Alles drin beim HSC-Auswärtserfolg: Fünf Tore, Rote Karte gegen Physio, irre Bierwette und Dramatik pur

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Fußball-Oberliga Westfalen: SV Schermbeck – Holzwickeder SC 2:3 (1:1). Zweimal einen Rückstand, davon einen ganz frühen, aufgeholt, große Moral gezeigt, am Ende durch einen fulminanten Treffer von Henri Böcker in der 84. Minute gewonnen und eine Sieglos-Serie gegen einen Angstgegner beendet: Der HSC-Arbeitstag am Sonntag hatte es in sich. Es war eine hektische, umkämpfte Partie, bei der große Unruhe von außen auf den Kunstrasenplatz der Volksbank-Arena II gebracht wurde. Doch am Ende lagen für den HSC drei Punkte „Im Trog“, so die Straßenanschrift der Volksbank II Arena in Schermbeck. In den letzten Jahren hatte es insgesamt drei Niederlagen gegen den SVS gesetzt.

Nils Hoppe und Philipp Gödde fallen drei Wochen aus

HSC-Abwehr-Chef Nils Hoppe musste kurzfristig passen: Im Training war er auf die Schulter gefallen – Schulterecksyndrom. Das bedeutet mindestens drei Wochen Pause für Hoppe. Stürmer Philipp Gödde trat aus Verletzungsgründen die rund 80 Kilometer weite Reise in den Kreis Wesel nicht mit der Mannschaft an und reiste erst zur Halbzeit an. Er hat im Training einen Faserriss erlitten und muss ebenfalls mindestens drei Wochen aussetzen. Das waren keine guten personellen Voraussetzungen. Aber auch Gastgeber Schermbeck musste ganz auf Torjäger Michael Smykacz verzichten. Neuzugang Paul Stieber, Ex-Herne und Aplerbeck sowie Deutscher Meister mit der U19 von Schalke 04, fand sich erst mal auf der Bank wieder. Er kam zur zweiten Hälfte in die Begegnung. Um es vorweg zu nehmen: Er blieb blass und setzte keine Akzente.

Schon nach zwei Minuten klingelte es im HSC-Kasten

Gerade mal zwei Zeigerumdrehungen waren gespielt, als der HSC die Lehren aus Fehlern, die unter der Woche beim Training angesprochen und analysiert wurden, vergaß. Der großgewachsene Alexander Schlüter stand plötzlich in der Strafraummitte komplett frei und hatte keine Probleme, die ganz frühe Führung zu erzielen (2.). Dieser „Hallowach“ wirkte. Freistoß HSC. Marcel Duwe, der ein ganz starkes Spiel machte, schlug das Leder auf Lucas Arenz, der sah Leon Gensicke und der Ex-Wattenscheider erzielte den ganz wichtigen frühen Ausgleich (8.). Der HSC wollte mehr. Tomislav Ivancic scheiterte an Schermbecks Keeper Rafael Hester. In der 22. Minute war es Malte Grumann vom SVS, der HSC-Torhüter Kevin Beinsen zu einer Fußabwehr zwang. Alexander Schlüter, Schütze zum 1:0, fand immer mehr Gefallen an Torabschlüssen. Sein Kopfball in der 34. Minute ging um Zentimeter über den HSC-Kasten.

Bildzeile: HSC-Jubel nach dem Schlusspfiff über den zweiten Saisonsieg in Schermbeck.

Schiri bietet Lucas Arenz Wette über Kasten Bier an

Dass Schiri Tobias Severins aus Wiedenbrück trotz aller Hektik seinen Humor hatte, zeigten zwei Szenen in der 30.und 43. Minute. Zweimal sah das Unparteiischen-Gespann Lucas Arenz im Abseits – durchaus strittig. Als Arenz protestierte, bot ihm Severins eine Wette über einen Kasten Bier an, falls er oder sein Linienrichter sich geirrt hätten. Arenz ging übrigens nicht drauf ein. Situation gut gelöst – alles gut.

Beginn zweite Halbzeit – und wieder nicht aus Fehlern gelernt

Man kann sich auch als Trainer den Mund fusselig reden und immer wieder Fehler ansprechen und analysieren – doch, ein Lehrer wie der immer noch verletzte aber wieder ins Training eingestiegene Lehrer Mathei Bengsch wissen es: Es geht vieles in das eine Ohr ein und direkt aus dem anderen Ohr wieder raus. So auch bei einigen HSC-Kickern. 53. Minute, Ecke für Holzwickede, eine zwei Mann-Absicherung mit Moritz Müller und dem zur Mittellinie aufgerückten Keeper Kevin Beinsen – und alles geht in die Hose. Die Ecke verpufft komplett harmlos, SVS-Akteur Tolga Özdemir nimmt sich das Leder, spurtet über den ganzen Platz und schießt zu umjubelten 2 1 für Schermbeck ins lange Eck ein.

Doch der HSC schüttelte sich einmal zeigte sofort Moral. In der 59. Minute wurde ein Schuss von Lucas Arenz noch abgeblockt. In der 63. Minute war es dann soweit. Leon Gensicke holte zum zweiten Streich aus. Nach Pass von Marcel Duwe war er zur Stelle – 2:2. Damit ist Leon Gensicke aktuell mit drei Toren der treffsicherste HSC-Akteur vor Tomislav Ivancic mit zwei „Buden“.

Dramatische Schlussphase – ein Siegtor mit brachialer Urgewalt durch einen Joker und doch noch die Kiste Gerstensaft

Es sollte der Auftakt zu einer hektischen und dramatischen Schlussphase sein. Der ständige Unruheherd Tolga Özdemir prüfte wieder Kevin Beinsen, der erneut mit Fußabwehr zur Stelle war (64.). In der 81. Minute sauste eine Ecke von Lucas Arenz auf Tomislav Ivancic, der das Tor um Zentimeter verpasste. Es wurde hektisch, das Publikum ging mit, es gab viele Zwischenrufe und Diskussionen auf und abseits des Platzes. In der 84. Minute dann die Entscheidung: Marcel Duwe steckte auf Henri Böcker durch, der aus kurzer Distanz das Leder mit brachialer Urgewalt ins gegnerische Netz knallte. Die SVS-Abseitsreklamationen waren nur pro forma – zu klar war, dass dieser Treffer regelkonform erzielt wurde. Es war das erste Oberligator des Neuzugangs vom SuS Kaiserau – der sich mit einer Kiste Bier bedanken „durfte“. Damit gab es die Kiste Gerstensaft für den HSC also doch noch – ohne die vom Unparteiischen angebotene Wette gegenüber Lucas Arenz. Henri Böcker war als Joker übrigens erst in der 66. Minute für Maurice Majewski eingewechselt worden.

Physio sieht „Rot“

Klar, dass es nach einem späten Tor hektisch wird. Rudelbildung vor der Bank nach einem vermeintlichen Foul eines HSC-Spielers. Und Referee Tobias Severins zieht „Rot“ – aber nicht als Ahndung des Fouls sondern aufgrund der Hektik bei der Rudelbildung. Severins bewertete das Verhalten des HSC-Physiotherapeuten als unsportlich und schickte ihn mit glatt „Rot“ vom Platz beziehungsweise von der Außenlinie.

Was folgte, waren endlos Diskussionen über „Gott und die Welt“ und eine am Ende siebenminütige Nachspielzeit. Dann war Schluss – und der HSC hatte drei Punkte, hat auswärts zweimal gewonnen und einmal zuhause verloren. Das bedeutet aktuell sechs Punkte, 7:7 Tore und Platz 8.

HSC bereits am Mittwoch wieder im Einsatz – im Kreispokal beim A-Ligisten KSC

In der 3. Runde des Krombacher Kreispokals gastiert der HSC am kommenden Mittwoch, 15. September, beim A-Ligisten Kamener SC. Anstoß ist um 19 Uhr auf dem Kunstrasenplatz des Kamener Schulzentrums, Gutenbergstraße. Vor einem Jahr gab es diese Begegnung in der ersten Runde bereits. Damals hatte Holzwickede mit 4 : 0 am Ende die Nase weit vorn.

Große Kulisse beim nächsten Heimspiel erwartet – Gegner SG Wattenscheid bringt so einige Anhänger mit

Groß ist bereits jetzt die Vorfreude auf den nächsten Heimgegner des HSC. Der Ex-Bundesligist SG Wattenscheid will im Aufstiegsrennen eine gewichtige Rolle spielen und hat sich entsprechend personell mit viel Qualität verstärkt. Anstoß ist am Sonntag, 19. September, um 15 Uhr im Montanhydraulik-Stadion. Am Abend spielt übrigens der BVB im Heimspiel um 17.30 Uhr gegen Union Berlin. Die SG Wattenscheid-Fans interessiert das allerdings weniger – sie werden in größerer Zahl nach Holzwickede kommen und ihr Team lautstark anfeuern.

Trainerstimmen
Marc Woller (HSC): Wir haben heute mehr Spielglück gehabt. Das Ergebnis hätte allerdings am Ende auch andersherum lauten können. Mir haben unsere Fehler, die übrigens in den letzten Spielen immer wieder aufgetaucht sind, gar nicht gefallen. Das hatten wir im Training angesprochen und wollten es besser machen. Was mir aber sehr gefallen hat war, dass mein Team nicht nachgelassen hat und immer wieder nach vorn gegangen ist. Diese drei Punkte werden für eine ruhige Trainingswoche vor dem schweren Spiel am kommenden Sonntag gegen Wattenscheid sorgen.

Sleiman Salha (SV Schermbeck): Wir wussten schon vor dem Spiel, dass es gegen den HSC brutal schwierig werden wird. Wir hatten große Personalprobleme und ich bleibe dabei: Wir werden erst im Oktober richtig angreifen können. Bis dahin müssen wir uns irgendwie durchschlagen. Kritisieren muss ich allerdings unsere Defensive, die sonst eigentlich gut steht und auch aus hochgewachsenen Spielern besteht. So wie gegen Holzwickede darf sie sich nicht präsentieren.

SV Schermbeck: Rafael Hester, Alexander Schlüter (46. Paul Stieber), Mike Jordan, Maik Habitz, Tolga Özdemir, Nikolaj Zugcic, Malte Grumann (66. Miles Grumann), Gabriel Cavar (84. Lukas Steinrötter), Jan Bachmann, Bernad Gilogjani (66. Eugene Ofosu-Ayeh), Enes Orguz Timur Schick.
HSC: Kevin Beinsen, Moritz Müller, André Schneider, Enis Delija, Marcel Duwe, Tomislav Ivancic, Leon Gensicke (86. Tim Walter Breuer), Robin Schultze, Maurice Majewski (66. Henri Böcker), Jonathan Kyeremateng (77. Til Busemann), Lucas Arenz (90+3 Fabian Jenusch).
Tore: 1:0  Schlüter (2.), 1:1 Gensicke (8.), 2:1 Özdemir (53.), 2:2 Gensicke (63.), 2:3 Böcker (84.).
Schiedsrichter: Tobias Severins (Wiedenbrück):
Zuschauer: 150:
HSC-Bestnoten: Marcel Duwe, Leon Gensicke, Jonathan Kyeremateng.

Bildzeile: Henri Böcker wurde in der 66. Minute eingewechselt und erzielte den 3:2-Siegtreffer in Minute 84.

 

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