„Hammo kannste mal“ – Helmut Kampmann 50 Jahre Schiedsrichter

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Fußball: 1966 – da ging’s los. Da nahm Helmut Kampmann (Bild) die Pfeife in den Mund, verschrieb sich fortan der Schiedsrichterei. Heute, 50 Jahre später, pfeift „Hammo“ immer noch. In diesem Februar kann er auf 50 runde Jahre zurück blicken. 50 bewegte Jahre, in denen er sich einen Namen gemacht hat im heimischen Fußballkreis Unna/Hamm. Man kennt ihn, den „Hammo mit dem Fahrrad“. Denn: Überall, wo Helmut Kampmann im Einsatz war und noch ist, er kommt immer mit seinem Fahrrad angefahren. Ob nah oder fern, er radelt – und wird überall freundlich begrüßt. Er kommt nie zu spät, ist immer pünktlich. Die Kilometer, die er dabei zurückgelegt hat, hat er nie gezählt. Auch die Zahl seiner Einsätze hat er nicht nachgehalten. Einzig die Zahl 50, die steht unverrückbar

Er war 26 Jahre alt, als sein Verein Westfalia Kamen Schiedsrichter-Nachwuchs suchte. Helmut Kampmann, der im Club Fußball spielte, hörte davon, zeigte sich interessiert, meldete sich zur Prüfung an, bestand. Er kickte fortan nicht mehr im Fußball-Trikot, sondern zog den schwarzen Kittel des Schiedsrichters an. An seinen ersten Einsatz kann er sich noch gut erinnern. „Das war das Schülerspiel Iserlohn – Günne“, erzählt er. Natürlich war er dorthin mit dem Fahrrad gefahren. Nächstes Spiel, nächster Einsatz: Er leitete den Altherrenkick von Rasenport Kamen und Bönen. Und so ging es weiter und weiter. Noch im gleichen Jahr schaffte er den Sprung in die 1. Kreisklasse. Zwei Jahre später pfiff „Hammo“ schon in der Bezirksliga. Sein Vorbild war der Unnaer Karl-Heinz Fork, bekanntlich Bundesliga-Schiri in den 60iger und 70iger Jahren.

Das Bezirksliga-Spitzenspiel Preußen Münster – Lienen war ein erstes absolutes Highlight des Kameners. „3000 Zuschauer verfolgten das Spiel“ erinnert sich Kampmann. Er muss gut gepfiffen haben, denn die Kritiken waren hinterher entsprechend. Auch die rund 50 Kilometer nach Münster und wieder zurück nach Kamen legte er mit dem Rad zurück. Ausgepumpt war er nie, wenn er zum Anpfiff auf dem Platz stand. Eher aufgewärmt. In der Verbandsliga stand er an der Linie, wenn seine Kamener Kollegen Kolle Bronheim oder Manfred Heuser im Einsatz waren. Helmut Kampmann war auf dem Sprung nach oben. Für die Landesliga war er vorgesehen. Doch dann kam ein schwerer Unfall „auf dem Pütt“ dazwischen. Der stoppte seinen Aufstieg und er blieb in der Kreisliga. bis heute. Kampmann war immer da, wenn man ihn brauchte. Samstag, Sonntag oder in der Woche. „Hammo, kannste mal“, so jedes Mal der Gesprächsbeginn, wenn seine Schiri-Obleute am Telefon waren, um seinen Einsatz baten  – und die konnten sich auf ihn verlassen.

Bei seinen Spielleitungen kam ihm und kommt ihm immer noch zugute, dass er früher selbst einmal vor den Ball getreten hat. „Da kann man Szenen und Verhalten von Spielern  immer besser beurteilen, weil man vieles ja selbst erlebt hat“. Von daher würde er auch jedem jüngeren Kollegen raten, selbst einmal Fußball gespielt zu halten, ehe man zur Pfeife greift. Für „Hammo“ war stets Richtschnur bei seinen Spielleitungen, das Spiel laufen zu lassen, die Vorteilsregel anzuwenden und so wenig wie möglich einzugreifen. Überhaupt die Regeln so auslegen, wie man es gelernt hat. Rot hat er nur selten gezückt. „Dann hatte derjenige es aber auch verdient.“ Er spricht viel auf dem Platz, vor allem wenn er Spiele im Nachwuchsbereich pfeift. „Da habe ich dann auch schon mal den Einwurf mit jungen Spielern geübt, wenn der falsch war“, verrät der Kamener. Probleme auf dem Platz gab es selten, Streithähne konnte er fast immer besänftigen.

Wenn Helmut Kampmann sich Bundesliga-Spiele im Fernsehen anschaut, dann gilt dem Schiedsrichter natürlich sein besonderes Interesse.  Aber auch dem BVB, denn er ist bekennender Fan der Dortmunder. Dann überkommt ihn eine gewisse Wehmut, denn er möchte zu gerne das Rad noch einmal zurück drehen, jünger sein.“ Höher pfeifen, vielleicht auch in der Bundesliga, das wären Ziele gewesen. Heute ist er 77 Jahre, froh, dass er gesundheitlich noch auf der Höhe ist. „Der Sport hat meine Gesundheit auf Vordermann gebracht, mir geholfen, auch meine Krebserkrankung zu überstehen“, sagt der frühere Betriebsrat  der Zeche Monopol.  Und wenn er in der Kamener Fußgängerzone unterwegs ist, begrüßen ihn viele Leute freundlich. Leute, die er mal gepfiffen hat, ihn als Betriebsrat oder Platzwart vom Kamener SC kennen. „Dann weiß ich, dass ich vieles richtig gemacht habe“, verhehlt er nicht einen gewissen Stolz. Und wenn der liebe Gott es auch weiterhin gut mit seiner Gesundheit meint, dann will er noch weitere Jahre pfeifen – und auch weiterhin mit dem Fahrrad zum Sportplatz fahren. Der „Hammo mit dem Fahrrad“.

 

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