D1-Jugend des Holzwickeder SC zum zweiten Mal in einem Monat in Corona-Quarantäne – Eltern auf den Barrikaden

673

Fußball:  Für die Elf- und Zwölfjährigen des Holzwickeder SC, die in der D1 kicken, ist das ganz bitter: Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats müssen sie in Corona-Quarantäne. Dabei sind keine Spieler der D1 des HSC infiziert – sie spielten aber gegen Teams, in deren Reihen oder Umfeld jeweils ein positiv-Getesteter stand.

Das war sportlich passiert: Am 29. August unterlag die D1 des HSC auf der Opherdicker Haarstrang-Sportanlage BW Alstedde mit 2:6 Toren. Da ein Spieler des Gegners positiv getestet wurde, waren gleich danach Test und Quarantäne für die Jungs der D1 des HSC und auch des Gegners fällig.

Dann der 26. September. Gegen die JSG Palz/Ruhr gab es einen 3 : 2-Erfolg – und wieder eine Sperre, da es einen Corona-Fall im Umfeld der JSG Palz/Ruhr gab. Am Samstag ging es zum Reihentest an der Unnaer Stadthalle. „Was da abging, war nicht schön. Lange Schlangen und miese Stimmung bei den Anstehenden“, berichtet ein namentlich bekannter Vater eines D1-Jugendlichen, der selber viele Jahre erfolgreich bei der damaligen Spielvereinigung Holzwickede gekickt hatte. Aber man habe ja in Sachen Reihentests nun eine „gewisse Routine“, so der ironische Zusatz.

Die amtlich angeordnete Quarantäne dauert nun bis zum 10. Oktober, also dem Beginn der Herbstferien. Bis dahin heißt es für die Holzwickeder D1-Kinder: „zuhause bleiben“. Mit Abstand betreut – von wem auch immer.

Nur drei Wochen Schule seit März/April

Die Folgen sind für die Holzwickeder ganz bitter: Durch den allgemeinen Corona-Lockdown und nun zwei mehrwöchigen Zwangspausen fast in direkter Folge, haben sie viel Schulstoff verpasst und mehrere Wochen in Selbstisolation verbracht. Noch konkreter: Seit dem allgemeinen Lockdown ab März/April haben die Kinder gerade mal etwas mehr als drei Wochen ihre Schule besucht. Dazu kommt für die Erziehungsberechtigten die Betreuungsfrage, denn Quarantäne heißt nun mal strengstens zuhause bleiben. Auch psychologisch ist die Sperre ein ganz hartes Brot, denn zehn bis 14 Tage ohne Kontakte zu Außenstehenden und Langeweile führen zwangsläufig zu viel Frust. Glücklicherweise gibt es in den Reihen des HSC keinen Infizierten in der D1.

Auch Eltern, Betreuer und Trainer grundsätzlich „in der Verlosung“ – nur (noch) nicht im Kreis Unna

Für die Erziehungsberechtigten gibt es ein weiteres Problem: Auch sie sind als direkte Kontaktpersonen ihrer Kids von Quarantäne bedroht. Im Kreis Unna allerdings (noch) nicht – außer im konkreten Infektionsfall. Da aber einige Kinder auch aus anderen Städten und Gemeinden bei der D1 des HSC spielen, muss das für diese Eltern von außerhalb des Kreises Unna noch abschließend geklärt werden.

Dann könnte es auch für die Eltern knüppeldick kommen: Auch Arbeitgeber sind, gerade in der jetzigen wirtschaftlich-angespannten für alle Unternehmen, insbesondere aber kleinen Handwerkerbetrieben oder Klein(st)unternehmen zwar verständnisvoll, aber am Ende wenig begeistert von einem längeren Fehlen ihrer Angestellten – auch wenn diese Abwesenheit sicherlich gut begründet ist. Wenn das nun mehrfach vorkommt – und das durch die „schönste Nebensache der Welt“ – dann führt das sicherlich nicht zu Jubelstürmen bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Schulleiterin meldete sich bereits beim HSC – elf ihrer Schüler in der erneuten Zwangspause

Insgesamt 13 Spieler der D1 betrifft die Quarantäne. Der Großteil, elf, besucht die 5. Klasse des Clara-Schumann-Gymnasiums (CSG). Auch Schulleiterin Andrea Helmig-Neumann, hat sich schon mit dem HSC in Verbindung gesetzt.

Eltern stinksauer: Kinder werden vom Spielbetrieb zurückgezogen oder gar ganz abgemeldet

Die erneute Quarantäne hat für die D1 und auch den gesamten Verein Konsequenzen. Eltern haben bereits angekündigt, ihre Kinder nicht mehr am Meisterschaftsbetrieb teilnehmen zu lassen oder gar ganz abzumelden. „Wir haben ein genehmigtes, sehr gut ausgearbeitetes und umfassendes Hygienekonzept, das auch beim Training wie natürlich bei den Spielen voll greift und konsequent angewendet wird“, sagt HSC-Jugendleiter Frank Spiekermann. Der ist übrigens selber als Vater eines D1-Spielers betroffen.

Auch in anderen Altersklassen wird Situation von den Eltern neu bewertet und entschieden – Beispiel E-Jugend

Und auch in den anderen Altersklassen wird die Situation bei Eltern analysiert und beobachtet. Beispiel E-Jugend, also die Neun- und Zehnjährigen. Hier geht es konkret um die Frage, auf welche Schule die Kinder im nächsten Sommer wechseln sollen. Dafür ist das kommende Halbjahreszeugnis wichtig. Ohne Präsenzunterricht und angesichts der digitalen Misere im Schulunterricht aber kann die Vermittlung von Lehrstoff sehr eng werden. Rückstände sind da kaum aufzuholen. Oft müssen dann wieder „Mama und Papa“ ran.

Krisensitzung beim HSC am Donnerstag – Gespräche laufen bereits im Hintergrund – doch am Ende entscheiden die Eltern

Am Donnerstag, 8. Oktober, trifft sich der HSC-Vorstand nun zu einem Krisengespräch. Wie und ob soll es bezüglich Meisterschafts-, Pokal- und Qualifikationswettbewerben weitergehen soll, ist die Gretchenfrage. Aber auch hier gilt: Am Ende entscheiden die Erziehungsberechtigten „mit den Füßen“, ob sie ihre Kinder zu Spielen und Training schicken wollen und können. Das alles ist beileibe nicht nur ein Problem des HSC oder des Fußballsports.

Bildzeile: HSC-Jugendleiter Frank Spiekermann ist selber als Vater eines D1-Spielers betroffen.

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.