90 Minuten Konzentration hochhalten – das bekommt der HSC einfach nicht hin

435

Fußball-Oberliga: SpVgg Vreden – Holzwickeder SC 1:0 (1:0). Eigentlich sind es Binsenweisheiten: Ein Spiel dauert mindestens 90 Minuten – und in der Oberliga gibt es erst recht keine Zeit für Unaufmerksamkeiten oder gar Blackouts. Doch zum wiederholten Male in dieser Spielzeit gönnte sich der HSC am Sonntag eine „kollektive Auszeit“. Und die dauerte im Spiel bei der SpVgg Vreden gleich stolze 25 Minuten in der ersten Hälfte.

„Wir müssen endlich mal ein Match über die volle Spielzeit konstant durchspielen, dann holen wir auch wieder Punkte“, hoffte Co-Trainer Daniel Frieg auf bessere Zeiten für Holzwickede. Doch davon ist der Sport Club in dieser Verfassung weit entfernt – meilenweit. Vor allem, weil gerade die routinierten Spieler derzeit nicht über eine konstant gute Form verfügen. Gegen Vreden allerdings gab es einen Spieler, der mindestens ein „befriedigend“ auf dem Zeugnis für diesen Spieltag bekam: Verteidiger Jonathan Kyeremateng zeigte großes Engagement und räumte in der Defensive viel weg.

Marc Woller fällt mit Grippe aus – Daniel Frieg als Ersatz-Coach

Ohne Leon Gensicke, Enis Delija, Nils Hoppe,  André Schneider, Moritz Müller und der in die „Zweite“ abgestellte Dario Markovski, der nach seiner Verletzung erst wieder Spielpraxis sammeln muss, war die Personalsituation des HSC auch an der niederländischen Grenze und 130 Kilometer vom Montanhydraulik-Stadion entfernt, angespannt. Der grippeerkrankte Coach Marc Woller wurde zudem durch Co-Trainer Daniel Frieg, der auch noch an den Folgen eines Kreuzbandrisses leidet, an der Linie vertreten.

HSC mit gutem Start – und dann war „Stille“

Der HSC kam ordentlich ins Spiel, bestimmte das Geschehen auf dem Platz, war feldüberlegen. Den Blau-Gelben von Gastgeber Vreden sah man die Verunsicherung nach dem 0:6 vom vergangenen Sonntag in Rhynern an. Zwei Chancen erarbeiteten die ganz in Grün gewandeten Kicker aus der Emscherquellgemeinde. Mathieu Bengsch zog das Leder von außen in die Mitte, doch Philipp Gödde traf das Leder nicht richtig (18.). In der 20. Minute war es erneut Philipp Gödde, der nach einer Ecke von Lucas Arenz das Leder nicht optimal mit dem Kopf traf und vorbeizielte. Das war es dann mit der Holzwickeder Herrlichkeit – und was ab Minute 21 passierte, da wird man sich in den nächsten Trainingseinheiten intensiv beschäftigen müssen. Es kam nämlich nichts mehr aus Sicht des HSC in der ersten Hälfte., rein gar nichts, nur eine unendliche Fehlerkette.

HSC lädt Vreden zum Spielen ein – und gönnt sich Auszeit 

Die Gastgeber meldeten sich ab der 21. Minute ins Spiel an. Und wie. Der HSCer Til Busemann verlor auf der linken Seite das Leder an Nicolas Osterkötter, der sah sich plötzlich ohne Gegenspieler und rannte auf Kevin Beinsen zu – doch er traf nur den Pfosten (21.). Die Szene war noch nicht vorbei. Der HSC konnte nicht klären – das Leder landete auf dem Schädel von Vredens Kapitän Niklas Niehuis, der die Latte anvisierte. Den Nachschuss jagte Dennis Wüpping dann haarscharf am Pfosten vorbei – das war schon Slapstick aus Sicht des Gastgebers, denn jede Möglichkeit in dieser einen Minute war eine Hundertprozentige. Und der HSC: Der sah andächtig zu und staunte. Dennis Wüpping zielte dann auch in der 25. Minute knapp daneben. Das Tor für Vreden war überfällig.

Vredener Siegtor nicht unumstritten 

Das Glück des HSC endete in Minute 38. Eine hohe Flanke von Timo Grabowsky segelte in den Strafraum, war gefühlt minutenlang in der Luft, kein HSCer, auch nicht Keeper Kevin Beinsen konnten klären, und Niklas Niehuis traf per Kopf. Kevin Beinsen war bedient, meckerte, weil er sich in der Spielertraube vor seinem Kasten von Vredener behindert gefühlt hatte. „Das war ein irreguläres Tor, die haben mich mit gleich mehreren Spielern weggeblockt. Ich wiege 90 Kilogramm, da setze ich mich normalerweise durch“, schimpfte der „Schnapper“ nach dem Spiel. Schiedsrichter Lars Bramkamp zückte dann noch als Zugabe „Gelb“ gegen Beinsen – wegen Meckerns. Vredens Trainer Engin Yavuzaslan gab nach dem Spiel zu, schon „einen Spieler vor den Torhüter gestellt zu haben, doch der war viel kleiner, körperlich unterlegener und hat es in den vorherigen Szenen auch nicht gut gemacht, das haben wir ihm gesagt“, so der Trainer der Gastgeber.

Bildzeile: Auch der eingewechselte Lavdrim Yusufi (re.) konnten dem HSC-Spiel keine Wende geben.

Sei es drum, es war der Halbzeitstand, als Schiedsrichter Tim Bramkamp vom TuS Hattingen zum Pausentee pfiff. Der Unparteiische zückte übrigens viermal Gelb – alle gegen Holzwickede. Ein „Auswärts-Schiedsrichter“ war er mit Sicherheit nicht, denn viele seiner Pfiffe richteten sich gegen Holzwickede.

Hälfte 2: HSC bemüht

Die Geschichte der zweiten 45 Minuten ist schnell erzähl. Vreden, nun wirklich kein Team, das die ganz feine Klinge spielt, sondern eher höchst überschaubar agiert, zog sich zurück, ließ Holzwickede Räume, ohne dass aber echte Gefahr von den Gästen aufblitzte. Der eingewechselte Henri Böcker legte für Philipp Gödde auf, der traf den Ball nicht richtig, Marcel Duwe bemächtigte sich des Leders und schoss weit über den Kasten (61.). Der ebenfalls ins Spiel gekommene Tomislav Ivancic zielte zu hoch (74.). Der weitgehend beschäftigungslose Torhüter aus Vreden, Ricardo Ottink, zeigte eine gute Parade nach Freistoß von Lucas Arenz (75.). Robin Schultze passte auf Henri Böcker, doch auch für Böcker war das Tor zu klein (87.).

Es wird in der Tabelle unangenehmer

Der HSC ist nun seit fünf Spielen ohne Sieg. Man bleibt nach der Niederlage auf Platz 17 und damit dem ersten Abstiegsplatz. Der Zug nach „oben“ ist erst mal abgefahren – zum zehnten Platz, der zur Aufstiegsrunde berechtigt, sind es bereits fünf Zähler. Mit 9:22 Toren zeigt auch diese Statistik die bislang sehr bescheidenen Leistungen in Verteidigung und Angriff. Mehr Tore haben nur der Letzte, Herne (24) und Meinerzhagen (22) kassiert. Der HSC ist also endgültig im Abstiegskampf angekommen.

Tabellenvierter FC Gütersloh als nächster Gegner

Am kommenden Sonntag, 31. Oktober, kommt es zum Duell mit dem Tabellenvierten FC Gütersloh um 15 Uhr im Montanhydraulik-Stadion. Dort soll und muss dann die bisherige Heimbilanz von vier Niederlagen positiv aufgebessert werden.

Trainerstimmen
Daniel Frieg (Co-Trainer HSC): Wir sind eigentlich gut ins Spiel gekommen. Die ersten 20 Minuten gingen an uns. Bis dahin hatten wir alles im Griff, alles unter Kontrolle. Doch dann kam wieder ein individueller Fehler. Wir hauen uns die Dinger viel zu oft quasi selber rein. Woche für Woche rennen wir so einem 0 : 1 hinterher. Wir müssen endlich wieder einfachen Fußball spielen und über volle 90 Minuten konzentriert zu Werke gehen. Dann holen wir auch wieder Punkte.
Engin Yavuzaslan (Vreden): Der Sieg in diesem Spiel war so wichtig für uns, vor allem als Reaktion nach dem 0 : 6 am letzten Sonntag in Rhynern. Meine Spieler haben wie echte Männer verteidigt, haben echte Leidenschaft gezeigt.

SpVgg Vreden: Ricardo Ottink, Tim Schücker, Kilian Heisterkamp, Malte Hoffmann, Nicolas Ostenkötter (90+2 Sasun Ülütas), Timo Grabowsky, Niklas Niehuis (72. Marvin Hakvoort), Arian Tim Kraushaar (57. Leon Kondring), Bernd Verwohl, Dennis Wüpping (87. Henrik Resing).
HSC: Kevin Beinsen, Til Busemann (69. Tomislav Ivancic), Philipp Gödde, Marcel Duwe, Mathieu Bengsch (57. Henri Böcker), Robin Schultze, Ensar Selmanaj (57. Lavdrim Yusufi), Jonathan Kyeremateng (87. Damjan Illic), Fabian Jenusch, Lucas Arenz.
Tor: 1:0 Niedhuis (38.).
Schiedsrichter: Lars Bramkamp (TuS Hattingen).
Zuschauer: 250.

Bildzeile: Die Holzwickeder Lukas Arenz (li.) und Marcel Duwe (re.) versuchen hier einen Vredener Gegenspieler zu stoppen.

 

 

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.