FLVW startet Deeskalationstraining für Schiedsrichter

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Fußball: Im SportCentrum Kaiserau wurde geschubst und gepöbelt – mit purer Absicht und im Rahmen des Gewaltpräventionskonzeptes. Dies hatte der Fußball- und Leichtathletik Verband Westfalen (FLVW) bereits im Februar verabschiedet. Ausgebremst durch die Corona-Pandemie fand ein Baustein des Konzeptes, Hilfe für Schiedsrichter, jetzt für 15 Teilnehmende statt, die auf drei Kriminalhauptkommissare trafen – einer der drei Deeskalationstrainer ist selber Schiedsrichter im Kreis Münster.

Die Liste mit den Programmpunkten ist lang. Deeskalierende Gesprächsführung, selbstsicheres Auftreten, Aggression lesen können – all das findet sich auf der Einladung zum Seminar. Und nach einleitenden Sätzen geht es auch gleich zur Sache. Trainer Reinhard Zumdieck stellt sich breitbeinig vor den Jüngsten der Gruppe: “Du Zwerg, wie willst Du denn den Ball sehen? So klein wie Du bist?”. „Du bist ein alter Mann. Du kommst doch gar nicht hinter dem Ball her”, bekommt der Älteste der Runde, immerhin 77 Jahre zählend, regelrecht um die Ohren gehauen. Und dann wird auch noch geschubst – mit viel Abstand und Nase-Mund-Bedeckung – aber doch geschubst. Spätestens dann ist allen Anwesenden klar, das wird kein Seminar, bei dem man sich zurücklehnen kann, um entspannt zu zuhören. “Was hat das mit euch gemacht?” “Wie habt Ihr euch gefühlt?” – die drei Referenten, die sich im Raum verteilt haben, fragen nach. Es wird ausprobiert, was passiert, wenn man bei Druck Gegendruck erzeugt – durch Worte oder Taten.

Bildzeile: Rollenspiele und konkrete Hilfen standen im Rahmen des Gewaltpräventionskonzeptes auf der Liste mit den Programmpunkten.

“Das sind ja alles Dinge, die Schiedsrichter im ganz normalen Alltag erleben – aber wie geht man auf dem Platz am besten damit um? Welche Alternativen habe ich und was bewirken diese? Dafür entwickeln wir heute Strategien und üben sie. Denn an all das, was ich selber ausprobiere, erinnere ich mich doch viel besser, als wenn es mir nur erzählt wird”, erklärt der Kamener Volker Timmerhoff das Prinzip des Deeskalationstrainings. “Außerdem ist es uns wichtig, dass unsere Teilnehmenden etwas an und regelrecht in die Hand bekommen”, ergänzt Reinhard Zumdieck. Und schon geht es weiter. Wie sieht die optimale Vorbereitung bei einem Brisanzspiel aus? In vier Gruppen erarbeiten die Schiedsrichter Strategien, die bei der Vorstellung der Ergebnisse immer wieder von den Referenten ergänzt werden. “Die gesammelten Antworten fassen wir für euch zusammen und schicken sie euch zu. Dann könnt ihr diesen Zettel immer in eurer Tasche haben, um darauf zurückzugreifen”, erklärt Zumdieck. Und auf diesem Zettel steht viel: Coaching Zonen abstecken, zur Ausrüstungskontrolle in die Kabine, um ein erstes Gespräch zu suchen, Kontaktaufnahme zum Vereinsvorsitzenden, per Körpersprache zeigen, dass man alles im Griff hat. “Ihr habt das drauf”, zeigen sich dann auch die Referenten beeindruckt. “In Sachen Prävention habt ihr an so viel gedacht. Das ist richtig, richtig gut”, freut sich Zumdieck.

Fortsetzung folgt 

Aber nicht nur die anwesenden Schiedsrichter im Alter von 16 bis 77 Jahren erhalten am Ende der Veranstaltung ein gutes Zeugnis. Auch die Referenten werden gelobt. “Das Format hat es verdient zwei Tage zu bekommen, damit man noch mehr in die Tiefe gehen kann”, sagt Marcel Skorupa, Schiedsrichter im Kreis Dortmund, der hoch bis zur Westfalenliga pfeift. Und Gerd Schürmann aus dem Kreis Unna-Hamm:  „Die Inhalte sollten auf jeden Fall in die Schiedsrichterausbildung eingebaut werden.“ Und alle sind sich einig, dass das Deeskalationstraining eine gute Hilfe zur Selbsthilfe ist. So sieht es auch der Verband. Am 10.10.2020 kommt es im Rahmen des Gewaltpräventionskonzeptes zur zweiten Auflage des Deeskalationstrainings für Schiedsrichter.

Bildzeile: Im SportCentrum Kaiserau bekamen 15 Schiedsrichter im Rahmen des Gewaltpräventionskonzeptes Hilfen für Situationen, die sie im ganz normalen Alltag erleben / Fotos FLVW

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