5 Fragen an die dreifache Segelflug-Weltmeisterin Sue Kussbach

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Segelfliegen: Sue Kussbach von den Luftsportfreunden Kamen/Dortmund wurde in Issoudun/Frankreich zum dritten Mal Weltmeisterin im Segelfliegen der Standardklasse. Das Triple schaffte vor ihr noch keine andere Frau, insofern hat sie sich erfolgreich in die Geschichtsbücher des Segelfliegens eingeschrieben. Große Ehrungen und Feiern standen bisher ob dieses Erfolges noch nicht an, werden folgen. Der Verein hat sein prominentestes Mitglied  sogleich geehrt. Unser SKU-Team traf die erfolgreiche Pilotin auf dem Kamener Segelflug-Gelände an der Derner Straße, wo sie auch als Chefflug-Lehrerin in ihrem Verein ihren Dienst tut, und stellte ihr fünf Fragen.

SKU: Wie fühlt man sich als dreifache Weltmeisterin und dabei Einmaliges geschafft zu haben?
Sue Kussbach: „Gut, ein schönes Gefühl. Wenn man die Dinge im Vorfeld der WM mit einbezieht, dann ist diese dritte Weltmeisterschaft die schönste von meinen drei Titeln. Als bekennender BVB-Fan kann ich auch sagen, dass nicht nur die Bayern das Triple können, auch ein BVB-Fan kann das.“

SKU: Das müssen Sie uns erklären?
Sue Kussbach: „Ich hatte vor der WM fast ein halbes Jahr mit Knieproblemen zu kämpfen. Dann wurde ich operiert und erst kurz vor der WM gab mir der Arzt grünes Licht. Ich bin also praktisch ohne große Vorbereitung an den Start gegangen. Alle Wettbewerbe vorher habe ich auch sausen lassen müssen. Als Titelverteidigerin hatte ich ohnehin ein Startrecht. Und dann standen auch noch zehn Wertungsflüge in Issoudun an. So viele gab es lange nicht mehr. Hinzu kam kein einfaches Wetter. Das verlangte hohes Können. Alles also ein wenig anders als sonst. Eine gute WM-Vorbereitung sieht anders aus. Insofern ist die dritte WM was Besonderes. Die WM 2013 war mein Saisonhöhepunkt. Dafür ging wieder mein Urlaub drauf. Für die WM 2014 in Finnland und WM 2015 in Dänemark bin ich wieder qualifiziert.“

SKU: Und wie lief es dann bei den zehn Wertungsflügen?
Sue Kussbach: „Von Knieproblemen war Gott sei Dank im Flieger nichts zu verspüren. Mit meiner deutschen Teamkollegin Conny Schaich habe ich ein Team gebildet. Von Anfang an waren wir auf den Plätzen eins und zwei. Sie führte anfänglich, ich knapp dahinter. Die Absprache galt, nicht einander angreifen, absichern. Ich hätte ihr auch den WM-Titel gegönnt. Da ist Überehrgeiz fehl am Platze. Man muss auch gönnen können – vor allem im Team. So ging das bis zum 7. Wertungsflug. Da lief es bei Conny nicht so gut, sie verlor entscheidenden Boden auf mich. Ich wollte sie wieder rankommen lassen, segelte an diesem Tag meinerseits im Spazierflug. Das reichte trotzdem zur Führung. Dann war ich vorne und blieb bis zum Schluss vorne.“

SKU: Und die Konkurrenz?
Sue Kussbach: „Die hatten Conny und mich als Favoriten ausgeguckt, versuchten ständig hinter uns her zu fliegen. Aufgrund unserer individuellen Klasse konnten wir sie auf Distanz halten. Das verschaffte uns Anerkennung vom Fach.“

SKU: Wie schafft man es, auch große Vorbereitung bei entscheidenden Wettbewerben dennoch vorne zu landen?
Sue Kussbach: „Wenn ich fliege, dann hilft mir natürlich meine Routine von mehr als 16 Jahren Nationalmannschaftszugehörigkeit weiter. Es ist aber nicht so, dass man vor Wettkämpfen untätig bleibt. Man beschäftigt sich am Computer beispielsweise mit dem anstehenden Wettkampf. Segelfliegen ist zu 60 Prozent ein mentales Problem und das Wetter kann ich zum Glück auch meistens richtig einschätzen.“

Bild: Im Verein wurde Sue Kussbach (2.v.re.) bereits für ihren dritten WM-Titl geehrt

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