Dem Spitzenreiter alles abverlangt

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Handball: Alles abverlangt hat der ASV Hamm-Westfalen Spitzenreiter Handball Sport Verein Hamburg am Mittwochabend in der WESTPRESS arena – am Ende unterlag der Außenseiter nach einem der besten Saisonspiele aber knapp mit 29:32 (13:14).

„Das war ein Spiel auf Augenhöhe. Wir sind glücklich, gegen eine wirkliche gute Mannschaft gewonnen zu haben“, leitete ein erleichterter HSV-Trainer Torsten Jansen seine Spielanalyse direkt nach der Partie ein. Vorangegangen waren extrem arbeitsreiche 60 Spielminuten für alle Beteiligten, die mit halbstündiger Verspätung angepfiffen wurden, da die Gäste bei ihrer Anreise gleich zweimal in Vollsperrungen auf der Autobahn landeten. „Vielen Dank für das Entgegenkommen von Hamm“, betonte Torsten Jansen, der trotz der verlängerten Aufwärmzeit mit seinem Team nicht gut startete. Hamm legte auf 4:1 vor. Aus dem Spiel heraus kam der Spitzenreiter zunächst nicht zum Torerfolg, nur der erneut sehr starke Leif Tissier traf nach guter Einzelleistung einmal für die Gäste.

So blieben die Westfalen, die neben Sören Südmeier und Mikkel Beck kurzfristig auch auf Kreisläufer Jan Brosch (Sehnenreizung) und den werdenden Vater Merten Krings verzichten mussten. Das Engagement des Dänen Mikkel Beck, der wegen des längeren Ausfalls von Südmeier vom Drittligisten Cloppenburg nachverpflichtet worden war, ist nicht über den März hinaus verlängert worden. „Wir haben Mikkel dies zu Wochenbeginn mitgeteilt, so dass er jetzt zu Ostern zu seiner Familie reisen kann. Leider haben sich die sportlichen Erwartungen auf beiden Seiten nicht erfüllt. Wir danken Mikkel für sein Engagement und wünschen ihn für seinen weiteren Weg noch viel Erfolg“, so Thomas Lammers.

Das verbliebene Personal der Westfalen zeigte sich von Beginn an hellwach, in der Abwehr stand der ASV gut, dahinter war Torwart Felix Storbeck sofort im Spiel und im Angriff zeigte der Rückraum ein gutes Spiel. Am Kreis wurde Kapitän Jakob Schwabe von Minute zu Minute stärker. So lag der ASV verdient bis zur 24. Minute in Führung. In der Folge brachten sich die Gastgeber durch Strafzeiten selbst in Bedrängnis. Spitzenreiter Hamburg nutzte die Chance und erspielte sich bis zur Pause eine 13:14-Führung. Beste Offensivakteure waren beim ASV Jakob Schwabe mit sechs und Jo Gerrit Genz mit fünf Treffern, beim HSV Niklas Weller mit fünf und Leif Tissier mit vier Toren.

Im zweiten Abschnitt starteten nun die Gäste besser: der in Angriff und Abwehr sehr umtriebige Niklas Weller erhöhte zum 13:16, der Favorit schien das Spiel nun kontrollieren zu können. Bis zum 16:19 in der 27. Minute blieb es bei der Drei-Tore-Führung. Aber dann verkürzten Fabian Huesmann und Genz auf 18:19. Torsten Jansen hatte bereits Jonas Maier für den bis dahin blassen Torwart Jens Vortmann eingewechselt. Noch einmal erhöhte Weller auf 18:20, dann glichen Mirko Spiekermann und Jan Pretzewofsky aber bis zur 43. Minute für den ASV aus. Das Spiel war wieder völlig offen, der ASV dank eines couragierten Auftritts wieder in Reichweite eines Punktgewinns.

Bis gut neun Minuten vor dem Ende sollte sich daran nichts ändern, Genz stellte noch mit seinem Treffer den 24:24-Ausgleich her. Aber dann kam es doppelt bitter für die Gastgeber: Leif Tissier brachte den HSV wieder in Führung, den folgenden ASV-Torwurf parierte Torwart Maier. Per Tempogegenstoß traf Tissier zum 24:26 – und Jan von Boenigk bekam für den Versuch, vor dem Abschluss noch irgendwie an den Ball zu kommen, eine Zwei-Minuten-Strafe. Die Partie schien vorentschieden. Und tatsächlich versuchten die Westfalen angeführt vom überragenden Jakob Schwabe alles, zum Ausgleich reichte es aber nicht mehr. Für die Entscheidung sorgte der wieder zurückgewechselte Jens Vortmann mit seiner besten Aktion des Abends: Er parierte 40 Sekunden vor dem Ende den Siebenmeter von Fabian Huesmann und verhinderte so den Anschlusstreffer. Hamburg konnte so sogar auf 29:32 erhöhen – was aber keineswegs die Ausgeglichenheit an diesem Abend widerspiegelte.

„Wir haben das, was wir uns vorgenommen haben, sehr gut umgesetzt. Der Ausfall von Merten kam nachmittags rein, auch Jan Brosch fiel kurzfristig aus.  Das mussten wir dann kompensieren, was gut gelungen ist. Ärgerlich war die Phase in der zweiten Halbzeit, wo wir bei 22:22 drei Angriffe ohne Torabschluss bleiben. Am Ende bekommen wir die Achse Tissier und Weller nicht den Griff. Wir erleben heute zwei ganz starke Kreisläufer. Es waren zwei, drei Fehler von uns, die Hamburg bestraft. Und deswegen steht der HSV dort oben“, analysierte Michael Lerscht.

Weiter geht es für den ASV dann bereits am Samstag beim ThSV Eisenach. Dort treten die Westfalen um 19:30 Uhr an, live bei SportDeutschland. TV und Radio Lippe Welle Hamm.

ASV Hamm-Westfalen – Handball Sport Verein Hamburg 29:32 (13:14)
ASV: Storbeck, Wesemann – Genz (9), Huesmann (4, 1/3 7m), Fuchs, Spiekermann (2), Fernandez, Schwabe (10), Krause, Pretzewofsky (1), Orlowski (1), Schoesse, Franke, von Boenigk (2)
HSV: Vortmann, Maier – Schimmelbauer (1), Tissier (8), Feit, Hausmann (1), Weller (12, 6/7 7m), Ossenkopp, Axmann (2), Gertges, Bauer, Forstbauer (3), Wullenweber, Bergemann (5), Kleineidam, Vogt
Schiedsrichter: Patrick Arndt, Matthes Westphal
Zeitstrafen: ASV 8 min, HSV 8 min
Siebenmeter: ASV 1/3, HSV 7/9.

Bildzeile: Jakob Schwabe durfte für seine Torerfolge zehn Mal jubeln / Foto Lars Gummich.

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