war aufgrund der Überzahl eine klare Überlegenheit des HSC, die aber weder Nico Berghorst (69.), der eingewechselte Mirco Gohr (89.) und in der Nachspielzeit Nils Hoppe mit „Hundertprozentigen“ nicht nutzen konnten. Es blieb beim 3 : 2 für Paderborn, einem Sieg der Marke „Wer mehr über komplette 90 Minuten wollte und seine Chancen nutzt, der gewinnt“.

HSC im Glück: keine großen Auswirkungen auf die Tabelle

Auch wenn es ein „gebrauchter Tag“ für den HSC war, so blieben die Auswirkungen auf die Tabelle im Rahmen. Zwar musste man den Sturz auf Rang 9 in der Oberliga Westfalen hinnehmen. Weiterhin sind es aber, bei zwei Nachholspielen, weiterhin noch 14 Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.

Trainerstimmen:
Axel Schmeing (HSC): Dass ich mich am Ende des Spiels noch ärgern muss, hier nichts mitgenommen zu haben, ist nach dieser schlechten ersten Halbzeit von uns schon irgendwie seltsam. Wir waren vorbereitet, wir wussten, wie der SCP spielt. Wir hatten mit dem Trainerteam einen Plan ausgearbeitet. Aber in den ersten 45 Minuten hat meine Mannschaft rein gar nichts umgesetzt. Wir wussten, dass wir viele Chancen bekommen würden. Doch die sollte man dann auch mal reinmachen. In der zweiten Halbzeit waren wir besser. Doch auch hier: Die unfassbar vielen Chancen müssen wir einfach verwerten, vor allem in Überzahl. Ich habe allein drei hundertprozentige Möglichkeiten gesehen. Wir hätten das Spiel drehen können, ja müssen. Aber wenn man seine Chancen nicht nutzt und auch Malte Hegemann als Torhüter nicht seinen, gelinde gesagt, allerbesten Tag hatte, dann darf man sich nicht wundern.
Marcel Greig (Co-Trainer HSC): Nach zwölf Meisterschafts- und Testspielen ohne Niederlage haben wir heute unglücklich verloren. Ich habe Chancen für fünf Spiele gesehen. Es kam da heute vieles zusammen. Dumm gelaufen.
Michel Kniat (SCP II): Ich glaube, dass die Zuschauer heute ein gutes Spiel gesehen haben. Solche Spiele kann man aber auch verlieren. Meiner Elf mache ich ein Riesenkompliment. Sie ist mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren sehr jung, hat sich aber heute abgeklärt und mit viel Moral gezeigt. Man darf aber auch nicht vergessen, dass wir nahezu jeden Tag zusammen unter professionellen Bedingungen trainieren, den Platz sehr gut kennen und alles Perspektivspieler sind. Antony Evans, der vom FC Everton kam und in der Junioren-Nationalmannschaft Englands gespielt hat, hat heute den Unterschied ausgemacht.

SCP II: Till Brinkmann, Jan-Luca Rumpf, Dominik Bilogrevic, Hendrik Mittelstädt (83. Ioannis Tsingos), Rifel Kapic, Drilon Demaj (90. Dacain Dacruz Baraza) , Sebastian Woitzyk, Ken Robin Czok (52. Philimon Tawiah), Adrian Oeynhausen (61. Fatih Ufuk), Antony Evans, Dominic Minz
HSC: Malte Hegemann, Marcel Reichwein (85. Joshua Heinrichs), Robin Rosowski, Tomislav Ivancic, Mischa Mihajlovic (80. Justin Pfaff), Sebastian Hahne, Nils Hoppe, Mohamed Yarhdi (71. Mirco Gohr), Aldin Kljajic, Nico Berghorst, Lennart Uedickoven
Tore: 0 : 1 Berghorst (1.), 1 : 1 Mittelstädt (8.), 2 : 1 Czok (39.), 2 : 2 Hahne (56.), 3 : 2 Evans (57.)
Besondere Vorkommnisse: Rote Karte, Notbremse, gegen Sebastian Woitzyk, Paderborn (50.)
Schiedsrichter: Tobias Severins (Grün-Weiß Langenberg)
HSC-Bestnoten: Robin Rosowski, Sebastian Hahne, Tomislav Ivancic
Zuschauer: 75.

Bild: Robin Rosowski (li.)und Marcel Reichwein (Mitte) können den Paderborner Neuzugang vom FC Everton und englischen Junioren-Nationalspieler Antony Evans (re.) nicht entscheidend stören. Evans schoss später per Freistoß den 3:2-Siegtreffer für die Reserve des SC Paderborn.

 

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