Aus dem Duell der Aufstiegskandidaten der letzten Saison wird am Sonntag ein hammerhartes Abstiegs-Match

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Fußball-Oberliga: RSV Meinerzhgen – Holzwickeder SC (So. 14.30 Uhr, Kunstrasenplatz an der Oststraße, Meinerzhagen). Rückblick, fast 14 Monate her: In letzter Sekunde erzielt Nico Berghorst für den HSC den 3:2-Siegtreffer in Meinerzhagen. Es war der sechste Sieg der Holzwickeder im sechsten Spiel, Platz 2. Eine Aussage des heutigen (und damaligen Keepers) Kevin Beinsen ist überliefert. „Wir waren ein Team, wir hätten den Regionalliga-Aufstieg, auch wenn damals erst sechs Begegnungen absolviert waren, geschafft.“ Doch dann kam Corona – und am Ende der Saisonabbruch.

Nicht minder bitter hat es den RSV Meinerzhagen erwischt. Vor zwei Jahren war man Zweiter vor dem Dritten, RW Ahlen. Auch da schlug Corona zu. Man hatte im Vergleich zu Ahlen zwei Spiele weniger absolviert, wohl aber drei Punkte Vorsprung und die bessere Tordifferenz. Doch was passierte: Aufgrund der Quotientenregelung des Verbands stieg Ahlen in die Regionalliga auf. Doch im letzten Jahr kann es dann noch dicker. 500.000 Euro hatte man in die piekfeine Infrastruktur des Stadions und Umfeld investiert, ohne Hilfe der Stadt. Dann sprangen auch noch der Ex-BVB- und Bremen-Star Nuri Sahin als Förderer ab – und weitere Sponsoren. Lange war es unklar, ob der RSV in diesem Jahr überhaupt in der Oberliga antritt – man tut es, mit abgespecktem Etat und mit sehr mäßigem Erfolg. Drittletzter (19.) ist man mit neun Punkten und 15:31 Toren – es geht einzig und allein darum, den direkten Abstieg zu verhindern. Und nun kommt es zum Duell mit dem HSC, mit 13 Punkten Tabellen-15, bei 14 : 37 Toren.

Vor einem Jahr noch Top-Spiel – jetzt knallharter Abstiegskampf – beide erhielten „6:0-Brett“ am letzten Spieltag

Was also vor einem Jahr noch das Top-Duell, das Mega-Spitzenspiel war, ist nun ganz spröder Liga-Alltag. Irgendwie passt es da, dass beide Teams von ihren jeweiligen Gegnern am letzten Spieltag einen Sechserpack eingeschenkt bekamen: Meinerzhagen mit 0:6 in Rhynern und der HSC mit 0:6 daheim gegen den SC Paderborn II.

Personell wird es für den HSC nicht besser: Leon Gensicke fällt weiter aus – viele Angeschlagene drohen auszufallen

Die Hoffnung auf „Wunderheilungen“ stirbt bekanntlich zuletzt – doch in Sachen Personal sieht es weiter denkbar schlecht aus. Für den bislang mit fünf Toren erfolgreichsten HSC-Torschützen Leon Gensicke ist dieses Jahr definitiv zu Ende. Zwar hat er sich keinen Riss des Syndesmosebands zugezogen – dafür ist aber möglicherweise ein anderes Innenband lädiert. Auszufallen drohen ferner Marcel Duwe, Philipp Gödde, Tomislav Ivancic und Nils Hoppe. Zurückkehren wird Fabian Jenusch. „Es wird sich wohl erst ganz kurz vor Anpfiff herausstellen, wer spielen kann“, so Marc Woller. Es werden aber zahlenmäßig mehr Oberligaspieler als zuletzt gegen Paderborn auflaufen. „Es ist wieder basteln in Sachen Formation angesagt“, so der HSC-Chefcoach.

Um gar kein Risiko einzugehen, sagte Woller übrigens das Donnerstag-Training, geplant auf Kunstrasen, ab. „Das war bei Schneefall und Eis einfach zu risikoreich“, erklärte Woller. Am Freitagabend ging es dann zum Abschlusstraining bei eisigen Temperaturen, aber ohne Niederschlag, zu einer letzten Einheit auf Kunstrasen.

Sechs Punkte-Spiel – und doch wird es kein fußballerischer Leckerbissen werden

Zweimal traten der RSV und der HSC gegeneinander an. Am 11. Oktober 2020 siegte der HSC mit 3:2 im Sauerland. Am 10. November 2019 kassierte Holzwickede allerdings ein deutliches 0:5.

Der RSV Meinerzhagen muss, ebenso wie der HSC gewinnen, um bei noch ausstehenden sechs Spielen in der Hinrunde nicht auf einem direkten Abstiegsplatz zu bleiben. Denn eines droht: Ist die Hinrunde absolviert (50 Prozent der Spiele) wird, auch bei einem Abbruch erneut durch Corona, die Spielzeit gewertet. Wer dann auf einem Abstiegsplatz rangiert, bucht das Ticket für die Westfalenliga. Und das wollen weder Meinerzhagen noch Holzwickede.

Der HSC wiederum hat noch zwei vielversprechende Spiele in diesem Jahr zu absolvieren. Neben dem Auswärtsspiel in Meinerzhagen folgt am 12. Dezember das letzte Spiel in diesem Jahr zuhause gegen den Tabellenletzten Westfalia Herne. Das sind eigentlich sechs Punkte, die der HSC unbedingt einfahren muss, um halbwegs „ruhige Weihnachten“ feiern zu können.

Schiedsrichter weiß, wie „Medien ticken“

David Hennig ist im „Zivilberuf“ Pressesprecher der Stadt Gladbeck tätig. Am Sonntag legt der 37-jährige, der im Jahr 2016 Ehrenschiedsrichter des FLVW wurde, Stift und Laptop mal zur Seite und greift zur Pfeife. Der Öffentlichkeitsarbeiter, der für Arminia Sodingen pfeift, viel Oberliga-Erfahrung aufweist und auch im Schiedsrichter-Lehrausschuss in Herne aktiv ist, wurde mit der Leitung des RSV/HSC-Spiels beauftragt. Da hilft ihm auch eine seiner Stärken-Aussagen aus seinem Online-Profil: „Ein gutes Auge – und zur Not auch ein zweites“.

Bildzeile: Unter ganz anderen Voraussetzungen fand das letzte Aufeinandertreffen des RSV Meinerzhagen und des Holzwickeder SC am 11. Oktober 2020 statt. Damals war es das Mega-Spitzenspiel – und der HSC siegte durch ein Tor von Nico Berghorst in der letzten Sekunde auswärts mit 3:2.

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