„Früher war mehr Lametta“: 1: 1 des HSC gegen Schlusslicht Herne viel zu wenig im Abstiegskampf

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Fußball-Oberliga: Holzwickeder SC – Westfalia Herne 1:1 (1:1). Als der sehr souverän agierende Schiedsrichter Alexander Ernst nach einer dreiminütigen Nachspielzeit die Partie abpfiff, waren die Szenen auf dem Platz symbolisch. Die meisten Spieler beider Teams lagen ausgepumpt und enttäuscht auf dem tiefen, schwer zu bespielenden Rasen des Montanhydraulik-Stadions. HSC-Keeper Kevin Beinsen lehnte regungslos am Torpfosten mit einer Miene passend zu seinem tiefschwarzen Trikot. Unentschieden trennten sich der gastgebende HSC und die Westfalia aus Herne – am Ende leistungsgerecht, aber von der Punkteausbeute im Abstiegskampf viel zu wenig für beide. Für Holzwickede wie auch für die Westfalia als Traditionsmannschaften des Reviers gilt nun der alte Loriot Weihnachtsspruch: Früher war mehr Lametta. Zwar brennt noch nicht für beide der Baum – aber dieser Geruch von „Angebranntem“ ist schon zu bemerken.

Fazit zum Jahresende besonders bei Heimspielen: wie der letzte Schluck eines mäßigen Glühweins

Immerhin war das 1:1 gegen den Tabellenletzten nach sieben verlorenen Heimspielen in Serie der erste Punktgewinn. Das aber kann nicht der Anspruch eines HSC sein. So fällt das Fazit zum Jahresende auch eher aus wie der letzte Schluck aus dem Glühweinbecher: lauwarm und geschmacklich wenig überzeugend.

Die Tabelle hängt nicht am Christbaum

Der HSC überwintert auf dem 17. Rang und damit dem ersten direkten Abstiegsplatz. Der Rückstand auf den 16. Platz beträgt allerdings auch nur einen Punkt. Doch die Tabelle täuscht. So hat der HSC mit 16 die mit meisten Spiele absolviert – und nun vier Siege, zwei Remis und zehn Niederlagen bei 16:42 Toren auf dem Konto. Dazu kommt die Tatsache, dass der HSC nur noch vier Spiele in der Hinrunde zu absolvieren hat. Am 20. Februar 2022 geht es bei Westfalia Rhynern weiter. Dann folgt eine Spielpause aufgrund der 21er Liga. Erst am 13. März geht es im Derby zuhause gegen den SC Aplerbeck weiter. „Diese Pause zwischen Rhynern und Aplerbeck kommt uns nicht entgegen. Es wird daher eine komplizierte Vorbereitung“, sagt Marc Woller klipp und klar. Nach dem Derby gegen Aplerbeck reist der HSC zum direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, die SG Finnentrop/Bamenohl (20. März). Und am 27. März gibt „Wintermeister“ und Tabellenführer Kaan-Marienborn seine Visitenkarte in Holzwickede ab.

Konkurrenten im Keller punkten fleißig – und auch gegen Top-Favoriten

Aber es kommt noch dicker: Die Konkurrenten im Abstiegskampf punkteten an diesem 16. Spieltag munter weiter. Finnentrop holte in letzter Sekunde ein 2:2 gegen Paderborn, Clarholz das gleiche Resultat gegen Erndtebrück und Kaan-Marienborn ein Remis gegen Preußen Münster. Hamm siegte gar mit 1:0 in Sprockhövel, und Vreden schnappte sich bei der SG Wattenscheid beim 1:1 einen Zähler.

HSC geht erstmals in einem Heimspiel in Führung 

Der HSC war gegen Herne sichtlich bemüht. Es wurde früh gepresst, sich gegenseitig angefeuert und gekämpft. Enis Delija setzte sich auf der linken Seite schön durch, flankte auf Philipp Gödde und der Stürmer nickte zum 1:0 in der 23. Minute ein. Und das war sie, die erste Führung des HSC in dieser Spielzeit im Montanhydraulik-Stadion. Doch Herne brauchte nur wenige Minuten, sich zu schütteln. In der 33. Minute rettete HSC-Keeper Kevin Beinsen mit toller Fußabwehr.

Beinsen war es auch, der in der 38. Minute erneut im Mittelpunkt war. Lokman Erdogmus war durchgebrochen und wurde von Kevin Beinsen sehr ungestüm von den Beinen holen. Völlig zurecht zeigte Schiri Alexander Ernst sofort auf den Punkt – da gab es keine zwei Meinungen. Lokman Erdogan trat selber an, verlud den HSC-Keeper und schoss sein nunmehr sechstes Tor für den Herner Gast (38.). Damit ist er in der internen Westfalia-Torjägerwertung Erster – bei insgesamt erzielten 16 Treffern. Es blieb beim 1:1 zur Pause – und der HSC hatte ein ordentliches Match gezeigt. Besonders auffällig: Kevin Beinsen und Nils Hoppe zeigten Führungskompetenz und feuerten ihr Team immer wieder an.

Zweite Halbzeit: Herne baute körperlich immer mehr ab – und hätte doch beinahe den Sieg erzielt

In der zweiten Halbzeit mussten beide Teams dem tiefen Boden immer mehr Tribut zollen. Der HSC tat mehr, kämpfte, aber ohne Erfolg. Henri Böcker verpasste das Tor und damit die Führung mit einem schönen Flugkopfball um Zentimeter (68.).

Herne war „platt“, verlegte sich nur noch auf klug vorgetragene Konter. Die aber hatten es in sich. Der in der 69. Minute eingewechselte Jamal El Mansouri verpasste das HSC-Tor um wenige Zentimeter (77.). Der ebenfalls ins Spiel gekommene Burinyuy Nyudine soll dann bei einem der blitzschnell vorgetragenen Gegenangriffe im Abseits gestanden haben – eine Entscheidung des Referees, die zu Protesten bei der Westfalia führte. Ein ganz dickes Ding gab es dann noch mal zum Schluss für Herne. Erneut war es Burinyuy Nyudine, der eine Hauptrolle spielte. Bei einem Konter sah er den Torschützen Logman Erdogmus im Zentrum, doch der verpasste den Sieg für seine Herner Farben denkbar knapp mit einem Schuss neben den Kasten.

So blieb es auch nach weiteren 45 Minuten beim 1:1-Remis. Es war leistungsgerecht – aber am Ende nutzt die Punkteteilung beiden Vereinen nicht.

Trainerstimmen
Marc Woller (HSC): Wir sind gut gestartet und ins Spiel gekommen. Leider gab es erneut individuelle Fehler. Nach vorne und vorne schließen wir nicht konsequent genug ab. Auf die Konter der Herner mussten wir sehr gut aufpassen.
David Zajas (Herne): Wir haben gekämpft, die Mannschaft hat alles gegeben. Am Ende haben wir einen Punktgewinn erreicht. Dennoch fahren wir mit gemischten Gefühlen nach Hause. Es war sogar ein Sieg in der Schlussphase möglich. Die Konkurrenz hat leider auch gepunktet. Sechs Punkte hätten wir gerne aus den Spielen gegen Rhynern und Holzwickede gehabt – jetzt sind es vier. Daher noch mal: Also: Punktgewinn, aber es sind am Ende gemischte Gefühle.

HSC: Kevin Beinsen, Enis Delija, Philipp Gödde, Marcel Duwe, Nils Hoppe, Robin Schultze, Henri Böcker (80. Ensar Selmanaj), Maurice Majewski, Tomislav Ivancic, Fabian Jenusch (90. André Schneider), Lucas Arenz.
Herne: Alexander Rothkamm, Kaan Terzi, Deniz Ergüzel, Romario Antoni Guscott (69. Jamal El Mansouri), Eric Pirard Gweth (60. Burinyuy Nyudine), Ömer Koc (45. Nic Oliver Jünemann), Nico Lübke, Orkun Koymali, Dacain Dacruz Baraza, Lokman Erdogan, Ramazan Bünjamin Karatas (90. Enes Yilmaz).
Tore: 1:0 Gödde (23.), 1:1 Erdogan (38. Foulelfmeter).
Schiedsrichter: Alexander Ernst (TuS Holzen-Sommerberg).
Zuschauer: 170.

Bildzeile: 1:1-Unentschieden trennten sich der HSC und Herne im Montanhydraulikstadion. Leistungsgerecht, aber am Ende nutzt die Punkteteilung beiden Vereinen nicht.

 

 

 

 

 

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